HIV-Fall stoppt kalifornische Pornoindustrie

In Kalifornien werden bis auf weiteres keine Pornos mehr gedreht. Grund ist ein HIV-Fall eines Darstellers. Er löste eine landesweite Debatte über die Einführung eines Kondomgesetzes zum Schutz der Darsteller aus.

Die Sex-Industrie der USA steht für eine Woche still: Besucher machen Fotos von zwei leicht bekleideten Frauen an einer Erotik-Messe in Los Angeles.

Die Sex-Industrie der USA steht für eine Woche still: Besucher machen Fotos von zwei leicht bekleideten Frauen an einer Erotik-Messe in Los Angeles. Bild: Reuters

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In der Nähe von Los Angeles liegt die Hochburg der amerikanischen Pornoindustrie. Im San Fernando Valley ist nicht nur das Drehen von Pornos erlaubt, sondern auch der ungeschützte Geschlechtsverkehr von Darstellern.

Doch laut einem Bericht von «Welt online» könnte sich das bald ändern. Wenige Tage nachdem ein Darsteller positiv auf HIV getestet worden ist, wurden am Sonntag in ganz Kalifornien die Dreharbeiten gestoppt. Und das soll so bleiben, bis der namentlich unbekannte Darsteller sowie alle Partner, mit denen er seit dem letzten Aids-Test gedreht hat, untersucht worden sind.

Unterschriften für die Darsteller

Laut «Welt online» kann es bis zu sieben Tage dauern, bis ein verlässliches Ergebnis feststeht und die Darsteller ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Für die Industrie bedeutet dieser Unterbruch enorme Verluste. Denn sieben Tage ohne Pornodrehs in Kalifornien bedeuten sieben Tage ohne Pornodrehs in ganz Amerika. Dies, weil der Dreh von Pornos in fast allen US-Staaten unter das Prostitutionsverbot fällt und damit untersagt ist.

Der jüngste HIV-Vorfall der Pornoszene hat die Diskussion um ein Kondomgesetz bei solchen Dreharbeiten in den USA erneut aufflammen lassen. Landesweit wird debattiert, wie man Pornodarsteller besser schützen kann. «Wenn Filme mit Tieren gedreht werden, gibt es für diese viel mehr Vorsichtsmassnahmen. Die Menschen aber, die Pornos drehen, haben keinen Schutz», sagt Michael Weinstein, Präsident der Aids Healthcare Foundation Los Angeles, in einem Interview mit dem Sender ABC. Deshalb sammelt die Organisation zurzeit Unterschriften für ein entsprechendes Gesetz.

Keine Kondome für die Fantasie

Verantwortliche der Industrie beharren aber darauf, genug für die Sicherheit ihrer Darsteller zu tun. So hat sich die Free Speech Coalition, ein Zusammenschluss einiger Vertreter der Industrie, erst vor einem Monat bereit erklärt, jeden Darsteller in eine Datenbank aufzunehmen, der die genauen Daten des letzten HIV-Tests entnommen werden können.

Eine Kondompflicht kommt für die Industrie aber nicht infrage: «Die Zuschauer wollen es rau und wild», sagt ein Produzent. «Auch wenn sie in ihrem Privatleben Kondome verwenden, wollen sie das nicht im Film sehen», erklärt eine Darstellerin. Hier gehe es um Fantasien. (wid)

Erstellt: 01.09.2011, 12:07 Uhr

Setzt sich für den Schutz von Pornodarstellern ein: Präsident der Aids Healthcare Foundation, Michael Weinstein. (Bild: Reuters )

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