«Hey NRA – warum so still?»

Der US-Regisseur und bekannte Waffengegner Michael Moore macht seiner Wut über den Amoklauf von Newtown über Twitter Luft. Eine Onlinepetition zum Thema bricht zudem alle Rekorde.

1'360'000 Follower: Der Twitter-Account von Michael Moore.

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54 Tweets hat der US-Regisseur Michael Moore seit dem Amoklauf von Newtown am letzten Freitag auf seinem Twitter-Account verfasst. Der US-Regisseur, der das amerikanische Waffengesetz seit Jahren vehement kritisiert, sieht sich in seinen Warnungen bestätigt: «Was ich zu sagen hatte, sagte ich bereits 2002. Seither hat sich nichts verändert», schrieb Moore am Sonntag. Er bezieht sich damit auf seinen Dokumentarfilm zum Schulmassaker von Littleton, «Bowling for Columbine».

«Ist es zu früh, um über eine in Waffen vernarrte Generation zu sprechen? Nein, es ist zu spät», schrieb Moore bereits wenige Stunden nach dem Amoklauf auf seinem Twitter-Account. Auch die Forderung einzelner Waffenlobby-Vertreter nach der Tat, die Waffengesetze müssten nun gelockert werden, damit die Menschen sich gegen solche Angriffe schützen könnten, griff Moore mit einem zynischen Kommentar auf: «Wenn nur das erste Opfer, Adam Lanzas Mutter, eine Waffe gehabt hätte, dann hätte sie die Tragödie stoppen können, bevor sie begann.» Nancy Lanza besass fünf Waffen, mit einer tötete ihr Sohn sie und 27 weitere Menschen.

«Die NRA hasst die Freiheit»

Moore greift zudem die amerikanische Waffenlobby NRA wiederholt an: «Hey NRA – warum so still? Hört ihr das Grollen? Den Willen der Menschen? Er kommt auf euch zu», schrieb er am Freitag, und noch am selben Tag: «Die NRA hasst die Freiheit. Sie will nicht, dass ihr die Freiheit habt, eure Kinder zur Schule zu schicken und euch darauf zu verlassen, dass sie lebend wieder nach Hause kommen». Dem US-Präsidenten Barack Obama warf Moore indirekt vor, sich zu wenig für die Waffenkontrolle einzusetzen: «Die Waffenlobby hasst Obama bereits jetzt. Ich wünschte, er hätte ihnen tatsächlich einen Grund dafür gegeben.»

Mehrere Kritiker warfen Moore vor, der Trauer keinen Platz zu lassen und den Amoklauf für seine Kampagne zu missbrauchen. «Ich habe genug ‹getrauert›», antwortete Moore, «es ist jetzt an der Zeit, zu handeln.»

Auch auf der US-Website «We the People» gehen die Wogen hoch. Dort können die Bürger Begehren formulieren und virtuell unterschreiben. Sobald ein Begehren 25'000 Zustimmungen erreicht, muss es vom Weissen Haus kommentiert werden. Noch am selben Tag des Amoklaufs in Newtown wurde eine Petition kreiert, die von der Regierung Obama fordert, die Waffenzulassung gesetzlich einzuschränken. Kurz vor heute Mittag war die Petition bereits 172'000 Mal unterschrieben worden. Noch nie habe man mit einem Begehren auf der Website in so kurzer Zeit so viele Unterschriften gesammelt, berichtet das US-Magazin «The Nation». (fko)

Erstellt: 18.12.2012, 12:36 Uhr

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Schule in Newtown wieder offen

In den Schulen von Newtown beginnt nach dem Massaker vom vergangenen Freitag wieder der Unterricht. Alle Schulen – ausser der Sandy-Hook-Grundschule, in der ein Amokschütze 26 Menschen tötete – sollten am Dienstag wieder öffnen, viele Eltern wollten aber ihre Kinder weiterhin zu Hause behalten. Die Polizei und Schulbehörden kündigten erhöhte Sicherheitsmassnahmen für die Schulen an.

Am Montag waren in der 27'000-Einwohner-Stadt im US-Staat Connecticut die ersten beiden Opfer des Amoklaufs beerdigt worden. Für den Dienstag und die kommenden Tage waren weitere Begräbnisse geplant.

Am Freitag hatte Amokschütze Adam Lanza zuerst seine Mutter, dann 20 Kinder und sechs Erwachsene in der Sandy-Hook-Grundschule erschossen, bevor er sich selbst das Leben nahm. (dapd)

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