Lawinen wie seit 30 Jahren nicht mehr

In den Bergen liegen noch 1,5 Meter Schnee, doch der Winter geht zu Ende. Er war von Extremen gekennzeichnet – und dennoch letztlich durchschnittlich.

Zwei Autos wurden von Schneemassen erfasst: Auf der Ofenbergstrasse bei Ova Spin ging eine Lawine auf die Kantonsstrasse nieder – verletzt wurde niemand. (25. Februar 2012)

Zwei Autos wurden von Schneemassen erfasst: Auf der Ofenbergstrasse bei Ova Spin ging eine Lawine auf die Kantonsstrasse nieder – verletzt wurde niemand. (25. Februar 2012) Bild: Keystone

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Erst der milde November, die Skigebiete sorgten sich ums Geschäft, der Saisonstart musste verschoben werden. Dann Mitte Dezember ein Wintereinbruch mit Schneemassen, wie sie selten vorkommen. Derzeit liegt in den Bergen verbreitet noch 1,5 Meter Schnee –etwa doppelt so viel wie normalerweise zu dieser Jahreszeit. Auf dem Säntis türmt sich der Schnee immer noch auf einer Höhe von 5,8 Metern.

Genau diese Verkettung von Umständen hat auch zu den Gleitschneelawinen geführt, die sich in den letzten Tagen häuften. Sie treten meist auf, wenn der Boden noch nicht gefroren ist und die ersten Schneefälle des Winters besonders ergiebig sind. Charakteristisch für diese Lawinen ist, dass der unter dem Schnee liegende Boden freigelegt wird. Experten sprechen von «hufförmigen Gleitschneerissen», die auch Fischmäuler genannt werden.

Autos von Lawine erfasst

«Derart starkes Schneegleiten wie diesen Winter kommt nur etwa alle dreissig Jahre vor», sagte Christine Pielmeier, Lawinenprognostikerin am Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Es gebe deutlich mehr Gleitschneelawinen als im langjährigen Durchschnitt. Begünstigt wurden die Lawinen am Wochenende durch die milderen Temperaturen und die grosse Menge Schnee, die noch an den Hängen liegt. Gestern ging eine solche Lawine, die 100 Meter lang und 50 Meter breit war, im Skigebiet Les Crosets VS auf eine Piste nieder. Nach dem Einsatz von Helikoptern und Hunden wurde klar, dass niemand zu Schaden gekommen war.

Die Albula-Strecke der Rhätischen Bahn zwischen Chur und St. Moritz musste am Wochenende zweimal wegen Lawinen gesperrt werden. Am Ofenpass wurden am Samstag zwei Autos von einer Lawine erfasst; die Insassen konnten sich in Sicherheit bringen. Mehrere andere Strassen mussten wegen Lawinengefahr gesperrt werden.

Extremkälte als Ausgleich

«Die Gleitschneeaktivität ist praktisch im gesamten schweizerischen Alpenraum gross», sagte Pielmeier. Weil Abgänge jederzeit möglich seien, sollten die Zonen unter Gleitschneerissen möglichst gemieden werden.

In den nächsten Tagen wird es wärmer, was die Lawinengefahr erhöht. Damit sind die sibirischen Temperaturen von Anfang Februar – in Samedan wurden am 6. Februar minus 35,1 Grad gemessen – endgültig überwunden. Diese extrem tiefen Temperaturen sorgten dafür, dass der Winter nun doch noch als durchschnittlich gilt. Denn im Dezember und Januar war es eigentlich viel zu mild gewesen. Auch die Sonnenscheindauer war für diesen Winter insgesamt durchschnittlich. (bru/sda)

Erstellt: 27.02.2012, 09:49 Uhr

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