Harte Strafe für Wildsau-Killer

Ein Bauer, der absichtlich vier Wildschweine totgefahren hatte, ist vom Bezirksgericht Zurzach zu 18 Monaten bedingt verurteilt worden – mehr als die Staatsanwältin forderte.

Tierschützer hatten sich vor dem Gericht postiert. Foto: Stefan Hohler

Tierschützer hatten sich vor dem Gericht postiert. Foto: Stefan Hohler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Fall sorgte landesweit für Schlagzeilen. Im letzten Oktober wurden auf einem Feld in Böttstein AG vier Wildschweine aufgefunden: ein Muttertier (Bache) mit drei Frischlingen. Die schwer verletzte Bache lebte noch, die Jungen waren tot. Der Jagdaufseher erlöste das Muttertier mit einem Fangschuss. Für die Aargauer Kantonspolizei war aufgrund der vorgefundenen Reifenspuren bald klar, dass die Tiere gezielt überfahren worden waren. Die Ermittlungen führten zu einem 55-jährigen Bauern aus dem Ort. Dieser bestritt die Tat zunächst, gestand aber zwei Monate später, nachdem er aufgrund der DNA-Spuren an seinem Geländewagen überführt worden war.

Wildschwein-Mahnwache

Gestern musste sich der Bauer vor dem Bezirksgericht Zurzach verantworten. Er wurde vor dem Gericht von rund einem Dutzend «Wildschweinen» in stiller Mahnwache begrüsst: Die Tierschützer forderten die Höchststrafe; laut Tierschutzgesetz kann Tierquälerei mit einer Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren bestraft werden.

In der Verhandlung bestritt der Bauer, die Tiere vorsätzlich getötet zu haben. «Ich sah die Tiere und wollte sie verscheuchen, nicht totfahren», sagte er. Deshalb sei er ihnen nachgefahren, und vier von ihnen seien unters Auto gekommen. Er habe eine Riesenwut auf die Säue gehabt, welche einen enormen Schaden verursachen würden. Auf die Frage des Richters, warum er die Tat immer abgestritten und sie in den Medien als «abscheulich» verurteilt habe, sagte er, er habe sich gegen die Medien wehren müssen, die ihn belästigt und bedrängt hätten.

Im Prozesses wurde bekannt, dass der Bauer nicht allein im Wagen war, sondern in Begleitung seines knapp 13-jährigen Neffen. Dieser hatte in der Untersuchung für seinen Onkel gelogen und hat jetzt ein Strafverfahren am Hals. Auch ein befreundeter Bauer, der den Beschuldigten anfänglich gedeckt hatte, ist wegen falscher Zeugenaussage zu 6 Monaten bedingt und einer Busse von 3000 Franken verurteilt worden. «Machen Sie sich keine Gedanken darüber?», fragte der Richter den Beschuldigten. «Ich kann dazu nichts sagen», antwortete dieser.

Die Staatsanwältin sprach von «dramatischen Szenen» die sich abgespielt hätten. Der Beschuldigte habe die Tiere regelrecht gejagt, er habe aus nichtigem Grund Selbstjustiz geübt. Die Tiere seien qualvoll gestorben. Das Verschulden wiege schwer. Er habe keine spürbare Reue gezeigt und lange Zeit alles abgestritten. Sie verlangte wegen mehrfacher Tierquälerei eine bedingte Strafe von 15 Monaten und eine Busse von 4000 Franken.

«Kurzschlusshandlung»

Der Verteidiger sagte, sein Mandant sei kein Monster. Die Tat sei eine Kurzschlusshandlung gewesen. Sein Mandant habe nur die Schäden gesehen, nicht die Tiere. Dass am Geländewagen keine Schäden gefunden wurden, beweise, dass sein Mandant langsam gefahren sei. Es habe kein direkter Tötungsvorsatz bestanden, der Beschuldigte habe beim Vertreiben der Tiere lediglich deren Tod in Kauf genommen. Der Anwalt verlangte eine bedingte Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

Das Gericht verurteilte den Bauern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Zudem muss er eine Busse von 4000 Franken und die Gerichts-und Untersuchungskosten in der Höhe von über 10 000 Franken bezahlen. Der Bauer habe nicht im Affekt, sondern vorsätzlich gehandelt. Negativ sei auch sein Verhalten nach der Tat gewesen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 23:19 Uhr

Artikel zum Thema

Totgefahrene Wildschweine: Autohalter bestreitet die Tat

Im Fall der Wildsau und ihrer drei Jungtiere, die in Böttstein AG absichtlich von einem Auto totgefahren wurden, hat die Polizei den Tatwagen konfisziert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Wo die Toten ruhen: Anlässlich des Feiertags Eid al-Fitr besuchen Muslime den Friedhof von Nadschaf im Irak, der mit 5 Millionen begrabenen Menschen als grösster der Welt gilt. (16. Juni 2017)
(Bild: Alaa Al-Marjani ) Mehr...