Hurrikan belebt Beziehungen zwischen USA und Kuba

Datenaustausch und Aufklärungsflüge: Im Angesicht der drohenden Katastrophe haben die einstigen Erzfeinde ihre Zusammenarbeit intensiviert.

Auf Dienstreise bei den Imperialisten: Kubas Mr. Hurricane, José Rubiera. Screenshot: TODO CUBA ONLINE COM / Youtube

Auf Dienstreise bei den Imperialisten: Kubas Mr. Hurricane, José Rubiera. Screenshot: TODO CUBA ONLINE COM / Youtube

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José Rubiera, 71, ist Mister Hurricane in Kuba. Seit Jahrzehnten liefert der einstige Chef-Meteorologe des Nationalen Wetterdienstes und heutige Professor der Universität von Havanna exakte Vorhersagen für die Wirbelstürme, die das Land mit schlimmer Regelmässigkeit treffen. Seit mehr als 30 Jahren tritt der Wettermann im kubanischen Fernsehen auf.

"Wenn Rubiera kommt, ist die Lage ernst", sagen die Kubaner. Doch ausgerechnet, als "Irma" im Anzug war, fragte sich die Nation: Wo ist Rubiera? In der Nachrichtenredaktion des Staatsfernsehens gingen besorgte Anrufe ein, berichtete cubadebate, ein kubanisches Nachrichtenportal.

Am Donnerstag dieser Woche dann trat der sonore Wettermann, Markenzeichen: ein dichter Schnurrbart und bunte Krawatten, erstmals im Fernsehen auf. "Ich war im Ausland", erklärte er. Es stellte sich heraus: Der Meteorologe war auf Dienstreise in den USA.

Politisch ist die Annäherung, die seit dem Besuch Obamas auf der Insel viele Hoffnungen geweckt hatte, mit Trump längst wieder ins Stocken geraten. Doch im Angesicht der Katastrophe, die "Irma" bedeutet, funktioniert die Zusammenarbeit der einstigen Erzfeinde bestens. Kubanische Radarsysteme lieferten ihre Daten ans Hurrikan-Zentrum der USA und amerikanische Aufklärungsflugzeuge flögen über kubanischem Luftraum, erklärte der Fernsehmann seinen besorgten Zuschauern in der kubanischen Tagesschau am Donnerstagmittag.

Streit in der Eiszeit

Das war nicht immer so. Als international anerkannter Meteorologe wurde Rubiera in den achtziger Jahren in die Hurrikan-Kommission der Vereinten Nationen für Nord- und Zentralamerika und die Karibik berufen. Doch damals herrschte noch Eiszeit zwischen Kuba und den USA. Einer seiner ersten Beiträge für die Kommission - mittlerweile ist er deren Vizepräsident - war ein handfester Streit mit den US-Vertretern über die Überflugrechte während des gewaltigen Hurrikans Gilbert 1988.

Video: Mr. Hurricane klärt Kubas Bevölkerung auf Ruhe vor dem Sturm: Kubas Chef-Meteorologe moderiert in väterlichem Ton. Video: Youtube / TODO CUBA ONLINE COM (09.09.2017)

Legendär sind auch Rubieras Beiträge im Beisein des ehemaligen Staatschefs Fidel Castro, der auch auf diesem Gebiet glaubte, manches besser zu wissen als seine Experten, was zu ausführlichen Zwiegesprächen vor laufender Kamera führte.

Immer wenn ein Hurrikan über der Insel wütete, erklärte Rubiera tagelang in ruhiger, verständlicher, fast väterlicher Weise die Folgen und Zusammenhänge des meteorologischen Phänomens. Stets lautete seine Begrüssung "Hallo, wie geht´s meine Freunde".

Seit 1981 auf Sendung

Seine Fernsehkarriere begann 1981, seither ist Rubiera das Gesicht der kubanischen Wettermoderation. Er war es, der der Parteiführung in Kuba die Bedeutung einer Vorhersage in den öffentlichen Medien für den Schutz der Bevölkerung bewusst gemacht hatte. Beim ersten Besuch in den Studios hatte er dem Fernsehdirektor damals auch gleich Farbmuster für die Wetterkarten präsentiert, vorausahnend, dass das Farbfernsehen bald kommen würde. Noch am selben Tag sagte dieser zu ihm: Da kommt eine interessante Kaltfront auf uns zu, am besten du fängst heute noch an.

"Ich war unrasiert, ich musste mir ein Sakko und eine Krawatte ausleihen, und so trat ich abends vor die Live-Kamera."José Rubiera

Kuba ist fast jedes Jahr von mindestens einem Hurrikan betroffen. Rubiera hat von Anfang an für eine enge Zusammenarbeit der Meteorologen mit den staatlichen Medien und dem Zivilschutz gesorgt - wohl einer der Gründe, warum auf dem Archipel, anders als in Nachbarländern, auch bei den schlimmsten Wirbelstürmen die Zahl der Opfer minimal blieb - auch bei Ivan 2004, der ebenso wie jetzt "Irma" mit Kategorie 5 eingestuft wurde, oder Katrina 2005.

"Irma", so sagte Rubiera am Freitag, könnte der stärkste Hurrikan über Kuba seit Beginn der Aufzeichnungen sein. Doch auch wenn er wieder eine Schneise der Verwüstung durch die Insel zieht - die Kubaner bleiben relativ gelassen, solange Rubiera ihnen die Katastrophe in anschaulichen Bildern erklärt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.09.2017, 18:24 Uhr

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