Jahrhundertflut überrollt Russlands Osten

17'000 Menschen wurden evakuiert, 5000 Häuser sind überflutet. In Russland steht der Amur so hoch wie seit 1897 nicht mehr. Über der Grenze in China starben derweil 37 Menschen in den Fluten.

Überschwemmungen im chinesisch-russischen Grenzgebiet haben zahlreiche Menschen das Leben gekostet.
Video: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei Überschwemmungen und Erdrutschen sind in China insgesamt mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. In der südchinesischen Provinz Guangdong meldeten die Behörden am Sonntag 20 Tote. Weitere sieben Menschen werden noch vermisst, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. 19'000 Häuser seien in Guangdong zerstört oder schwer beschädigt worden.

Die Regierung habe 1500 Zelte und 4700 Klappbetten in die am schlimmsten betroffenen Regionen geschickt. Den wirtschaftlichen Schaden schätzen die Behörden auf 490 Millionen Yuan (73,5 Millionen Franken).

Auch im Nordosten Chinas starben viele Menschen in den vergangenen Tagen bei verheerenden Überschwemmungen. In den Provinzen Jilin, Heilongjiang und Liaoning kamen bis Sonntag 37 Menschen ums Leben, wie Xinhua meldete.

Die Wassermassen zerstörten demnach in der Region bisher mehr als 2500 Gebäude und beschädigten mindestens 12'500 Häuser. Zahlreiche Bahnstrecken, Strassen und Brücken wurden beschädigt. Der Schaden wird mit 7,1 Milliarden Yuan (1,2 Milliarden Franken) beziffert. Insgesamt waren etwa 140'000 Chinesen zum Verlassen ihrer Häuser gezwungen.

Rekord-Hochwasser in Russland

Nach sintflutartigen Regenfällen kämpfen Zehntausende Rettungskräfte im Fernen Osten Russlands mit schwerer Technik gegen eine Rekordflut. Der Amur-Fluss stand noch nie so hoch. Über 17'000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Präsident Wladimir Putin entsandte am Sonntag weitere Helfer in das Krisengebiet entlang des Amur-Flusses an der chinesischen Grenze. Rund 5300 Häuser in mehr als 120 Orten seien überflutet, sagte Zivilschutzminister Wladimir Putschkow bei einer Videokonferenz mit Putin.

«Der Schaden ist gross, aber Stromleitungen und Brücken kann man wieder aufbauen. Schützen Sie zuerst die Menschen, nicht das Material», sagte Putin. Eine riesige Transportmaschine vom Typ Iljuschin Il-76 brachte Planierraupen zum Dammbau sowie Boote und Nahrung in die Region rund 6000 Kilometer östlich von Moskau.

In der Stadt Chabarowsk führe der Amur-Fluss mit 6,47 Meter schon fünf Zentimeter mehr Hochwasser als bei der bisherigen Rekordflut im Jahr 1897, sagte Jewgeni Kusmin vom Zivilschutz der Nachrichtenagentur Interfax.

Pegel steigt weiter an

Ein Grund für den höheren Pegelstand sei, dass Wasser aus zwei vollgelaufenen Staudämmen abgelassen worden war. «Wir rechnen mit einem Ansteigen», sagte Kusmin. Wenn sich die Lage verschlechtere, müssten weitere etwa 100'000 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Putin ordnete eine Erhöhung der Soforthilfe von 100 Millionen Rubel (etwa 2,8 Millionen Franken) an. Der Schaden wird von den Behörden bereits auf umgerechnet Dutzende Millionen Franken geschätzt.

Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa kündigte Impfungen gegen Leberentzündungen und Typhus für die Bewohner der Region an. Zur Prävention werde auch mehr Chlor ins Trinkwasser gegeben, sagte sie.

Die Polizei verstärkte zum Schutz vor Plünderern ihre Streifen in den evakuierten Gebieten. Transporthelikopter vom Typ Mi-8 und Mi-26 bargen Dutzende Bewohner, die sich vor den Fluten auf Dächer gerettet hatten. (mw/sda)

Erstellt: 18.08.2013, 10:12 Uhr

Bildstrecke

Hochwasser in China und Russland

Hochwasser in China und Russland Bei schweren Überschwemmungen sind im Nordosten Chinas mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Russlands Osten wird ebenfalls von einer Jahrhundertflut heimgesucht.

Artikel zum Thema

Hochwasser spült Zurich den Gewinn weg

Die Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa hat Zurich im ersten Halbjahr einen Gewinneinbruch beschert. Mehr...

Dauerregen blockiert Strassen und Schienen

Von einem Extrem ins andere: Nach der grossen Hitze der letzten Tage gab es zum Wochenbeginn sintflutartige Regenfälle, Hagelstürme und Erdrutsche. Mehrere Zuglinien und Strassen mussten gesperrt werden. Mehr...

Calgary steht für Tage unter Wasser

Kein Zutritt bis Mitte Woche: Das Zentrum der kanadischen Stadt Calgary ist nach Überschwemmungen ohne Strom. Der Bürgermeister hat die Werktätigen aufgefordert, vorerst zuhause zu bleiben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home Versteckspiel mit dem TV

Tingler Immer schöner

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Weg damit: Die rund 140 Meter hohen Kühltürme eines geschlossenen Kohlekraftwerks in Jacksonville, Florida, fallen nach der Sprengung in sich zusammen. (16. Juni 2018)
(Bild: Bob Self/The Florida Times) Mehr...