Höchste Alarmstufe am Lago Maggiore

Das Tessin rüstet sich für die grössten Überschwemmungen seit Jahren. Der Pegelhöchststand des Lago Maggiore ist noch lange nicht erreicht.

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Die höchste Gefahrenstufe ist am Lago Maggiore schon erreicht, doch bis mindestens Mittwochabend wird es im Tessin noch weiter regnen. Zwar muss mit weiteren Überschwemmungen und Erdrutschen gerechnet werden, der Rekordpegel wird aber voraussichtlich nicht erreicht.

Dieser bisher höchste Wasserstand lag im Jahr 2000 bei 197,58 Metern, wie ein Vertreter des Geologischen Instituts der Tessiner Fachhochschule Supsi der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Der Pegelhöchststand für den Lago Maggiore wird voraussichtlich am Donnerstagmorgen erwartet. Er könnte laut MeteoSchweiz Locarno bei 196,5 Metern liegen und damit den Wert aus dem Jahr 2002 übertreffen. Von Sonntag bis Dienstagmittag seien auf der Alpensüdseite 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Bis zu 140 Zentimeter Neuschnee

Im Maggia- und im Verzascatal gilt oberhalb von 2200 Metern ausserdem die Lawinenwarnstufe 4 – das entspricht der zweithöchsten von fünf Stufen. In diesen Gebieten sind in den vergangenen zwei Tagen zwischen 100 und 140 Zentimeter Neuschnee gefallen.

Da die Böden durch den vielen Regen der vergangenen Tage bereits stark gesättigt sind, kann es laut MeteoSchweiz in den kommenden Tagen zu Hangrutschungen im Maggiatal, im Centovalli und im Onsernonetal kommen.

Die Tessiner Kantonspolizei warnte die Bevölkerung vor Erdrutschen und herunterfallenden Ästen. In den Überschwemmungsgebieten sollte auf das Auto möglichst verzichtet werden, schrieb sie. Es könne sowohl am Lago Maggiore als auch am Luganersee zu Umleitungen und Sperrungen kommen.

Spitalpatienten aus Gefahrenzone gebracht

Am Dienstag wurde infolge des Hochwassers in Locarno das Spital Sta. Chiara evakuiert. Sanitätsrekruten aus Airolo TI unterstützen dabei den Krankentransport.

20 Personen – akute Notfälle – wurden in das nahegelegene Spital «La Carità» verlegt. Die rund 60 weiteren Patienten wurden in Altersheime oder in ambulante Anlaufstellen umquartiert. Laut einem Klinik-Sprecher verlief die Evakuierung ohne Probleme.

Die Einsatzkräfte des Zivilschutzes legten derweil in der Nähe des Seeufers in Locarno Stege aus, so dass die überschwemmten Gebiete trockenen Fusses überquert werden können. Dies sagte ein Sprecher des Zivilschutzes Locarno und Vallemaggia. Zusammen mit der örtlichen Polizei, der Feuerwehr und der Gemeinde koordiniert der Zivilschutz die Hochwasser-Schutzmassnahmen in Locarno.

Campingplätze gehen auf Nummer sicher

Die beiden unmittelbar am Ufer des Lago Maggiore gelegenen Campingplätze «Campofelice» und «Camping Tamaro» in Tenero TI haben ihr Gelände vor dem erwarteten Pegelhöchststand bereits am Dienstagnachmittag evakuiert.

Eine Mitarbeiterin von «Campofelice» bestätigte eine entsprechende Meldung der SRF-«Tagesschau» vom Dienstag. «Alle Wohnwagen, die sich dauerhaft auf dem Gelände befinden, müssen noch am Nachmittag entfernt werden», sagte sie.

In direkter Nachbarschaft zu den Campingplätzen liegt das Sportzentrum Tenero. Dort sei zurzeit keine Evakuierung vorgesehen, da sich die Unterkünfte nicht in Seenähe befänden, sagte ein Mitarbeiter auf Anfrage.

«Land unter» auch in Italien

Im italienischen Luino, das südlich von Locarno am Lago Maggiore liegt, bleiben morgen aufgrund des Hochwassers die Schulen geschlossen. Auch der Markt, welcher in der Hochsaison viele Touristen anlockt, müsse ausfallen, um zusätzlichen Verkehr im Stadtgebiet zu vermeiden, sagte ein Mitarbeiter der Gemeinde auf Nachfrage.

In Verbania, das weiter südlichwestlich von Luino am entgegengesetzten Seeufer liegt, wurden die Promenade vor dem Rathaus und ein zentraler Platz überspült.

Bergbahnen standen still

Einigen Bergbahnbetreibern in der deutschsprachigen Schweiz machte am Dienstag starker Wind zu schaffen. Bei mehreren Bahnen ging gar nichts mehr.

Touristen, die auf das Jungfraujoch wollten, wurden enttäuscht: Die Jungfraubahnen stellten den Betrieb von Wengen und Grindelwald-Grund aus auf die Kleine Scheidegg und von dort hinauf aufs Jungfraujoch ein. Auch die Luftseilbahn Engelberg-Ristis verkehrte wegen Windböen nicht. (ldc/sda)

Erstellt: 11.11.2014, 15:31 Uhr

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