Grosser Mafia-Prozess in der Schweiz

Die Bundesanwaltschaft hat gegen 13 mutmassliche Mitglieder der kalabrischen 'Ndrangheta Anklage erhoben. Die Beschuldigten sollen seit 1994 vor allem im Rauschgift- und Waffenschmuggel tätig gewesen sein.

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In der Schweiz kommt es zu einem grossen Mafiaprozess: Wie die Bundesanwaltschaft (BA) am Freitag mitteilte, wird den 13 Personen vorgeworfen, sich an einer auf der Achse Zürich-Tessin- Italien tätig gewesenen kriminellen Organisation beteiligt oder eine solche unterstützt zu haben. Neben Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Kriegsmaterialgesetz wirft ihnen die BA auch Geldwäscherei sowie weitere Delikte vor.

Hierarchisch organisiert

Der 'Ndrangheta-Ableger war den Angaben der Bundesanwaltschaft zufolge stabil strukturiert und auf Dauer angelegt. Die Organisation habe über eine rigide Hierarchie mit klarer Aufgabenteilung verfügt. Sie habe ihre Struktur und ihre Mitglieder geheim gehalten, um kriminelle Gewalthandlungen zu verüben oder sich mit kriminellen Machenschaften zu bereichern.

Verantworten müssen sich die Angeschuldigten vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona unter anderem wegen Schmuggels von 14 Kilogramm Kokain sowie von 285 Waffen. Sie sollen auch an der Geldwäscherei von über 15 Millionen Franken beteiligt gewesen sein.

Die Geldwäschereihandlungen stehen dabei in Zusammenhang mit der widerrechtlichen Abzweigung von Vermögenswerten aus den Zürcher Gesellschaften World Financial Services AG und PP Finanz Service GmbH. Abgezweigt wurden dabei Gelder von zahlreichen Kunden, die den beiden Gesellschaften Gelder anvertrauten, die auf den Devisenmärkten angelegt werden sollten.

Anleger betrogen

Aufgeflogen war dieser Fall im Jahr 2003, als der Devisenhändler der zwei Firmen nach den Sommerferien nicht mehr auftauchte, nachdem er zuvor die Konten seiner Kunden bei einer Londoner Wertschriftenfirma aufgelöst hatte. Insgesamt sollen 2700 Kunden betreut worden sein, die zwischen 80 und 100 Millionen Franken angelegt hatten.

Unter den Beschuldigten befindet sich auch der mutmassliche Chef des 'Ndrangheta-Ablegers. Der in der Schweiz eingebürgerte Mann stammt aus dem italienischen Mesoraca, wo der 'Ndrangheta-Clan Ferrazzo seine Hochburg hat. Der Mann ist in der Schweiz einschlägig vorbestraft.

Die kriminelle Vereinigung habe autonom aus der Schweiz heraus operiert, schreibt die BA. Es bestünden aber enge Verbindungen zu den angestammten kalabrischen Clans, namentlich dem Ferrazzo-Clan. Die Organisation habe aber auch Beziehungen zu anderen 'Ndrangheta- Clans gepflegt.

Lange Untersuchung

Die Strafuntersuchung gegen die Beschuldigten dauert schon seit mehreren Jahren an. Sie wurde Ende 2002 nach einem Informationsersuchen der Antimafiabehörde in Rom ausgelöst. Involviert waren neben der Bundesanwaltschaft die Bundeskriminalpolizei sowie die Strafverfolgungsbehörden aus Zürich, dem Tessin und Italiens.

In den letzten Jahren haben die Strafbehörden des Bundes immer wieder davor gewarnt, dass die italienische Mafia ihre Präsenz in der Schweiz ausbaut. Einen 'Ndrangheta-Ableger vermuteten die Behörden unter anderem in Frauenfeld. (rub/sda)

Erstellt: 22.10.2011, 00:14 Uhr

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Prozess gegen die Ndrangheta: Eingang zum Bundesstrafgericht in Bellinzona. (Bild: Keystone )

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