Bern

Junger Angeklagter: «Ich habe in kurzer Zeit alles kaputt gemacht»

Im Kanton Bern stehen acht junge Männer vor Gericht, die bis im Oktober 2007 38 Brände gelegt haben sollen. Ein Angeklagter nahm Stellung zu seinen Taten.

Abgebrannte Scheune in Zwieselberg: Das war einer von 38 Bränden, die von den gleichen Tätern verübt worden sein sollen.

Abgebrannte Scheune in Zwieselberg: Das war einer von 38 Bränden, die von den gleichen Tätern verübt worden sein sollen. Bild: Peter Rothacher

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Die Gruppe von acht Männern wird neben den Brandstiftungen für etliche Diebstähle und Sachbeschädigungen verantwortlich gemacht. So warfen einige Angeklagte mehrmals Golfbälle von Autobahnbrücken gegen fahrende Autos, in einem Fall waren es brennende Molotow-Cocktails.

Vor allem die Brandserie sorgte in der Bevölkerung für Unruhe. Die Täter steckten mit Vorliebe Holzlager, Heuballen und Container in Brand, in einigen Fällen auch im Kanton Freiburg. Dabei entstand ein Sachschaden von 1,7 Millionen Franken. Die Polizei kam der Gruppe im Oktober 2007 auf die Schliche, als sie ein Trio bei einer versuchten Brandstiftung in Thun ertappte.

Hauptangeschuldigter im Strafvollzug

Vor dem Gericht im Berner Amthaus erschienen am Montag sieben Schweizer und ein Iraker im Alter zwischen 21 und 25 Jahren. Der Hauptangeschuldigte, ein 25-jähriger Schweizer, befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug.

Dort habe er zwar Fortschritte gemacht, heisst es in einem psychiatrischen Gutachten. Der Mann leide aber weiterhin unter mangelndem Selbstbewusstsein und sei leicht kränkbar. Mit den Straftaten habe er sich bislang nur ungenügend auseinander gesetzt, die Beweggründe seien ihm unklar.

Nach Darstellung der Untersuchungsbehörden begann die Deliktserie nach der Trennung von der Freundin. Darauf ging der Angeklagte nicht direkt ein. Er gab aber zu Protokoll, dass er hinter Gitter schon viel über die Hintergründe der Taten herausgefunden habe.

Roman hinter Gitter

Im Strafvollzug habe er zudem mit Geigenspielen begonnen und vor anderen Gefangenen ein Konzert gegeben. Ausserdem schreibe er an einem Buch. Es sei ein Roman über einen Mann, der eine Frau suche, durch einen Unfall aus dem Tritt gerate und dann eine Frau kennenlerne, erzählte der Angeklagte. Wie der Roman weitergehe, wisse er noch nicht.

Zur weiteren Bewältigung der Vergangenheit empfiehlt der Gutachter eine psychotherapeutische Massnahme. Ob diese in einer geschlossenen Anstalt erfolgen soll, liess er offen. Der Angeklagte will sich dagegen mit aller Kraft wehren, wie er ankündigte. Er wolle den Reifeprozess nicht in einer geschlossenen Institution fortsetzen.

«Alles kaputt gemacht»

An den meisten Brandstiftungen und zahlreichen weiteren Delikten soll auch ein 24-jähriger Schweizer beteiligt gewesen sein. Bei ihm beläuft sich der Deliktsbetrag auf gut 1,3 Millionen Franken.

«Vor 2007 hatte ich mein Leben in Griff, dann habe ich in kurzer Zeit alles kaputt gemacht», sagte er am Montag. Der Alkoholkonsum habe ihn aggressiv gemacht. Nun habe er sein Leben aber grundlegend geändert, gehe einer festen Beschäftigung in verantwortlicher Stellung nach und meide den Alkohol.

Sechs weitere Männer sollen sich an manchen Delikten ebenfalls beteiligt haben. Das Kreisgericht Bern-Laupen rechnet mit einer Verhandlungsdauer von zwei Wochen. Die Plädoyers werden an diesem Freitag und am kommenden Montag gehalten. Das Urteil wird am 26. November erwartet. (mau/sda)

Erstellt: 15.11.2010, 14:24 Uhr

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