Klägerin gegen Dall ist offenbar eine Stalkerin

Die 43-jährige Journalistin, die angeblich vom deutschen Entertainer vergewaltigt wurde, hat schon einige Prominente belästigt: Auch «Hausi» Leutenegger und Beat Schlatter machten Bekanntschaft mit der Frau.

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Beat Schlatter (52), Udo Jürgens (79), Hausi Leutenegger (73), Jürgen Drews (68), Roland Kaiser (61) – sie alle sind von der freien Journalistin schon gestalkt worden. Die angebliche Vergewaltigung der Solothurner Journalistin soll sich in der Nacht vom 5. September im Zimmer von Karl Dall im Hotel Renaissance beim Escher-Wyss-Platz ereignet haben. Der Komiker war zuvor Gast in der Talksendung «Aeschbacher» in der benachbarten Labor-Bar.

Tatsache ist: Die Frau verbrachte mit Dall mehrere Stunden in dessen Hotelzimmer. Laut Dalls Anwalt Marc Engler hat sie während des ganzen Abends immer wieder darauf gedrängt, mit ihm ins Hotelzimmer zu gehen. Dort hätten sich die beiden weiter unterhalten, zu sexuellen Handlungen sei es aber nie gekommen. Die Frau habe versucht, Dall zu küssen, was dieser aber abgewehrt habe. Gegenüber der deutschen «Bild» hat der 72-Jährige gesagt, dass es zuvor zu E-Mails mit anzüglichen Bemerkungen gekommen sei.

Schlatter obszön belästigt

Die Frau ist offenbar eine Stalkerin. Immer neue Männer kommen zum Vorschein, die von der Journalistin belästigt wurden – Herren gehobenen Alters, die meistens in der Unterhaltungsbranche tätig sind. Bis gestern unbekannt war, dass auch der Schweizer Olympiasieger im Viererbob, Hans «Hausi» Leutenegger, von der Frau bedrängt wurde. «Im Jahr 2007 hat sich diese Frau an einem Hansi-Hinterseer-Konzert in Lyss an mich herangeschmissen.» Er habe die Frau sofort durchschaut, er merke sofort, wenn eine Frau lüge – seine Erfahrung über die letzten Jahre habe ihn das gelehrt. «Die Frau ist eine ganz traurige Person», sagt Leutenegger. Drei Monate lang habe sie ihm nachgestellt, habe ihm Eilbriefe gesendet, deren Kosten er selbst habe übernehmen müssen. Erst mithilfe der Polizei konnte er sie auf Distanz halten.

Auch der Zürcher Schauspieler Beat Schlatter machte Bekanntschaft mit der Frau, wie er auf Anfrage bestätigte. Er verwertete die Kontakte mit der Journalistin literarisch, wie dem Buch «Bin gleich zurück: Komisches aus dem Leben von Beat Schlatter» zu entnehmen ist: Danach rief ihn die Journalistin mehrmals in der Nacht an und machte dabei obszöne Bemerkungen. Als sich der Komiker bei ihrem Vorgesetzten beschwerte, warf ihm die Frau im Gegenzug vor, Wörter von sich gegeben zu haben, die unter der Gürtellinie gelegen hätten. Nach einem Jahr Funkstille nahm sie wieder Kontakt mit Schlatter auf und fragte ihn, ob er sie zu einem Udo-Jürgens-Konzert begleiten wolle, was Schlatter ablehnte. Brisant: Auch Udo Jürgens, der neuerdings in Meilen am Zürichsee wohnhafte Sänger, wurde von der Frau gestalkt.

Die «Bild»-Zeitung schreibt von 50 Anrufen pro Nacht sowie von Drohungen wie: «Ich habe eine Waffe. Ich werde dein Leben vernichten!» Andreas Bantel, der Sprecher von Dall, sagt: «Es melden sich täglich neue Opfer dieser Frau bei Karl Dall.» Die Muster würden sich ähneln, so Bantel: Zuerst pirsche sie sich an eine zumeist prominente Person heran, interviewe und umgarne sie, um sie schliesslich beim Versuch der Distanzierung zu bedrohen.

Begleiter der Frau wird verhört

Diese Beobachtungen bestätigt der Schlagersänger Jürgen Drews. Er bezeichnet die Solothurnerin einerseits als nett und zuvorkommend: «Sie schenkte mir ein süsses Taschenmesser.» Andererseits habe sie ihn immer wieder beschimpft oder bedroht – verbal oder per E-Mail. Schliesslich habe er sie in Deutschland und in Zürich angezeigt. Was aus den Gesprächen mit Leutenegger, Schlatter und Drews hervorgeht: Immer wieder wurde die Journalistin von ihren Eltern zu den Anlässen begleitet.

Auch Roland Kaiser (61), einen anderen deutschen Schlagersänger, soll die Solothurnerin bedrängt haben. Laut Recherchen des TA soll die Frau zudem einen bekannten Schweizer Politiker massiv mit SMS und E-Mails belästigt und ihm sexuelle Avancen gemacht haben.

Am Abend des 5. September, am Tag der angeblichen Vergewaltigung, war die Frau nicht alleine von Solothurn nach Zürich gefahren. Ein Mann hatte sie begleitet, er übernachtete im Hotel Ibis, ebenfalls in der Nähe des Escher- Wyss-Platzes. Dieser Begleiter ist von der Polizei einvernommen worden, demnächst wird er von der Staatsanwaltschaft verhört. Laut Marc Engler, Dalls Anwalt, ist diese Auskunftsperson ein wichtiger Zeuge, der vermutlich seinen Mandanten entlasten könne. Zum Inhalt der gemachten Aussagen wollte sich Engler nicht äussern. Neben diesem Zeugen gebe es noch eine weitere Person, die zugunsten von Dall aussagen könne. Auch dazu wollte der Anwalt keine Angaben machen.

Die Frau hatte die Anzeige erst zwei Monate nach der angeblichen Tat erstattet. Dall wurde am 3. November nach der Vorstellung seines Stücks «Der Opa» in der Tonhalle von St. Gallen verhaftet. Als der Schauspieler um 23.15 Uhr das Foyer verliess, wurde er festgenommen und nach Zürich ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Am Mittag des 7. November kam er frei. Noch am gleichen Abend trat er in Halle (D) auf.

Schulden wegen Spielsucht?

Das angebliche Opfer ist freie Journalistin und schreibt für verschiedene Zeitungen. Die Mehrzahl der Artikel befasst sich mit Prominenten. Sie hat einen Roman geschrieben, in dem es um den sexuellen Missbrauch zwischen einer Patientin und einem Arzt geht. Die Frau soll Schulden haben. Gegenüber Dall hat sie von rund 30'000 Franken gesprochen, offenbar wegen ihrer Spielsucht.

Die Journalistin hatte mit Dall per Mail kommuniziert, als er in seinem Blockhaus in Kanada weilte. Dall verbringt dort mit seiner Frau Barbara seit über 20 Jahren den Sommer. Er erinnerte sich in dem Interview, das in einem Schweizer Boulevardmagazin publiziert wurde, an die schönen Stunden mit Paola und dem inzwischen verstorbenen Kurt Felix. «Ich fände es schön, wenn Paola eine meiner Vorstellungen in der Schweiz besuchen würde.» Dall wurde just nach der Vorstellung verhaftet, die Paola besucht hatte.

Erstellt: 30.11.2013, 06:36 Uhr

Frau hält an Vorwürfen fest
Jetzt sprechen die Anwälte

Marc Engler, der Zürcher Anwalt von Karl Dall, behält sich die Prüfung einer Anzeige wegen falscher Anschuldigung vor, wie er gegenüber dem TA sagte. Andreas Wehrle, der Solothurner Anwalt der Frau, schrieb dagegen gestern in einem Communiqué, dass seine Mandantin sämtlichen von Dall geäusserten Darstellungen widerspreche. Sie halte an ihren Vorwürfen fest. Die Presseberichte seien in zentralen Punkten falsch. Sie werde sich vorläufig nicht mehr zur Sache äussern und möchte in Ruhe gelassen werden. (hoh/czu)

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