Laasners Peiniger nach acht Jahren Flucht festgenommen

Als Sektenführer hatte Arno W. jahrelang eine Schweizerin missbraucht. Der 60-Jährige und seine Lebenspartnerin tauchten 2007 unter – nun wurden sie in Uruguay gefasst.

Sie ist erleichtert über die Verhaftung ihres Peinigers: Lea Laasner 2005 bei der Präsentation des Buches über ihre Leidensgeschichte.

Sie ist erleichtert über die Verhaftung ihres Peinigers: Lea Laasner 2005 bei der Präsentation des Buches über ihre Leidensgeschichte. Bild: Keystone

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Der Sektenguru Arno W., der die Schweizerin Lea Laasner als Jugendliche sexuell missbraucht hatte, ist in Uruguay verhaftet worden. Der 60-jährige Deutsche wurde nach jahrelanger Fahndung zusammen mit seiner Lebenspartnerin Julie R. in der Hauptstadt Montevideo in Untersuchungshaft gesetzt.

Sektenopfer Lea Laasner hatte ihren Peiniger nach ihrer Flucht aus der Sekte in Belize, Zentralamerika, angezeigt. Nach langen Ermittlungen gaben die Zürcher Justizbehörden den Fall an Deutschland ab. Vier Tage vor Prozessbeginn vor dem Detmolder Landgericht tauchte das Paar im April 2007 unter. Ein deutscher Zielfahnder verfolgte jahrelang seine Spur, die sich aber in Südamerika verlor.

Lea Laasner wurde immer wieder beigezogen, wenn es darum ging, Rechercheergebnisse zu interpretieren. Im Laufe der Jahre verlor sie aber die Hoffnung, dass die jahrelangen sexuellen Übergriffe gesühnt würden. Nun informierte der Fahnder Lea Laasner über die Verhaftung ihres Peinigers.

Die Rekonstruktion ergibt, dass Arno W. und Julie R. mit gefälschten Dokumenten offenbar zuerst in Surinam untergetaucht waren. Später liessen sie sich in Uruguay nieder und bewohnten ein stattliches Anwesen. «Sie lebten wie zu Sektenzeiten vom Millionenvermögen, das ihnen reiche Sektenmitglieder vermacht hatten», erklärt Lea Laasner.

Hilfe von Anhängern

Bei der Verhaftung waren Adriana de los Santos, eine auf organisierte Kriminalität spezialisierte Richterin, Staatsanwalt Juan Gomez und der Fahnder des deutschen Bundeskriminalamtes beteiligt. Wie sie dem Paar auf die Spur gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Der Guru und seine Partnerin sollen unter falschem Namen in Uruguay gelebt haben. Wie die Behörden in Montevideo erklärten, hätten sich die beiden sehr konspirativ verhalten. Unterstützt wurden sie von den Sektenanhängern, die dem Guru trotz des Strafverfahrens die Treue hielten. Zu ihnen gehört vermutlich auch die Mutter von Lea Laasner, die den Kontakt zu ihrer Tochter schon vor Jahren abgebrochen hatte. Die Auslieferung Arno W.s und seiner Partnerin, die wegen Beihilfe angeklagt ist, wird bereits vorbereitet, wie die Detmolder Staatsanwaltschaft bestätigt. ­Julie R. wird vorgeworfen, Lea Laasner mental manipuliert zu haben, damit diese sich gegen die Übergriffe ihres Mannes anfänglich nicht wehren konnte. Die Partnerin des Gurus schaute teilweise zu und vergnügte sich gleichzeitig im gleichen Raum mit dem Bruder von Lea Laasner. Die sexuellen Übergriffe erklärte der Guru als Teil von Lea Laasners spiritueller Entwicklung.

Sieben Jahre Leiden

Arno W. gilt als Führer der sogenannten Ramtha-Sekte. Er begann Lea Laasner im Alter von 13 Jahren zu missbrauchen. Nach einem sieben Jahre dauernden Leidensweg gelang ihr die Flucht. Danach tauchten Arno W. und Julie R. sofort unter, weil sie eine Razzia der Polizei befürchteten.

Lea Laasner nimmt die Verhaftung ihres Peinigers erleichtert zur Kenntnis. Sie hat sich zwar sehr gut von ihren traumatischen Erlebnissen erholt und arbeitet zurzeit an ihrer Masterarbeit in Psychologie, doch nun kann sie auch das letzte Kapitel ihrer Sektengeschichte bald schliessen. Auch wenn sich der Guru möglicherweise in die Verjährung retten könne, seien seine jahrelange Flucht und die Untersuchungshaft auch eine Art Strafe für ihn, sagte sie.

Hugo Stamm hat zusammen mit Sektenopfer Lea Laasner das Buch «Allein gegen die Seelenfänger» geschrieben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2015, 04:44 Uhr

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