Lufthansa prüft Psyche der Piloten nur beim Einstiegstest

Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hatte möglicherweise psychische Probleme. Wie die psychologische Betreuung von Flugkapitänen funktioniert, erklärt Ex-Lufthansa-Pilot Peter Baus.

Klar geregelte Aufgabenteilung: Zwei Piloten üben in einem Simulator den Flug mit einem Airbus A320.

Klar geregelte Aufgabenteilung: Zwei Piloten üben in einem Simulator den Flug mit einem Airbus A320. Bild: Airbus

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Herr Baus, wie oft werden die Piloten psychologisch und medizinisch getestet?
Psychologische Tests finden bei der Lufthansa nur beim Einstiegstest statt, danach nicht mehr. Medizinische Untersuchungen finden sowohl beim Einstiegstest statt als auch während der Berufszeit einmal pro Jahr. Ab 40 Jahren werden Piloten zweimal jährlich vom Fliegerarzt untersucht, etwa bezüglich Blutdruck, Augen, Hals-Nasen-Ohren-Funktionen und Belastungs-EKG.

Wie werden die Piloten ausgebildet, wenn es um Problemerkennung bei Crewmitgliedern geht – etwa um suizidale Absichten?
Es gibt diesbezüglich keine Schulungen oder Trainings. Doch es gibt ein anonymes Meldesystem für den Fall, dass sich jemand auffällig verhält. Je nach Meldung wird der Kollege zum Gespräch mit einem Psychologen eingeladen. Piloten können ihn bei Bedarf auch freiwillig aufsuchen. Selber habe ich in meinen 34 Jahren als Lufthansa-Pilot niemanden gemeldet. Es fiel mir kein Kollege auf.

Wie wird die Zusammenarbeit von Co-Pilot und Captain geschult?
Bezüglich Aufgaben lernen sie, wer welche Kompetenzen hat während des Flugs. Das ist genau geregelt. Vor dem Flug wird bestimmt: Wer ist der «Pilot flying», der den Start, Steigflug, Sinkflug und die Landung durchführt? Und wer ist der «Pilot not flying», der für Papierarbeit, Funksprüche, und Bewirtschaften des Bordsystems zuständig ist? Wenn der eine Kapitän seine Kontrolle abgibt, sagt er dem anderen jedesmal «You have control». Und dieser bestätigt jeweils die Kontrollübernahme: «I have control.»

Wie hat sich die Ausbildung in Sachen Konfliktmanagement im Cockpit entwickelt?
Früher war es beim links sitzenden Flugkapitän so, dass sein Wort galt. Was er sagte, wurde ausgeführt. Das Problem: Wenn er falsche Anweisungen machte, widersprach ihm niemand. Das führte immer wieder zu Unfällen. Heute, mit dem sogenannten Crew Coordination Concept, ist die Kommunikationskultur offener, das hat die Sicherheit enorm verbessert. Zudem ist es mit der heutigen Steuertechnologie einfacher möglich, die Kontrolle zu wechseln.

Und wie sieht es im Notfall aus?
Die angehenden Flugkapitäne lernen in der Ausbildung, dass sie im Notfall erkennen, ob ihr Kollege noch genug Ressourcen hat oder ob er schon am Limit ist. Dies wird Crew Resource Management (CRM) genannt. Offenbar hat die Aufgabenteilung gut funktioniert in der Unglücksmaschine, der Pilot schien keinen Verdacht zu haben, dass der Co-Pilot etwas Falsches tun könnte. Sonst hätte er nicht das Cockpit verlassen.

Erstellt: 26.03.2015, 21:01 Uhr

Peter Baus war 34 Jahre lang bei Lufthansa als Flugingenieur, als Pilot – am Schluss auf Airbus – und während 8 Jahren als Sicherheitsbeauftragter tätig. Heute arbeitet der Deutsche als Ingenieur für Flugunfalluntersuchung.

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