In den Fall Luca kommt Bewegung

Neue Zeugeneinvernahmen und DNA-Analysen sollen klären, wer Luca Mongelli vor 11 Jahren zum Invaliden machte. Die Walliser Behörden nahmen das Verfahren letztes Jahr nach grossem Druck wieder auf.

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In den Fall Luca kommt Bewegung: Die Walliser Staatsanwaltschaft will neue Zeugeneinvernahmen und DNA-Analysen durchführen, um Licht in das Drama zu bringen, das sich vor über elf Jahren abspielte.

Die DNA, welche im Februar 2002 in Veysonnaz beim bewusstlos im Schnee liegenden Knaben Luca gefunden worden war und in Genf, Zürich und Lausanne analysiert wurde, soll aufgrund wissenschaftlicher Fortschritte nochmals untersucht werden. Dies teilte der zuständige Staatsanwalt den Eltern von Luca in einem Schreiben mit, aus dem die Zeitung «Nouvelliste» zitierte und das auch der Nachrichtenagentur SDA vorliegt.

Befragung von zwei Sanitätern und dem Arzt

Die Walliser Justiz will gemäss dem Schreiben auch das medizinische Dossier von Luca nochmals überarbeiten. So soll insbesondere Klarheit darüber geschaffen werden, ob Luca mit Knochenbrüchen an Nase und Kiefer hospitalisiert wurde.

Die beiden Sanitäter, die sich damals um Luca gekümmert hatten, sollen demnächst vom zuständigen Staatsanwalt befragt werden. Ihre Darstellung der Fakten war vor elf Jahren lediglich schriftlich aufgenommen worden, die Eltern von Luca beharren aber darauf, dass neue Elemente zum Vorschein kommen könnten. Aus dem gleichen Grund will der Staatsanwalt auch den zuständigen Arzt vernehmen.

Sohn bewusstlos im Schnee gefunden

Das Drama um Luca hatte sich am 7. Februar 2002 in Veysonnaz VS ereignet. Der damals siebenjährige Knabe Luca und sein vierjähriger Bruder waren mit ihrem Hund spazieren gegangen.

Die Mutter fand den älteren Sohn später halb entkleidet und bewusstlos im Schnee liegend. Als der Knabe im Spital aus dem Koma erwachte, war er blind und vom Hals an abwärts gelähmt.

Die Walliser Staatsanwaltschaft hatte die Akte 2004 zunächst geschlossen. Sie war zum Schluss gekommen, dass Rocky, der Schäferhund der Familie, schuld am Drama war.

Luca Mongelli selber hingegen sagt, er sei von drei älteren Jugendlichen verprügelt worden. Gestützt wird diese Version von einer Zeichnung des jüngeren Bruders. Diese zeigt vier Jugendliche, welche Luca mit Stöcken schlagen.

Massive Kritik an der Staatsanwaltschaft

Die Eltern des Jungen sowie von ihnen herbeigezogene Experten haben zuletzt an einer Pressekonferenz vom 8. Januar 2013 Zweifel an der bisherigen Darstellung der Staatsanwaltschaft geäussert. So sei es nicht denkbar, dass ein Hund Luca die Kleider ausgezogen hätte und diese gleichzeitig aber nicht zerfetzt habe.

Erst nach massiver öffentlicher Kritik haben die Walliser Behörden Anfang 2012 das Verfahren offiziell wieder aufgenommen. (mw/sda)

Erstellt: 25.04.2013, 13:53 Uhr

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