Islamischer Zentralrat findet Schweinefleisch in Schweizer Döner

Das rotierende Grillfleisch ist offenbar nicht immer frei von Schweinefleisch. Ein Labor hat das für gläubige Muslime verbotene Nahrungsmittel in sieben von zwanzig Dönerfleisch-Proben nachgewiesen.

Auch bei Nicht-Muslimen beliebt: Döner im Taschenbrot. (Archivbild)

Auch bei Nicht-Muslimen beliebt: Döner im Taschenbrot. (Archivbild) Bild: Keystone

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Falsch deklarierte Fleischprodukte haben Europa auch am Montag in Atem gehalten. Ein Berner Labor entdeckte Schweinefleisch in Dönerfleisch, in Tschechien wurden Ikea-Hackfleischbällchen mit Pferdefleisch entdeckt, und Nestlé kündigte einem spanischen Lieferanten - ebenfalls wegen beigemischtem Pferdefleisch.

Das Berner Labor hatte in sieben von zwanzig Schweizer Dönerfleisch-Proben Schweinefleisch nachgewiesen. Untersucht wurde das sich drehende Grillfleisch im Auftrag des Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS).

Laut Mitteilung des IZRS vom Montag untersuchte das Labor Proben gut frequentierter Imbissbuden in neun Schweizer Städten. Das Fleisch aus Bern, Biel, Luzern, Genf, Kreuzlingen und Winterthur wies einen Anteil von Schweinefleisch aus, jedoch in einer Konzentration von jeweils unter 0,1 Prozent.

«Schlicht eine Schweinerei»

Der IZRS geht deshalb davon aus, dass das Schweinefleisch nicht böswillig oder wissentlich dem Döner-Fleisch zugemischt wurde. Vielmehr hätten sich wohl bei der Zubereitung der Döner-Spiesse Reste von Schweinefleisch mit Hammel- oder anderen für Muslime zugelassenen Fleischsorten vermischt.

Dies geschah wahrscheinlich durch den Einsatz gleicher Instrumente. Trotzdem sei der IZRS «schockiert», heisst es in der Mitteilung. Präsident Nicolas Blancho lässt sich mit den Worten zitieren: «Das istschlicht eine Schweinerei».

Pferdefleisch in tschechischen Ikea-Hackfleischbällchen

Tschechische Lebensmittelinspektoren haben derweil in Hackfleischbällchen für Ikea Pferdefleisch entdeckt. Die Bällchen seien in Schweden für die weltgrösste Möbelhauskette hergestellt worden, teilte die tschechische Lebensmittel-Aufsicht am Montag mit.

Die Proben seien bei Ikea in der Stadt Brünn (Brno) im Landesteil Mähren genommen worden. Die Lieferung, die mit dem Etikett «Rind- und Schweinefleischbällchen» versehen gewesen sei, sei noch nicht in den Verkauf gelangt.

Sowohl diese sogenannten Köttbullar als auch in Polen hergestellte Burger für den tschechischen Markt stellten die Behörden sicher: Betroffen sind 760 Kilogramm Fleischklösschen und 360 Kilogramm Tiefkühlfleisch für Burger, wie der Sprecher der Veterinäraufsicht sagte.

Ikea: Schweiz nicht betroffen

Die Köttbullar werden bei Ikea sowohl im Restaurant angeboten, als auch tiefgekühlt zum Mitnehmen in den so genannten Schweden-Shops. Auch in 14 weiteren europäischen Ländern werden die tiefgekühlten Köttbullar-Packungen nicht mehr verkauft - darunter in Frankreich, Grossbritannien, Italien und Spanien.

Für die Schweiz gab Ikea Entwarnung. In allen Schweizer Ikea-Filialen werde ausschliesslich inländisches Rind- und Schweinefleisch verwendet - sowohl in den Restaurants als auch tiefgekühlt zum Mitnehmen, betonte Ikea-Sprecherin Virgina Bertschinger am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Nestlé kündigt spanischem Lieferanten

Der Lebensmittelriese Nestlé kündigte seinerseits am Montag an, keine Produkte des spanischen Lieferanten Servocar mehr zu beziehen. Tests hatten Spuren von Pferdefleisch nachgewiesen in Produkten, die als 100-prozentiges Rindfleisch gekennzeichnet und zertifiziert waren.

Nestlé Spanien erklärte, das Fleisch des Lieferanten aus der Provinz Toledo habe teilweise mehr als 1 Prozent Pferde-DNA enthalten.

Der europäische Pferdefleischskandal zieht damit immer weitere Kreise. Er begann mit dem Nachweis von Pferdefleisch in angeblich ausschliesslich mit Rindfleisch hergestellter Lasagne. Unterdessen stellten Labors in mehreren europäischen Ländern Pferdefleisch in Rindfleisch-Produkten fest, so auch in der Schweiz.

Im Zug der Untersuchungen wurden auch Medikamentenrückstände in Fleisch entdeckt, und in Deutschland gibt es Meldungen zu eventuell falsch deklarierten Eiern. Zudem wird vermehrt über die Haltung von Tieren diskutiert. Die Diskussionen über Deklaration und Produktion von Lebensmitteln weiten sich also immer mehr aus. (ses/sda)

Erstellt: 25.02.2013, 16:21 Uhr

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