Jan Ullrich akzeptiert Strafe für schweren Unfall

Betrunken und mit Tempo 90 baute der Ex-Radprofi im Mai 2014 im Kanton Thurgau einen Unfall. Gefängnis bedingt und eine Busse ist die Strafe.

Der vierfache Familienvater Jan Ullrich an einer Pressekonferenz 2012. Foto: Keystone

Der vierfache Familienvater Jan Ullrich an einer Pressekonferenz 2012. Foto: Keystone

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Der heute 41-jährige Deutsche, welcher seit 2002 in Scherzingen am Bodensee im Kanton Thurgau wohnt, hatte am Abend des 19. Mai 2014 auf einer Kreuzung in Mattwil TG einen Unfall verursacht. Er war mit seinem Audi Quattro auf der Kantonsstrasse mit 139 km/h statt der erlaubten 80 km/h auf die Kreuzung zugefahren. Trotz Bremsmanöver prallte er mit 90 bis 100 km/h ins Heck eines vor der Kreuzung stehenden Citroëns. Der Citroën wurde über die Kreuzung katapultiert, kollidierte mit einem Strassenschild und überschlug sich auf dem gegenüberliegenden Wiesland.

Ullrichs Audi Quattro überquerte die Kreuzung und kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Alfa Romeo. Verletzt wurde niemand, es entstand aber ein Schaden von knapp 70'000 Franken. Laut Anklageschrift war Ullrich betrunken. Er hatte an diesem Abend zusammen mit Kollegen mehrere Flaschen Weisswein konsumiert und 1,8 Promille intus.

Mit 100 km/h ins Heck des Citroëns: Der Unfall 2014 mit viel Sachschaden, aber ohne Verletzte. Foto: Keystone

Am 21. Juli muss sich der vierfache Familienvater und Geschäftsführer einer Marketingfirma vor dem Bezirksgericht Weinfelden verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Jan Ullrich grobe Verletzung von Verkehrsregeln und mehrfaches Fahren in qualifiziert fahrunfähigem Zustand vor.

Prozess im abgekürzten Verfahren

Die Staatsanwältin verlangt eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie eine zu bezahlende Busse von 10'000 Franken. Zudem muss Ullrich auch für die Untersuchungskosten von 15'000 Franken aufkommen. Er verdient pro Monat netto zirka 10'000 Franken. Der Prozess wird im abgekürzten Verfahren durchgeführt; das heisst, Ullrich akzeptiert Schuldspruch und Strafe.

Für die Staatsanwältin wiegt das Verschulden schwer, in der Anklage ist von einem erheblichen Mass an Rücksichtslosigkeit die Rede. Es sei nur dem Zufall und viel Glück zu verdanken, dass niemand schwer verletzt oder gar getötet wurde. Ullrich ist einschlägig vorbestraft. Im Juli 2008 wurde er bereits wegen zu schnellen Fahrens zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 800 Franken und einer Busse von 6000 Franken verurteilt.

Ullrich zeigte sich reuig

In einem Interview mit der «Bild»-Zeitung sagte er: «Ich habe einen schweren Fehler gemacht und aus dem Unfall die Lehren gezogen.» Ullrich musste seinen Führerausweis auf unbefristete Zeit abgeben. Am Unfalltag seien spontan Freunde bei ihm vorbeigekommen, die Wein dabeigehabt hätten. Man habe getrunken, als er sich plötzlich erinnerte, dass er noch einen Termin habe. Deshalb habe er sich ans Steuer gesetzt. Auf dem Rückweg kam es dann zum Unfall.

Erstellt: 09.06.2015, 14:01 Uhr

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