«Finito! Finito! Finito!»

Ein Untersuchungsbericht zum Unfall der Patrouille Suisse in Leeuwarden liegt vor. Darin wird der Pilot scharf kritisiert.

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«Tutti finito! Finito! Finito!» Notfallmässig bricht die Patrouille Suisse mit diesem Funkspruch im Juni 2016 ihren Flug in Leeuwarden ab. Zwei der sechs Tiger-Jets sind kollidiert. Einer stürzt ab. Pilot «Püppi» katapultiert sich aus dem Cockpit, wird leicht verletzt. «Roody», am Steuer des anderen F5-Tigers, gelingt die Landung im beschädigten Jet mihilfe eines Kameraden aus der Luft.

Nun hat die unabhängige holländische Untersuchungsbehörde Dutch Safety Board ihren Bericht zum ersten Unfall der Patrouille Suisse seit 52 Jahren publiziert. Das schreibt das Aviatikmagazin «Skynews».

Mit einem Handy hat ein Amateurfilmer den abstürzenden Jet auf Video festgehalten. (Quelle: Youtube/De Telegraaf)

Ihm ist zu entnehmen, dass «Püppi» und ein zweiter Jet sich zu zwei anderen Fliegern gesellen sollten – zu denen «Roody» gehörte. Dazu unterflog «Püppi» den ihn begleitenden Jet und überholte ihn, was nicht vorgesehen war. Die beiden anderen Maschinen waren bereits erreicht, als «Püppi» seine Maschine wieder in die richtige Position bringen wollte, in dem er die Geschwindigkeit drosselte und seinen Jet in eine Querlage nach rechts legte. Dadurch verlor er den Blickkontakt zu «Roodys» Maschine, der schneller unterwegs war und sich in einer Querlage in die entgegengesetzte Richtung befand. In einer Höhe von rund 400 Metern kollidierten die beiden Tiger.

Visualisierung: Dutch Safety Board

Die Untersuchungsbehörde hält fest: Es gebe keinen offensichtlichen Grund, weshalb «Püppi» seinen Kameraden überholt habe. Wahrscheinlich sei, dass er Geschwindigkeit und Distanz falsch eingeschätzt habe, «trotz der Tempoangaben des Leaders».

Dem Bericht ist zu entnehmen, dass der fehlbare Pilot seit 2012 der Luftwaffe angehört, auch F/A-18 fliegt und auf den Maschinen PC-7 sowie PC-21 als Fluglehrer tätig ist. Am Tag des Unfalls wies sein Flugbuch 1257 Flugstunden auf. Aber nur 125 davon hatte er auf dem F5-Tiger-Jet absolviert. Er hatte sich 2016 darauf umschulen lassen, um bei der Patrouille mitzufliegen.

Visualisierung: Dutch Safety Board

Unauffindbare, festgelegte Verfahren

Zwar gaben die Staffelpiloten gegenüber der Behörde an, dass eigens für den Fall, dass einer von ihnen den Sichtkontakt zu einer Maschine verliert, geregelte Verfahren existierten. «Diese wurden nicht gefunden», schreibt aber das Dutch Safety Board. Zum Unfall beigetragen hat laut Bericht, dass die Mitglieder der Patrouille Suisse sowohl als reguläre Kampf- als auch als Show-Piloten eingesetzt und mehrere Flugzeugtypen fliegen würden. Anders hielten es Kunstflugstaffeln anderer Nationen. Deren Piloten würden für eine bestimmte Zeit für die Showfliegerei «abgestellt» und flögen nur den in der Formation benutzten Flugzeugtyp. Verglichen zu anderen Teams schätzt die Untersuchungsbehörde die Trainingsintensität und -häufigkeit der Patrouille Suisse zudem als tief ein. Die nur beschränkte Anzahl an Trainingsflügen könne beim Unglück eine Rolle gespielt haben.

Visualisierung: Dutch Safety Board

Die Schweizer Militärjustiz hat unmittelbar nach dem Unfall eine Sachverhaltsabklärung aufgenommen, die in den nächsten Monaten abgeschlossen sein soll. Erst dann wird sie entscheiden, ob sie eine Voruntersuchung einleitet. Die Armee will sich nicht zum niederländischen Untersuchungsbericht äussern, bevor die Ergebnisse der Untersuchung durch die Schweizer Militärjustiz vorliegen. Nur so viel: «Im Rahmen der ersten Betrachtungen des Vorfalles haben sich keine Sofortmassnahmen aufgedrängt.» Der Pilot leiste deshalb regulären Flugdienst.

Erstellt: 10.02.2019, 11:56 Uhr

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