Gassi gehen mit dem Miet-Pudel

Wenig Zeit und kaum Platz: Also leihen sich Menschen in Tokio einfach Hunde – stundenweise. Ein Spaziergang kostet rund 30 Franken.

20 Tiere zur Auswahl: Für seine Tochter Rino sei die Einrichtung die perfekte Lösung, sagt Shinji Kakinuma.

20 Tiere zur Auswahl: Für seine Tochter Rino sei die Einrichtung die perfekte Lösung, sagt Shinji Kakinuma. Bild: AFP

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Wer im dicht bevölkerten Tokio ein Haustier halten will, hat oft schlechte Voraussetzungen. Wenn die Hausverwaltungen Hunde oder Katzen nicht ohnehin verbieten, sind die Apartments in der japanischen Hauptstadt mit einer durchschnittlichen Grösse von 60 Quadratmetern häufig zu klein. Wer auf Spaziergänge mit Vierbeinern trotzdem nicht verzichten will, kann sich Hunde ausleihen - stundenweise.

Streichelzoo und Haustier-Verleih

Möglich macht dies das Dog Heart, eine Mischung aus Streichelzoo und Haustier-Verleih nur ein paar Minuten Fussweg entfernt vom Yoyogi Park, der grünen Lunge Tokios. Auch Rino Kakinuma spielt hier alle zwei Wochen mit Zwergpudeln oder Beagle-Welpen. Für die Siebenjährige sei das die perfekte Lösung, sagt ihr Vater Shinji Kakinuma: «Sie mag Hunde wirklich, doch unser Zuhause ist für Haustiere nicht geeignet. Mir tat das leid für sie, also schaute ich nach Orten, wo sie Zeit mit Hunden verbringen kann.»

Kommt alle zwei Wochen zum Streicheln: Rino Kakinuma (AFP)

Kunden haben die Wahl zwischen Streicheln vor Ort oder Spaziergang im Park. Wer eines der mehr als 20 Tiere kraulen will, zahlt für eine halbe Stunde umgerechnet 8 Franken, eine Stunde Spazierengehen schlägt mit rund 30 Franken zu Buche. Seit der Eröffnung 2012 ist der Umsatz laut Inhaberin Yukiko Tsuchiya gewachsen, manche Kunden kommen wöchentlich, wie sie sagt. «In den Vororten ist es einfacher, mit Hunden Kontakt zu haben, doch in Tokio werden Angebote wie dieses nachgefragt», sagt die 50-Jährige. «Die Leute bringen ihre Kinder, Paare verabreden sich hier, Männer und Frauen kommen allein... und Senioren auch, weil sie sich zu alt fühlen, um ein Tier zu Hause zu halten.»

Stress für die Tiere

Für die Vierbeiner bedeutet das Angebot nach Einschätzung von Tierschützern dagegen puren Stress: Die Japanische Koalition für Tierschutz JCAW warnt, der Verleih könne die Tiere körperlichen und psychologischen Gefahren aussetzen.

«Die Tiere sind ohne Zweifel verwirrt oder frustriert von der grossen Bandbreite von Leuten, die zu der Einrichtung kommen», sagt JCAW-Leiter Koichi Aoki. Sie könnten bei falscher Behandlung «vielleicht sogar traumatisiert werden». Wenn Kunden für die Spaziergänge zahlen, so bestehe die Gefahr, dass sie die Tiere überfordern, etwa bis zur Erschöpfung laufen lassen, was Verletzungen oder Gelenkentzündungen zur Folge haben könnte, sagt Aoki.

Echte Tokioer Hunde

Tsuchiya betont, sie sei sehr vorsichtig mit ihren Tieren. «Manche Leute machen sich Sorgen, dass die Hunde zu vielen Leuten ausgesetzt sind. Doch sie wurden in dieser Umgebung geboren, deshalb ist das kein Problem.» Alle Vierbeiner freuen sich nach ihren Worten, wenn sie spazieren gehen dürfen, gestreichelt oder hochgenommen werden. «Die Leute sagen, es sei stressig für die Hunde, aber wenn das Wetter schlecht ist und keine Kunden kommen, dann langweilen sich die Hunde. Sie stehen eigentlich weniger unter Stress, wenn Kunden hier sind.» (spu/AFP)

Erstellt: 29.03.2015, 21:56 Uhr

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