Bootsunglück: Jetzt spricht der Präsident des Basler Ruder-Clubs

In Birsfelden ist es am Montagabend auf dem Rhein zu einer Kollision zwischen einem Frachtschiff und einem Ruderboot gekommen. Eine Person kam dabei ums Leben.

Die Polizisten untersuchen das Unglücksboot am Tag nach dem Unfall.

Die Polizisten untersuchen das Unglücksboot am Tag nach dem Unfall. Bild: Martin Regenass

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Es war eine Tragödie, die sich am Montagabend oberhalb des Kraftwerks Birsfelden abspielte. Laut der Baselbieter Polizei kollidierte ein bergwärts fahrendes Frachtschiff mit einem Ruderboot. Drei Personen konnten sich an Land retten, eine 52-jährige Frau kam bei dem Zusammenstoss ums Leben.

Einen Tag danach liegt das Unfallboot beim Basler Ruder-Club an der Grenzacherstrasse an Land. Polizisten machen sich an dem Boot zu schaffen. Vor Ort ist auch Ruder-Club Präsident Christoph Socin. Er zeigt einem Polizisten ein Positionslicht. Dieser fotografiert die kleine Lampe mit LED-Birnen. Als das Unglück geschah, war es dunkel.

Christoph Socin, Präsident des Basler Ruder-Clubs, reagiert gefasst auf das Unglück. In der linken Hand hält er eine Positionslampe.

Socin, ein erfahrener Ruderer, sagt gefasst: «Ich bin seit 50 Jahren in diesem Club und seither ist noch nichts Vergleichbares passiert.» Bei dem Unglücksboot handelt es sich um einen sogenannten Renndoppelvierer. Die vier Ruderinnen seien, so Socin, wohl plus minus in der Mitte des Rheins talabwärts gefahren. Ohne Sicht nach hinten, da Ruderer mit dem Rücken gegen die Fahrtrichtung fahren. Das Frachtschiff, so erste Erkenntnisse, hatte offenbar die Schleuse verlassen, um weiter oben an einem Hafenterminal anzulegen. Vielleicht um die Ladung zu löschen, vielleicht auch um Fracht aufzunehmen.

Gemäss Socin ist zur Zeit unklar, ob es sich um einen Frachter oder um ein Tankschiff gehandelt hat. «Die Ruderinnen gingen nach der Frontalkollision unter dem Schiff durch. Da ist jeder froh, der sich ans Ufer retten kann. Zeit, um sich den Schiffsnamen zu merken, bleibt da keine.»

Die Frauen auf dem Unglücksboot verfügten über mehr als 27 Jahre Rudererfahrung. Im Bild: Der Basler Ruder-Club.

Obligatorisch ist für Ruderboote in der Nacht ein Positionslicht am Bug. «Ich gehe davon aus, dass das Licht auf dem Boot montiert und es an war.» Eine Augenzeugin eines anderen Ruderclubs bestätigt, ein Licht auf dem Boot gesichtet zu haben.

Mehr als das Positionslicht brauche es gemäss Reglement nicht, sagt Socin. Bei den Verunglückten habe es sich um Masters-Ruderinnen gehandelt. Sie alle hätten gemäss Socin mehr als 27 Jahre Erfahrung gehabt.

Socin kann sich auch nicht erklären, wie es zu dem Unfall gekommen ist. «Als Ruderer sollte man regelmässig zurückschauen.» Problematisch sei aber, dass man ein herannahendes Frachtschiff kaum hören könne. Am Bug sei die Geräuschkulisse niedrig und das Heck mit dem Dröhnen der Motoren bei den über 100 Meter langen Frachtern derart weit entfernt, dass sie nicht hörbar seien – zumal auch die Ruderschläge auf dem Boot Geräusche machen.

Nachdem das Frachtschiff die Schleuse Birsfelden passiert hatte, kam es zum Zusammenstoss mit dem Ruderboot.

Aus Sicht des Frachtschiffs sagt Socin, dass ein Ruderboot in der Nacht wohl schwer zu erkennen sei, zumal nach Verlassen der Schleuse Birsfelden vorne am Bug kein Besatzungsmitglied stehen müsse, um Boote auszumachen.

«Ruderboote sind schwer zu erkennen»

Die BaZ hat mit zwei Kapitänen von Frachtschiffen gesprochen. Sie wollen allerdings namentlich nicht genannt werden. Ein deutscher Frachtschiffführer sagt, dass es schwierig sei, ein Ruderboot auf dem Radar zu erkennen. Zwar würde es Radarwellen werfen, es könne sich aber geradeso gut um einen Baumstamm oder um ein grösseres Stück Holz handeln. Ebenso schwierig sei es, das Positionslicht eines Ruderboots zu erkennen, zumal sich auf dem Rhein noch andere Lichter wie Autoscheinwerfer, Strassenlaternen oder Lichter vom Hafen spiegeln könnten.

Auf dem Radar sind Ruderboote laut einem Schiffskapitän schwer zu erkennen.

Ein holländischer Kapitän sagt, dass ein Ruderboot auch mit der Bugkamera schwer zu erkennen sei. Zudem könne sich der tote Winkel je nach Ladung vergrössern. Er appelliert an die Ruderer, dass sie bergabwärts näher am Ufer und ausserhalb der Schifffahrtsrinne fahren sollten.

Socin hält wenig davon, talabwärts näher am Ufer zu fahren. Ebenso brauche es keine stärkeren Lampen. «Seit jeher trainieren wir auch in der Nacht. Die erfahrenste Person auf dem Boot ist rund 16'000 Kilometer gerudert. Wir haben den Vorfall im Vorstand besprochen, wollen bezüglich den Regeln allerdings nichts ändern. Unsere Leute sollen zu jeder Tages- und Nachtzeit rudern können.» Das heisst: rheinaufwärts bewegen sich die Boote wegen der schwächeren Strömung näher am Ufer und kommen rheinabwärts mehr gegen die Mitte zu fahren.

Die Sicht nach vorne ist für den Kapitän schon bei Tag beschränkt.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat Untersuchungen zur Klärung des Unfalls eingeleitet. In der Regel hat die Grossschifffahrt Vortritt vor der Kleinschifffahrt.

Erstellt: 13.01.2020, 22:45 Uhr

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