«Ich habe sie natürlich alle umgebracht»

Er spricht mit sich selber, das Mikrofon war noch an: Ein schwerreicher US-Immobilien-Erbe gesteht einer Filmcrew mehrere Morde. Nun steht Robert Durst wegen des Tods seiner Frau und seiner Freundin vor Gericht.

«I killed them all»: Robert Durst nach seiner Verhaftung. (14. März 2015)

«I killed them all»: Robert Durst nach seiner Verhaftung. (14. März 2015) Bild: Keystone

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Der US-Millionär Robert Durst hat den Behörden in einer TV-Dokumentation unabsichtlich neue Beweismittel gegen ihn geliefert und muss sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der 71-Jährige willigte am Montag in seine Überführung von New Orleans nach Los Angeles ein, wo das Verfahren stattfinden soll. Dort erhob die Staatsanwaltschaft am Montag offiziell Anklage gegen ihn wegen Mordes an seiner Freundin und Sprecherin Susan Berman. Bei einer Verurteilung könnte Durst im schlimmsten Fall die Todesstrafe drohen.

Ihm wird vorgeworfen, Berman im Jahr 2000 mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet zu haben. Ermittler hatten damals von ihr wissen wollen, was sie über das spurlose Verschwinden von Dursts Ehefrau im Jahr 1982 wusste. In dem Fall galt der Millionär lange Zeit als Verdächtiger. Vom Vorwurf der Ermordung eines Nachbarn wurde er im Jahr 2001 freigesprochen.

Mikrofon war bei Selbstgespräch an

Am Sonntag strahlte der Sender «HBO» die sechste Folge des Dokumentarfilms «The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst» aus. Noch selbentags wurde Durst verhaftet. In der Doku hatte er sich offenbar unabsichtlich selbst belastet. Nach einer Interviewszene, in der er über die Morde befragt wurde und ziemlich nervös wirkte, ging Durst ins Badezimmer und hatte dabei immer noch sein Mikrofon an. In der Audioaufnahme ist er zu hören, wie er inmitten anderer wirrer Wortfetzen zu sich selbst sagt: «Das ist es. Jetzt haben sie dich. (...) Was zur Hölle habe ich nur getan? Sie alle umgebracht natürlich.»

Im US-Staat Louisiana wurden Durst kurz nach der Mordanklage auch zwei Vergehen wegen des Besitzes von Waffen vorgeworfen. Gegen den Millionär sei Haftbefehl erlassen worden, sagte die Bundespolizistin Melissa Matey der Nachrichtenagentur AP. Die Behörden konnten nicht unmittelbar nach den Anschuldigungen sagen, ob die Staatsanwälte möglicherweise versuchen könnten, Durst wegen der Vorwürfe in Louisiana zu halten, ehe er nach L.A. geschickt würde.

Der Anwalt des millionenschweren Immobilienerben, Dick DeGuerin, sagte am Montag, sein Mandant habe Susan Berman nicht getötet. Durst sei «bereit, all die Gerüchte und Spekulationen zu beenden und einen Prozess zu haben».

Das aufgezeichnete Geständnis von Robert Durst:

(Quelle: Youtube/HBO)

Exzentrisches Leben

Dursts exzentrisches Leben war die Grundlage für den Film «All Good Things» mit Ryan Gosling. Anschliessend drehte Regisseur Andrew Jarecki auch eine Dokumentation über den Fall und befragte dafür den Millionenerben aus einer der reichsten Familien der USA ausführlich – bis es zu den bedrängenden Aussagen Dursts im Finale der sechsteiligen Doku kam.

Laut den Machern hatte Durst entgegen des Rates seines Anwaltes zugestimmt, zwei lange Interviews zu geben. In dem ersten davon konfrontiert Jarecki Durst mit einer Kopie eines anonymen Briefes, der die Polizei von Beverly Hills alarmiert, nach einem «Kadaver» in Bermans Wohnung zu suchen. Dies, sagt Durst, sei offenbar ein Brief, den «nur der Mörder geschrieben haben konnte».

In der finalen Folge dann enthüllt Jarecki ein zweites Schreiben, das Durst laut eigenen Angaben an Berman geschickt hat. Der Brief ist in derselben Blockschrift verfasst und wie auf dem vorangegangenen Papier ist der Name «Beverley» falsch geschrieben. «Ich schrieb diesen hier, aber ich schrieb nicht den mit dem Kadaver», versuchte sich Durst zu retten. (pst/rub/AFP)

Erstellt: 16.03.2015, 13:09 Uhr

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