Bern

In Pakistan entführtes Polizistenpaar veröffentlicht Buch

Der 1. Juli 2011 hat das Leben von Daniela Widmer und David Och für immer verändert. An jenem Tag wurden die Schweizer aus ihrem VW-Bus gezerrt. Nun schildern sie ihre Todesangst und die dramatische Flucht.

Die beiden Entführungsopfer nach ihrer Befreiung: David Och und Daniela Widmer.

Die beiden Entführungsopfer nach ihrer Befreiung: David Och und Daniela Widmer. Bild: Keystone

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Die beiden Berner Daniela Widmer (30) und David Och (33) wurden am 1. Juli 2011 ins Stammland der Taliban, in den Norden Pakistans, verschleppt. Achteinhalb Monate dauerte die Geiselhaft. Ihr Schicksal sorgte damals in der Öffentlichkeit für grossen Wirbel, der sich nun wiederholen könnte.

Am Montag kommt ein Buch über die Geiselhaft auf den Markt – Verfasser sind Daniela Widmer und David Och selbst. Der grosse deutsche Dumont-Verlag hat die PR-Maschinerie bereits angeworfen: Morgen erscheinen Interviews in ausgewählten Medien in Deutschland und in der Schweiz, ab nächste Woche sind Radio und Fernsehen dran. Wer daraufhin tatsächlich in den Laden rennt, wird nicht enttäuscht.

«Und morgen seid ihr tot»

Das Buch mit dem Titel «Und morgen seid ihr tot» basiert auf Tagebucheinträgen von Daniela Widmer, die so packend zu einem Erlebnisbericht arrangiert wurden, dass ein Ghostwriter mitgewirkt haben muss, was bei Schicksalsstories jedoch üblich ist. Äusserst glaubwürdig schildert Widmer auf über 300 Seiten die ständige Todesangst, das zermürbende Warten, die dramatische Flucht.

Ihre Entführer stellt sie dabei nicht als das ultimative Böse dar, sondern als Menschen – mit guten und schlechten Seiten. Vor allem aber führt sie eindrücklich vor Augen, welchem Überlebenskampf die einfachen Taliban selbst ausgesetzt sind, in einem Land, das von Armut und Krieg geprägt ist. Und sie realisiert, dass sich das Leben der Talibanfrauen von ihrem Geiseldasein kaum unterschiedet. All das geht direkt unter die Haut.

Schulden vom Bund erlassen

Dennoch bleibt am Schluss die Frage, weshalb sich Widmer und Och nach diesem Trauma freiwillig der Öffentlichkeit stellen. Hoffen sie auf mehr Verständnis? Das öffentliche Mitgefühl hielt sich 2011 in Grenzen. Die Entführungsopfer hätten fahrlässig gehandelt, ihr Schicksal sei selbstverschuldet, lautete die Kritik. Die entstandenen Kosten für ihre Heimführung sorgten landesweit für Debatten. 20'000 Franken sollten Widmer und Och schliesslich zurückzahlen. Doch nachdem sie an Tourismusfachschulen Präventionsarbeit geleistet hatten, wurde ihnen die Summe vom Bund offiziell erlassen.

Mit der Veröffentlichung des Buches dürften nun Stimmen laut werden, die vor allem finanzielle Motive hinter dem Vorhaben vermuten. Widmer und Och werden sich wieder rechtfertigen müssen. Weshalb sie sich dies antun und welche Beweggründe tatsächlich hinter der Publikation stecken, darauf liefern sie im Buch keine Antwort. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.08.2013, 00:00 Uhr

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