Mandelas weisse Assistentin packt aus

Zelda la Grange, eine unbekannte burische Sekretärin, war 19 Jahre lang die engste Vertraute des berühmten Südafrikaners. In ihren Memoiren erzählt sie von dem grossen Mann – und dessen gehässiger Familie.

Zelda la Grange und Mandela 2004 in Johannesburg. Foto: Reuters

Zelda la Grange und Mandela 2004 in Johannesburg. Foto: Reuters

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In gleichermassen rührenden wie beunruhigenden Details hat Zelda la Grange, die persönliche Assistentin Nelson Mandelas, ihre 19-jährige Verbindung mit dem schwarzen Befreiungshelden beschrieben. Die Tochter eines konservativen Buren enthüllt in ihren jetzt von der südafrikanischen Zeitung «Sunday Times» in Ausschnitten vorab veröffentlichten Memoiren nicht nur die liebenswürdigen Schrullen eines 27 Jahre von der Welt abgeriegelten Mannes, der la Grange anzurufen pflegte, bevor er in seiner Residenz in den Lift stieg – aus Angst, er könnte von der Aussenwelt unbemerkt darin stecken bleiben. La Grange beschreibt auch die Feindseligkeiten der eifersüchtigen Mandela-Familie, die keine Gelegenheit ausliess, Mandelas Altersliebe, die Moçambiquerin Graça Machel, vor den Kopf zu stossen.

Schon die Erzählung der ersten Begegnung zwischen dem neu gewählten ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas und la Grange geht unter die Haut. Die 23-jährige Burin hatte im Übergangsjahr 1994 gerade als Schreiberin im Präsidentenamt angefangen, als sie auf dem Korridor fast mit ihrem Boss zusammengestossen wäre.

Der Mann, den ihr Vater als Terroristen beschimpft hatte, ergriff ihre Hand, was la Grange seltsam berührte: Schliesslich war es ausser der Hand des Präsidenten auch die eines Schwarzen – eine Sensation, mit der die Metzgertochter erst einmal umzugehen lernen musste. Sie brach in Hitzewallungen aus und wäre beinahe in Ohnmacht gefallen. «Beruhigen Sie sich doch», redete ihr Madiba, wie Mandela mit seinem Clannamen genannt wird, gut zu: «Sie müssen nicht überreagieren.»

Stütze und Schutz

Was Mandela dazu bewog, ausgerechnet die blonde Burin zu seiner engsten Vertrauten zu machen, wird für immer sein Geheimnis bleiben – sein Sinn für die symbolische Versöhnungsgeste wird wohl eine Rolle gespielt haben. La Grange wurde zur Person, die «Khulu» – dem Grossväterchen, wie sie ihn zärtlich nannte – in den folgenden Jahren von allen am nächsten war: Sie trug das Aktenköfferchen mit seinen Reden, bot dem Hüftkranken ihren Arm zur Stütze an und hielt die unzähligen Menschen auf Distanz, die ihrem Schützling unentwegt auf die Pelle zu rücken suchten.

Viele der Anekdoten, die la Grange erzählt, handeln von den Begegnungen Mandelas mit «hochstehenden Persönlichkeiten» wie der britischen Monarchin Elizabeth II., die der südafrikanische Präsident salopp mit dem blossen Vornamen «Elizabeth» anredete. Als Ehefrau Graça Machel die Angemessenheit seiner Anrede infrage stellte, erwiderte Mandela, Ihre Königliche Hoheit rede ihn ebenfalls nur mit «Nelson» an – die Herrscherin über das Vereinigte Königreich genoss offensichtlich die Vertraulichkeit mit der weltweiten Ikone.

Nicht alles, was die heute 43-Jährige zu Papier brachte, ist dermassen leicht und humorvoll. Ausführlich widmet sich la Grange dem Zugriff, den die umfangreiche Familie des dreimal Verheirateten auf den Patriarchen ausübte. Zum Opfer wurde in erster Linie Graça Machel, die dritte Ehefrau Mandelas. Um bei der Beerdigung ihres Mannes anwesend sein zu können, musste sie eigens um eine Akkreditierung ersuchen.

Ein letztes Lächeln

Als Mandela seinen Willen nicht mehr äussern konnte, sei auch sie aus seinem Umkreis regelrecht verbannt worden, berichtet la Grange. Zuletzt sah sie ihren Chef wenige Monate vor dessen Tod im Krankenhaus – der Besuch war lediglich auf die Intervention von Graça Machel zustande gekommen.

Als sie ihn mit «Hello Khulu» ansprach, habe der todkranke Patient die Augen geöffnet. Und als ihm «Zeldina», wie Mandela sie seit einem Russlandbesuch zärtlich zu nennen pflegte, gestand, wie sehr sie ihn vermisse, habe sich sein Gesicht zu dem aus früheren Zeiten so bekannten breiten Grinsen verzogen. So habe er niemand anderen mehr angelächelt, versicherte Graça Machel der weinenden Besucherin.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2014, 06:51 Uhr

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