«Guerilla-Pflücker» beklauen US-Banker

Seit der US-Krise gehören in Atlanta viele Grundstücke den Banken. Häuser stehen leer, Gärten bleiben unbewirtschaftet. Zumindest bisher. Denn nun pflücken Anwohner den Bankern die Früchte von den Bäumen.

Der Garten könnte bald leer sein: Ein Haus im US-Bundesstaat Virginia.

Der Garten könnte bald leer sein: Ein Haus im US-Bundesstaat Virginia. Bild: Keystone

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Vor einigen Wochen hat Kelly Callahan aus Atlanta mit ihren Pflück-Aktionen begonnen. Laut der «New York Times» spazierte sie wie jeden Tag mit ihrem Hund durch die Nachbarschaft im Osten der Stadt. Da seien sie ihr aufgefallen, die mit Früchten überfüllten Bäume und die mit Gemüse übersäten Gartenbeete.

«Ich glaube nicht, dass es stehlen ist», rechtfertigt sie ihre Handlung gegenüber der «New York Times». «Dieses Gemüse und die Früchte wurden einst von einer Person gesät, die sie auch ernten wollte. Und diese Person ist nun nicht mehr fähig dies zu tun.» Zudem sei es nicht so, dass die Banker, die in ihren Büros sitzen ins Grüne kommen würden, um Feigen von den Bäumen zu pflücken.

Fünf Pfund Tomaten und zwei Kürbis

Feigen waren denn auch ihre erste grosse Beute. Diese verarbeitete sie zu Konfitüre und brachte sie in ein Café für Obdachlose. Aber auch für sich selbst schlich sie sich in die Gärten der Banker. Fünf Pfund Tomaten, zwei Arten Kürbis und eine Wassermelone hat sie sich erbeutet.

Kelly Callahan ist aber lange nicht die einzige, die sich an fremden Gärten bereichert. Aufgrund der Zunahme der leerstehenden Grundstücke in Atlanta hat sich eine Art «Guerrilla-Ernten» eingebürgert. Die Früchteplücker Organisation Concrete Jungle in Atlanta führt seit bald zwei Jahren eine Liste mit unbewirtschafteten Früchte- und Nussbäumen im kommerziellen und öffentlichen Raum. Die Ernte spendet die Organisation danach hungrigen Menschen.

Ein Netzwerk von Obdachlosen

Robby Astrove, ein Mitarbeiter von Concrete Jungle, begrüsst das Engagement von Kelly Callahan. Vor allem in Atlanta, wo eines von 50 Grundstücken leer steht, lohnt sich die Ernte. Unter den Obdachlosen habe sich schon lange eine Netzwerk gebildet, welches die Gärten von unbeaufsichtigten Häusern leerräume.

Genau dies will Kelly Callaghan auf jeden Fall vermeiden. «Ich kann es nicht ertragen, zuzusehen, wie frische Früchte an den Bäumen verfaulen, während am anderen Ende der Welt Menschen verhungern. Da ist es mir doch egal, ob die Früchte den Banken gehören.»

(wid)

Erstellt: 15.08.2011, 18:48 Uhr

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