Hunderte Schadensmeldungen – Zofingen schwer getroffen

Heftige Gewitter haben in der Nacht über Teilen der Schweiz gewütet. Betroffen vom Gewitterzug war das Mittelland. Schwer beschädigt wurde der Platz des Heitere Openairs in Zofingen.

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In Matten bei Interlaken wurde ein Autofahrer leicht verletzt, als ein Baum auf den vorderen Teil seines Fahrzeuges gefallen war. Die Berner Kantonspolizei zählte bis am Mittwoch 150 Unwettermeldungen. Bäume wurden entwurzelt, Keller und Strassen überflutet.

Im Berner Oberland stürzten am Dienstag Bäume und Masten entlang der Schynige-Platte-Bahn um. Der letzte Zug in Richtung Tal musste vorsorglich gestoppt werden. Die 64 Passagiere wurden nach dem Gewitter per Helikopter ins Tal geflogen. Am Mittwoch fuhr die Bahn wieder gemäss Fahrplan, wie die Berner-Oberland-Bahnen mitteilten.

Haus in Zofingen evakuiert

Im Kanton Aargau waren bis zu 40 Feuerwehren und Angehörige von Kantons- und Regionalpolizei in der Nacht pausenlos im Einsatz. Die Polizei registrierte über 400 Meldungen wegen überfluteten Kellern, abgedeckten Hausdächern, eingeschlagenen Fenstern. Strassen waren von umgestürzten Bäumen blockiert.

Die Stadt Zofingen AG ist vom schweren Unwetter in der Nacht auf Mittwoch besonders stark getroffen worden. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Die Sturmböen deckten jedoch bei über 40 Dächern Ziegel ab. Schwer beschädigt wurde der Platz des Heitere Openairs. Auf dem Lindengeviert - der von Linden umrahmten Wiese auf dem Zofinger Hausberg Heitern - ist «praktisch kein Baum intakt geblieben», sagte die zuständige Zofinger Stadträtin Christiane Guyer auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Rund 80 Prozent der Bäume seien beschädigt, auch die jüngeren der Linden. Einige seien sogar mitsamt der Wurzel ausgerissen worden. Der Festivalleiter des Heitere Openairs, Christoph Bill, bezeichnete die Unglücksnachricht auf Anfrage als «Katastrophe». Das Heitere Openair lebe vom Platz und seiner lauschigen Atmosphäre. Die Bäume gehörten einfach dazu. Die Stadt will den Zustand des Heiternplatzes in den kommenden Tagen beurteilen und dann das Gespräch mit den Festival-Organisatoren suchen.

Ob das Unwetter Auswirkungen auf das Festival habe, sei noch zu früh zu beurteilen, sagten sowohl Stadträtin Guyer wie auch Festivalleiter Bill. Das Openair startet am 12. August.

Blitze lösen Alarmanlagen aus

Im Kanton Zürich mussten die Feuerwehren rund 150 Mal ausrücken, um Keller und Wohnungen auszupumpen und sich um überflutete Strassen zu kümmern. Die meisten Einsätze hatten sie in den Bezirken Bülach, Dielsdorf und Dietikon zu leisten, wie Schutz & Rettung mitteilte.

Auch im Baselbiet gab es Blitz-, Wasser- und Sturmschäden. Räume wurden überschwemmt, und Bäume stürzten oder wurden vom Blitz getroffen, was im ganzen Kanton Feuerwehren auf Trab hielt. Die Anzahl der Blitze sei so aussergewöhnlich hoch gewesen, dass teils Alarmanlagen angesprochen hätten, schrieb die Polizei.

Auf dem Vierwaldstättersee gerieten wegen des Unwetters am Dienstagabend Boote in Seenot. Sie brauchten Hilfe von der Wasserpolizei, wie die Luzerner Polizei meldete. Verletzt wurde niemand. Schäden gab es vor allem im nordwestlichen Kantonsteil.

Die von starkem Regen, heftigen Winden und stellenweise Hagel begleiteten Gewitter zogen in der Nacht vom Seeland quer durch das Mittelland. Am meisten Regen wurde am Flughafen Zürich mit rund 40 Liter pro Quadratmeter registriert, wie SF Meteo mitteilte. In Grenchen SO erreichte eine Orkanböe 119 Stundenkilometer. In Wynau BE im Oberaargau stürmte es mit bis zu 100 km/h. (pbe/sda)

Erstellt: 13.07.2011, 15:12 Uhr

Im Appenzellerland sind noch immer rund 20 Personen evakuiert

Nach den sintflutartigen Regenfällen vom Sonntag in Appenzell Ausserrhoden können in der Gemeinde Schwellbrunn gut 20 Personen wegen drohender Hangrutschungen immer noch nicht in ihre Wohnhäuser zurückkehren. Armee und Zivilschutz räumten Bäche von Schwemmgut. Diese Arbeiten hätten Priorität gehabt, damit angesichts der vorausgesagten starken Niederschläge erneute Treibut-Verstopfungen an Brücken und anderen Engpässen verhindert werden können, wie das Ausserrhoder Amt für Militär und Bevölkerungsschutz am Mittwoch mitteilte. Insgesamt standen täglich 100 Mann im Aufräumeinsatz.

Die Armee wird ihren Einsatz am Mittwochabend beenden. Der Zivilschutz beginnt derweil mit ersten Instandstellungsarbeiten; dabei wird die Ausserrhoder Organisation ab nächster Woche von den Kollegen aus dem Kanton St. Gallen unterstützt. Die Feuerwehren als Ersteinsatzelemente stehen ausgeruht für weitere Einsätze bereit. In Schwellbrunn kontrollieren Geologen und Spezialisten des Oberforstamts und der Gemeindebehörden laufend die Lage und Schadengebiete. Noch immer sind gut 20 Personen evakuiert; sie dürfen frühestens am Donnerstagabend in ihre Häuser zurückkehren.

Bei der Assekuranz (Gebäudeversicherung) gehen auch drei Tage nach dem Unwetter noch immer Schadenmeldungen ein. Es wird mit über 1000 Fällen gerechnet. Weitere Hilfseinsätze werden koordiniert; hiefür hat der kantonale Führungsstab ein Krisenzentrum eingerichtet. Das Unwetter richtete in Appenzell Ausserrhoden einen Sachschaden von gegen zehn Millionen Franken an. Verletzt wurde niemand. Am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch regnet es auch in der Ostschweiz zum Teil wieder stark. Neue Schäden sind in Ausserrhoden dadurch nicht entstanden, wie Polizeisprecher Willi Moesch sagte. (sda)

Heftiger Sturm wütet in Unterseen, Kanton Bern.

Es ging heftig zu und her: Viel Regen und Hagel in Zürich.

Eine stürmische Nacht: Blitz und Donner in Niederhasli.

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