Geldmaschine im Pelz

Grumpy Cat, die mürrisch dreinschauende Katze, hat ihrer Besitzerin in zwei Jahren Abermillionen eingespielt.

Grumpy Cat sieht vielleicht nicht so gut aus wie Cristiano Ronaldo, verdient aber ähnlich viel wie der Fussballer. Foto: Grumpycats.com

Grumpy Cat sieht vielleicht nicht so gut aus wie Cristiano Ronaldo, verdient aber ähnlich viel wie der Fussballer. Foto: Grumpycats.com

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Alle paar Wochen wird im Internet ein neuer Katzenstar geboren: Keyboard Cat. Nyan Cat. Hero Cat. Surprised Kitty. Colonel Meow. Und Sad Cat – das ist die Katze mit den traurigen Augenbrauen. Das Youtube-Video «Very angry cat» wurde 87 Millionen Mal angeklickt. Es gibt Katzenfilmfestivals und Games wie «Angry Cats». Und Nachrichtenportale wie Buzzfeed lassen mit ­Beiträgen wie «13 Tierbabys, die gegen schlechte Laune helfen», seriöse Verleger erbleichen.

Die beliebteste aller Katzen der digitalen Ara ist und bleibt aber Grumpy Cat, zu Deutsch: mürrische Katze. Ihr Verdienst belegt es hinlänglich: Gegen 100 Millionen Dollar soll sie ihrer Besitzerin in den letzten zwei Jahren eingetragen haben. Ihr Einkommen sei höher gewesen als das von Cristiano Ronaldo oder Nicole Kidman, konnte man lesen.

In Morristown, Arizona, wurde Tardar Sauce, so ihr bürgerlicher Name, im April 2012 geboren. Ihre kommerzielle Ausbeutung begann früh: Als Tardar Sauce fünf Monate alt war, landete zum ersten Mal eine Aufnahme von ihr im Netz. Bereits zwei Tage später konnte sich Grumpy Cat vor Klicks und Likes nicht mehr retten.

Ihre Besitzerin Tabatha Bundesen, Kellnerin bei der Seafood-Kette Red Lobster, kündigte daraufhin ihren Job und nahm sich einen Manager; ihr Bruder bespielt die sozialen Medien.

Mittlerweile hat Grumpy Cat mehr Follower und Facebook-Freunde als Heidi Klum. Und sie hat ihrem noch nicht allzu langen Leben mit Plüschtieren, T-Shirts, Grumpuccino-Kaffee und anderem Merchandising-Nippes unglaubliche Einnahmen ermöglicht.

Überbiss und Gendefekt

Grumpy Cat war «Katze des Jahres», Plakatmotiv der Piratenpartei im Bundestagswahlkampf und Sprecherkatze des Tierfutterkonzern Friskies. Sie ist eingetragene Marke, Touristen­attraktion, Fernsehstar, Autorin von Ratgebern wie «Der mürrische Führer durch das Leben». Gerade ist ihr erster Spielfilm angelaufen. Ein Weihnachtsfilm namens «Grumpy Cat’s Worst Christmas Ever».

Die Regel zum Phänomen der Internetkatze ist simpel: Je menschenähnlicher ein solches Tierchen wirkt, desto mehr Zuspruch erntet es. Grumpy Cat sieht mit ihren hängenden Mundwinkeln ungefähr so grummelig aus wie Angela Merkel nach einer erfolglosen EU-Nachtsitzung. Schlechte Laune ist ihr Markenzeichen: Jeder, der ein Foto dieser Katze sieht, muss lachen.

Dabei ist sie eigentlich gar nicht so: Grumpy Cats mürrisch aussehender Überbiss verdankt sich einem Gendefekt, dem sogenannten felinesken Kleinwuchs. Zwar mögen es Tierschützer nicht, wenn behinderte Katzen in der Internet-Freakshow blossgestellt werden. Aber putzige Handicaps machen Kätzchen nun einmal noch süsser: Grumpy Cats schärfste Rivalin, die zahnlose, stummelbeinige Lil Bub, leidet gleich an mehreren seltenen Defekten.

Grumpy Cat hätte eigentlich allen Grund, schlecht gelaunt zu sein: Von kichernden Fans oder von Stars wie Jennifer Lopez gehätschelt, gedrückt, zu Pfotenautogrammen und Katzen­selfies gezwungen zu werden, ist nicht wirklich artgerecht. Andererseits landen Katzen anderswo im Kochtopf. Dass es Grumpy Cat an nichts fehlt, dafür wird ihre glückliche Besitzerin ja wohl hoffentlich sorgen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2015, 22:46 Uhr

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