Flutwelle bringt Tod und Zerstörung

Das Hochwasser fordert in Serbien und Bosnien Dutzende Opfer und zwingt eine halbe Million Menschen zur Flucht.

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Die Jahrhundertflut auf dem Balkan droht dramatische Ausmasse anzunehmen. Am Montag begann die serbische Armee mit der Evakuierung von Dutzenden Dörfern in der Umgebung der Stadt Sabac, nachdem das Hochwasser einen Damm aus Sandsäcken teilweise zum Einsturz gebracht hatte. Angesichts der gewaltigen Wassermassen rief Armeechef Ljubisa Dikovic die Bevölkerung auf, die Stadt mit etwa 70'000 Einwohnern vor der Katastrophe zu retten. Soldaten, Dorfbewohner und Rettungskräfte waren pausenlos im Einsatz. In der unweit von Belgrad gelegenen Kleinstadt Obrenovac, die am schlimmsten betroffen wurde, befindet sich das grösste Kohlekraftwerk Serbiens: Dort versuchen Soldaten und Arbeiter seit Tagen, das Elektrizitätswerk vor Überschwemmungen zu schützen und am Netz zu halten.

Aus den überfluteten Gebieten in Serbien wurden bisher 25'000 Menschen evakuiert. Die sintflutartigen Regenfälle begannen vor einer Woche. Inzwischen hat die Jahrhundertflut Serbien, das Nachbarland Bosnien-Herzegowina und Teile Kroatiens heimgesucht. Die Behörden registrierten bisher mehr als 40 Tote, doch im Zuge der Aufräumarbeiten wird mit noch mehr Opfern gerechnet. Allein in Obrenovac starben 13 Menschen. Am Montag ordnete das serbische Innenministerium die komplette Evakuierung der Ortschaft an.

Flüsse wie Save, Donau, Drina und Tisa haben seit Menschen­gedenken nie so viel Wasser auf dem Balkan geführt. Eine neue Flutwelle des Flusses Save rollte am Montag aus Kroatien auf Nordbosnien und den Westen Serbiens zu. In der Region sind über 250'000 Haushalte ohne Strom, Wasser und Telefonverbindung. Serbiens Gesundheitsminister Zlatibor Loncar warnte vor Seuchen. Die Bevölkerung dürfe nicht ohne Entwarnung der Behörden in die Häuser zurückkehren.

In Bosnien, wo fast eine halbe Million Menschen die Häuser verlassen mussten, steigt zudem die Angst vor Minen aus dem jüngsten Krieg, die das Hochwasser mitgerissen haben könnte. Weite Landstriche sind bedeckt mit Tierkadavern, Müll und Trümmern. In Mali Zvornik, einer serbischen Kleinstadt an der Grenze zu Bosnien, rutschte ein Berg in den Fluss Drina ab. Die Gemeinde ist nur über bosnisches Territorium erreichbar. Viele Strassen sind von Schlammlawinen überschüttet, wichtige Brücken wurden gesperrt. Die Folgen für die Landwirtschaft in Bosnien, in der kroatischen Region Slawonien und in Serbien könnten laut Experten verheerend sein. Tausende Hektaren Ackerland, Obst- und Gemüseplantagen sowie Wiesen sind geflutet und grösstenteils vernichtet. Auch die Schäden an der öffentlichen Infrastruktur sind enorm.

1 Milliarde von der EU

Die EU hat den Regierungen in Belgrad und Sarajevo Unterstützung zugesagt. Als Beitrittskandidat stünden Serbien bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung, um die Schäden zu beseitigen, erklärte eine EU-Sprecherin. Bosnien kann mit solchen Hilfsbeiträgen aus Brüssel nicht rechnen, weil das Land wegen der ethnischen Polarisierung die Bedingungen nicht erfüllt hat, um den Status eines Beitrittskandidaten zu erhalten. In den serbischen Medien wird ausführlich über die Hilfe Russlands berichtet. Ministerpräsident Aleksandar Vucic verteilte in den letzten Tagen medienwirksam Lebensmittel und Bettdecken für Flutopfer und erklärte, die Serben hätten nach schlimmeren Ereignissen ihr Land wieder aufgebaut – eine Anspielung auf die Nato-Luftangriffe gegen Serbien wegen des Massenmordes in Kosovo im Jahre 1999.

Die Hochwasserkatastrophe kommentierte auch das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche. Patriarch Irinej sagte, die Flut sei eine «Warnung Gottes», sich von Lastern, Boshaftigkeit und Gesetzlosigkeit fernzuhalten. Als Grund für die Überschwemmungen nannte er den für Ende Mai angesetzten Homosexuellenumzug in Belgrad. Die Gay-Pride-Parade richte sich gegen die Gesetze des Lebens.

Erstellt: 20.05.2014, 07:57 Uhr

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