Aarberg

Garagenbesitzer wegen Explosion verurteilt

Weil Autotreibstoff in den Öltank geschüttet worden war, kam bei einer Explosion in einer Berner Autowerkstatt vor drei Jahren ein Mann ums Leben. Der Besitzer wurde nun verurteilt.

Fassade beschädigt, Fenster zersplittert: Die Wucht der Druckwelle nach der Explosion war enorm.  Bild: Markus Heinzer, newspictures

Fassade beschädigt, Fenster zersplittert: Die Wucht der Druckwelle nach der Explosion war enorm. Bild: Markus Heinzer, newspictures

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Der Knall war in ganz Aarberg BE zu hören. Am 19. Februar 2013 um 8.30 Uhr liess eine gewaltige Detonation die Scheiben erzittern und erschreckte die Nachbarn einer Autowerkstatt. Im Keller hatte es eine Explosion gegeben, die einem Mitarbeiter das Leben kostete. Die Druckwelle war so gross, dass eine Fassade des Gebäudes Löcher hatte und Teile weit verstreut lagen.

Am Montag standen zwei Beteiligte vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland, das für einmal in Bern tagte. Es war zu spüren, wie das Geschehen die Beschuldigten noch immer aufwühlte. «Der Verlust des Mitarbeiters geht mir sehr nahe», sagte der Garageninhaber zur Richterin Corinne D’Angelo. Und der damalige Werkstattleiter erklärte, für ihn seien der Unfall und die folgenden Untersuchungen «ein Horror» gewesen.

Feuerzeug im Tankraum

Das Verfahren wurde öffentlich, weil die Beschuldigten gegen das Urteil der Staatsanwaltschaft Einsprache erhoben. Beide waren wegen fahrlässiger Tötung und Widerhandlung gegen das Umweltschutzgesetz verurteilt worden, der Besitzer zu einer bedingten Geldstrafe von gut 19'000 Franken und zu Verfahrenskosten von 24'000 Franken, der Werkstattleiter zu einer Strafe von 900 Franken bedingt und 6500 Franken Verfahrenskosten.

Grund für die Strafen: In der Garage waren über Jahre Treibstoffgemische in den Heizöltank geschüttet worden. Sie stammten aus falsch betankten Kundenautos, die in der Garage entleert wurden. Gemäss der Untersuchung des Dezernats Brände und Explosionen der Kantonspolizei hatte sich deswegen ein Gasgemisch gebildet. Dieses explodierte, als das spätere Opfer den Füllstand des Öltanks kontrollieren wollte.

Die Explosion ausgelöst hatte das spätere Opfer selbst. Das Gasgemisch im Tank war explodiert, weil der Mann sein Feuerzeug angezündet hatte, wie es im Untersuchungsbericht heisst. Andere mögliche Zündquellen wie der Lichtschalter wurden ebenfalls untersucht, als Ursache aber verworfen.

Vor dem Gericht sagten die Angeklagten aus, in der Autowerkstatt sei es üblich gewesen, den falsch getankten Treibstoff in Firmenfahrzeuge zu füllen oder in die Heizanlage zu leeren. «Für mich war es nie eine Frage, ob man das darf», sagte der Garagier. Schon bei den Motorfahrern im Militär habe man dem Dieseltreibstoff Benzin zugegeben, damit er im Winter nicht einfror. «Ich hatte nie gehört, dass es dabei zu einer gefährlichen Gasbildung kommt.» Er habe die Entleerungen in den Tank nicht direkt angeordnet, das sei vor Jahren einmal so festgelegt worden.

«Er hätte es wissen müssen»

Der Anwalt des Werkstattleiters argumentierte, sein Mandant habe gemäss den Aussagen der Mitarbeiter nie eine Weisung zur Entleerung des Treibstoffs erteilt. Dies habe der Garagenbesitzer festgelegt. Er forderte deshalb einen Freispruch in allen Punkten. Der Verteidiger des Besitzers plädierte ebenfalls auf Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung. Denn dieser habe nicht damit rechnen müssen, dass sein Mitarbeiter im Tankraum mit Feuer hantiere. Einen Schuldspruch sah er einzig wegen der Widerhandlung gegen das Umweltschutzgesetz.

Corinne D’Angelo sprach den Garagier aber wegen fahrlässiger Tötung und Verstosses gegen das Umweltschutzgesetz schuldig. Er hätte wissen müssen, dass das Gasgemisch explodieren könne, sagte sie. «Ohne den Autotreibstoff im Öltank wäre es nicht geschehen.» Sie verurteilte den Mann zu einer bedingten Geldstrafe von gut 11'000 Franken und einer Busse von 2250 Franken. Er muss auch Verfahrenskosten von rund 22'000 Franken bezahlen. Der Werkstattleiter wurde freigesprochen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.01.2016, 21:28 Uhr

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