Jörg Kachelmann ist bald nur noch «freier Berater» bei Meteomedia

Der Firmengründer hat lange dafür gekämpft, die Kontrolle über «seinen» Wetterdienst zu behalten. Doch nun scheidet er aus der Führung aus und konzentriert sich auf Nordamerika.

«Es ist für mich höchste Zeit, meiner Familie Priorität zu geben»: Meteorologe Jörg Kachelmann.

«Es ist für mich höchste Zeit, meiner Familie Priorität zu geben»: Meteorologe Jörg Kachelmann. Bild: Jens Rötzsch (Ostkreuz)

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Ab sofort amtiert Jörg Kachelmann nicht mehr als Verwaltungsratspräsident von Meteomedia. Er ist nicht einmal mehr Mitglied des obersten Führungsgremiums. Dies kann man dem Appenzeller Handelsregister entnehmen. Neuer starker Mann des Wetterdiensts ist Martin Kurer. Der Bruder von Ex-UBS-Präsident Peter Kurer ist Anwalt im philippinischen Manila und in Zürich. Er bildet mit zwei weiteren Mitarbeitern auch die Geschäftsleitung von Meteomedia.

Firmengründer Jörg Kachelmann hingegen wird ab Juli nur noch als «freier Berater» für den Wetterdienst tätig sein. So steht es in einer internen Mitteilung, die kürzlich an die Mitarbeiter versandt wurde. Kachelmann habe sich entschlossen, «seinen beruflichen Fokus vor allem auf den nordamerikanischen Markt zu verlagern, den er eigenverantwortlich betreuen wird». Meteomedia habe mit ihm eine entsprechende Lizenzvereinbarung abgeschlossen, heisst es weiter in der Mitarbeiterinformation.

«Wohnsitz ist und bleibt in der Schweiz»

Zieht also Jörg Kachelmann in die USA oder nach Kanada, wo seine zwei Kinder leben? Offenbar zumindest nicht ganz. Jedenfalls schreibt er auf Anfrage des TA: «Mein Wohnsitz ist und bleibt in der Schweiz.» Auch will er für Radio Primavera und Main.tv im deutschen Aschaffenburg weiterhin das Wochenendwetter moderieren.

Hingegen trennt sich Kachelmann von der Aktienmehrheit von Meteomedia. «Zunächst» hat er 15 Prozent verkauft – an die bereits beteiligte asiatische Firma Global Centre Industries, die von Martin Kurer vertreten wird, sowie an die Clenico-Beteiligungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft in Wien, für die der Österreicher Andreas Grohs in den Verwaltungsrat einzieht. Dessen Sohn Clemens Grohs ist Meteorologe und Mitglied der Clenico Privatstiftung. Er arbeitete bis vor kurzem am Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg. Dort heisst es, er trete in diesen Tagen eine neue Stelle an – bei Meteomedia.

Der Familie Priorität einräumen

Warum aber hat Kachelmann die Aktien verkauft? Braucht er Geld, um seine hohen Prozesskosten zu begleichen? Solche Fragen mag der Meteorologe nicht beantworten. Stattdessen schreibt er: «Über 20 Jahre lang haben die Interessen von Meteomedia den Rhythmus meines Lebens bestimmt. Das wird sich in den kommenden Jahren nicht gänzlich ändern. Dennoch ist es mit 54 Jahren für mich höchste Zeit, meiner Familie Priorität zu geben.»

Lange hatte Kachelmann dafür gekämpft, die Kontrolle über seinen Wetterdienst zu behalten. Nachdem er im Frühjahr 2010 wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs festgenommen worden war, wollten ihn seine ehemaligen Teilhaber aus dem Verwaltungsrat abberufen. Doch am Ende setzte sich Kachelmann durch und trennte sich von seinen einstigen Partnern.

Offenbar kein Streit

Offenbar haben nun aber auch seine neuen Mitstreiter darauf hingearbeitet, den Firmengründer aus der Führung zu entfernen. Bereits im vergangenen Mai verlor Kachelmann als Verwaltungsratspräsident die Berechtigung zur Einzelunterschrift und durfte die Firma nur noch mit «Kollektivunterschrift zu zweien» verpflichten, wie dem Handelsregister zu entnehmen ist. Jetzt sitzt er gar nicht mehr im Verwaltungsrat.

Kachelmann mochte sich gestern nicht dazu äussern, ob ihn dies schmerzt. Glaubt man Martin Kurer, ist aber alles ohne Streit abgelaufen. «Alle Veränderungen», sagt der neue Chef, «erfolgten im besten Einvernehmen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2013, 19:33 Uhr

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