Indischer Minister kritisiert Schweizer Paar

Der Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh hat eine Schweizerin, die in Indien mehrfach vergewaltigt wurde, für die Tat mitverantwortlich gemacht. Die meisten Täter wurden gefasst.

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Fünf Inder haben gestanden, eine Schweizer Velotouristin vergewaltigt zu haben – vor den Augen des Ehemannes, den sie zuvor fesselten. Insgesamt haben die indischen Behörden zwanzig Personen festgenommen. Sechs davon haben sie ins Gefängnis gesteckt, die übrigen wieder freigelassen. Der Polizeichef des kleinen Städtchens Datia ist sich sicher: «Wir haben die Täter identifiziert. Es handelt sich um Diebe und Glücksspieler der Kajar-Gemeinschaft im Dorf Jharia Geon hier in der Nähe.»

Deren Tat hat in Indien für grosses Entsetzen gesorgt. Alle Zeitungen und Fernsehsender berichten prominent darüber. Und Kommentatoren befürchten, der Fall könnte dem indischen Tourismus schaden. In die Kritik geriet auch der Innenminister des Bundesstaats Madhya Pradesh, Umashankar Gupta. Er hatte die beiden Schweizer für die Tat mitverantwortlich gemacht. Seiner Ansicht nach ist klar, dass Touristen ihre Reisepläne vorab («well in advance») der örtlichen Polizei mitteilen sollten. Dann könne man für ihre Sicherheit sorgen, sagte Gupta.

Diebesgut verriet die Täter

Die beiden Opfer – eine 39-jährige Frau und ein 29-jähriger Mann – stammen gemäss der indischen Polizei aus Lausanne. Seit gestern Sonntag befinden sie sich in der Schweizer Botschaft in Delhi. Dort bleiben sie möglicherweise noch ein paar Tage in der Gästewohnung, bevor sie in die Schweiz zurückkehren.

Das Paar war am Freitag mit Fahrrädern in der Tempelstadt Orchha aufgebrochen, um zum weltberühmten Taj Mahal in der Stadt Agra zu fahren. Als es eindunkelte, schlugen die beiden in einem abgelegenen Waldstück ausserhalb des Städtchens Datia ihr Zelt auf. Dies hatten die Täter offenbar beobachtet. «Sie erkannten die Gelegenheit, die Frau anzugreifen und zu vergewaltigen», sagte ein Polizeisprecher. Mindestens sieben junge Männer zwischen 20 und 25 Jahren hätten die beiden Schweizer überfallen – bewaffnet mit Stöcken. Erst schlugen sie den Mann nieder und fesselten ihn. Dann vergewaltigte ein Teil von ihnen die Frau. Schliesslich raubten sie ihren Opfern den Laptop, die Mobiltelefone und 10'000 Rupien (174 Franken). Dies hat sie am Ende verraten: Die Polizei konnte bei den verhafteten Männern die Wertsachen sicherstellen.

Die vergewaltigte Frau und ihr Mann wurden nach der Tat von Motorradfahrern zur Polizei begleitet, wie «The Times of India» berichtete. Auf dem Polizeiposten soll aber niemand Englisch gesprochen haben, worauf man erst einen Dolmetscher habe organisieren müssen. Anschliessend wurde die Frau ins Spital von Gwalior gefahren, wo sie untersucht werden konnte. Am Samstag konnte die 39-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen.

Botschaftsfrau vergewaltigt

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zeigte sich «tief bestürzt über den tragischen Vorfall». Man habe die indischen Behörden aufgefordert, «alles zu unternehmen, damit die Täter rasch ermittelt werden und sich vor Gericht verantworten müssen».

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Schweizerin in Indien vergewaltigt wird. 2003 wurde eine 36-jährige Botschaftsangestellte auf einem Parkplatz in Delhi von zwei Männern überfallen und in einem fahrenden Auto vergewaltigt. Die Täter hat man bis heute nicht gefunden.

Die indischen Behörden verzeichneten im Jahr 2011 über 24'000 gemeldete Vergewaltigungen – im Schnitt alle 22 Minuten eine. In Wirklichkeit dürften aber weit mehr Frauen vergewaltigt worden sein. Denn viele gehen gar nicht erst zur Polizei, weil sie sich schämen. Auch sind die Ermittlungen der Polizei in den meisten Fällen nicht erfolgreich.

Gefasst wurden dagegen die Täter, die kurz vor Weihnachten in Delhi eine indische Studentin zu Tode vergewaltigt haben. Sechs Männer hatten die 23-Jährige in einem Bus mit einer Eisenstange brutal malträtiert und sie schliesslich aus dem fahrenden Bus geworfen. Ihr Freund musste die Gewalttat mit ansehen. Tage später verstarb die Frau an ihren Verletzungen. Die Tat sorgte weltweit für Empörung und löste in Indien Massenproteste sowie eine Debatte über die weitverbreitete Gewalt gegen Frauen aus.

EDA lässt Fragen unbeantwortet

Das EDA rät dennoch nicht von Reisen nach Indien ab. In seinen Reisehinweisen warnt es allerdings – nebst vielen anderen Gefahren – vor sexuellen Übergriffen: «Im ganzen Land kommen vermehrt Vergewaltigungen und andere Sexualdelikte sowie Raubüberfälle auf Taxipassagiere vor.» Fragen dazu wollte gestern weder das EDA in Bern noch die Botschaft in Delhi beantworten. Auch Fragen zum Fall der vergewaltigten Schweizerin und dem Verhalten der indischen Behörden liess das EDA unbeantwortet.

Erstellt: 18.03.2013, 07:30 Uhr

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