Hitlers Stellvertreter aus dem Grab geholt

Das Grab des ehemaligen Hitler- Stellvertreters Rudolf Hess im Nordosten Bayerns ist eingeebnet worden. Deshalb wurden die Gebeine von Rudolf Hess exhumiert und zur Verbrennung abtransportiert.

Wird eingeebnet: Das Grab der Familie Hess in Wunsiedel. (16. August 2000)

Wird eingeebnet: Das Grab der Familie Hess in Wunsiedel. (16. August 2000) Bild: Reuters

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Die Exhumierung von Rudolf Hess fand gestern am frühen Morgen in Wunsiedel statt – auf den Tag genau 67 Jahre nach dem gescheiterten Attentat auf den Diktator Adolf Hitler. Ein Sprecher des Landkreises Wunsiedel bestätigte damit einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung».

Die sterblichen Überreste von Rudolf Hess sollen nun verbrannt und die Asche auf hoher See verstreut werden. «Damit soll verhindert werden, dass nach Wunsiedel ein neuer Wallfahrtsort für die Ewiggestrigen entsteht», sagte Kirchenvorstand Peter Seisser.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde von Wunsiedel hielt fest, dass die Grabstätte, die jahrelang von Neonazis als Pilgerstätte missbraucht wurde, nicht auf Drängen der Kirchengemeinde aufgelöst worden sei.

Wunsch der Familie

Einer Sprecherin zufolge wäre zwar der Vertrag für die Grabstätte in naher Zukunft ausgelaufen. Es sei jedoch der ausdrückliche Wunsch der Familie Hess gewesen, das Grab einebnen zu lassen.

Hess war 1946 im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte 1987 im Alter von 93 Jahren im Berliner Gefängnis Spandau Selbstmord begangen.

Der Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Wunsiedel stimmte damals dem Wunsch von Hess zu, im Familiengrab seiner Eltern beigesetzt zu werden. In der Folge demonstrierten immer wieder Neonazis in dem Ort in Oberfranken. (bru/sda)

Erstellt: 21.07.2011, 11:11 Uhr

Portrait von Rudolf Hess (1894-1987), veröffentlicht am 29. April 1935. (Bild: AFP )

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