Kein Berufsverbot für pädophilen Kinderarzt

Ein ehemaliger Aargauer Kinderarzt ist verurteilt worden, weil er über Jahre Kinderpornografie konsumierte. Trotzdem arbeitet er heute als Oberarzt.

Das Gutachten der Ärztegesellschaft riet von einem Berufsverbot ab: Das Bezirksgericht Aarau. (Bild: www.ag.ch)

Das Gutachten der Ärztegesellschaft riet von einem Berufsverbot ab: Das Bezirksgericht Aarau. (Bild: www.ag.ch)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jahrelang hatte der Mann Bilder und Videos mit kinderpornografischem Material heruntergeladen und gleichzeitig als Kinderarzt im Kinderspital Aarau gearbeitet. Wie die «Aargauer Zeitung» berichtet, fand die Staatsanwaltschaft bei einer Hausdurchsuchung des Mannes zwei Notebooks sowie externe Festplatten mit über 10'000 Bildern, rund 700 Videos, dazu CDs und DVDs. Der Richter sprach gestern vor dem Bezirksgericht Aarau gemäss dem Bericht von kinderpornografischem Material der «absolut gröberen Sorte». Im Jahr 2012 geriet der heute 35-Jährige ins Visier von internationalen Ermittlungen, ein Verfahren wurde eingeleitet.

Das Bezirksgericht Aarau verurteilte den Arzt gestern zu einer bedingten Geldstrafe von 74'400 Franken. Eine Busse von 10'000 Franken muss der Mann sofort zahlen. Ein Berufsverbot erhält er jedoch nicht. Zwar arbeitet der Verurteilte nicht mehr als Kinderarzt; das wolle er auch gar nicht, sagte er gegenüber dem Richter. Doch mittlerweile ist er Oberarzt für Innere Medizin an einem anderen Schweizer Spital.

Gemäss dem Bericht hatte die Ärztegesellschaft für die Aargauer Behörden ein Gutachten erstellt, das zum Schluss gekommen war, ein Berufsverbot für den Mann sei nicht nötig. Allerdings wird empfohlen, dass er bei seiner künftigen beruflichen Tätigkeit nicht mit Kindern in Kontakt komme. Wie die Zeitung weiter schreibt, hatte der Arzt bei Eröffnung des Verfahrens gegen ihn umgehend seinen Vorgesetzten am Kinderspital Aarau informiert, worauf das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einverständnis aufgelöst worden sei. Ausserdem befinde er sich bis heute erfolgreich in Therapie. Das Urteil des Bezirksgerichts Aarau ist noch nicht rechtskräftig. (thu)

Erstellt: 25.02.2015, 11:27 Uhr

Artikel zum Thema

Überraschung am ersten Edathy-Prozesstag

Legt Sebastian Edathy in der Kinderporno-Affäre ein Geständnis ab, könnte das Verfahren gegen ihn umgehend eingestellt werden. Mehr...

«Ein Freispruch ist möglich»

Interview Ein Prozess, der ganz Deutschland bewegt: Ab heute steht der frühere Parlamentarier Sebastian Edathy in der Kinderporno-Affäre vor Gericht. Korrespondent Wolfgang Mulke rechnet mit einem milden Urteil. Mehr...

Die verlorene Ehre des Sebastian Edathy

Porträt Der deutsche Sozialdemokrat bestellte Bilder von nackten Jungen und musste als Abgeordneter zurücktreten. Der Fall zeigt, wie gnadenlos eine wütende Öffentlichkeit werden kann. Am Montag beginnt der Prozess. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Blogs

Stadtblog Ruhe bewahren in der Stadt

Mamablog Gelassen bleiben – eine Anleitung

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...