Massimo Rocchi wegen Antisemitismus angezeigt

Der Komiker soll sich bei einem Auftritt im Schweizer Fernsehen antisemitisch geäussert haben. Wer ihn kenne, wisse, dass er nie jemanden diskriminiert habe, entgegnet er.

«Der jüdische Humor will immer etwas verdienen»: Massimo Rocchi bei seinem Auftritt im Schweizer Fernsehen.

«Der jüdische Humor will immer etwas verdienen»: Massimo Rocchi bei seinem Auftritt im Schweizer Fernsehen. Bild: SRF

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Der Kabarettist Massimo Rocchi war am 23. März 2013 zu Gast bei «Sternstunde Philosophie». Im Laufe des knapp einstündigen Gesprächs sprach er mit Moderator Juri Steiner über Humor, Sprache und das Unterbewusstsein. Nach gut 26 Minuten kam Rocchi auf den jüdischen Humor zu sprechen und sagte Dinge, für die er nun angezeigt wurde.

Der jüdische Humor sei immer auf «Zinsen» aus, sagte Rocchi. «Der Jude» wolle immer etwas verdienen, er mache auf Humor, um zu zeigen, dass er Jude und «nahe bei Gott» sei. Rocchi kontrastierte dies mit der Figur des Komikers, der letztlich ein Opfer sei und nicht gewinnen wolle.

Für den Zürcher Strafrechtler David Gibor ist der Fall klar: Mit seinen Äusserungen habe Rocchi die Strafnorm gegen Rassendiskriminierung verletzt. «Darin steckt das unausrottbare Stereotyp vom geldgierigen Juden», sagte Gibor gegenüber «20 Minuten online». Er erstattete im Auftrag eines geschädigten Juden Strafanzeige. Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet und Massimo Rocchi am Donnerstag als Beschuldigten vernommen.

«Ich bin betroffen»

In Reaktion darauf versandte Rocchi am Donnerstag gemäss «20 Minuten online» eine Presseerklärung: «Ich bin betroffen vom Rassismus-Vorwurf, der aus der SRF-Sendung 'Sternstunde Philosophie' vom 24. März abgeleitet wurde. Wer mich und meine Programme seit 1984 kennt, weiss, dass ich zu keinem Zeitpunkt Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft oder Religion herabgesetzt oder diskriminiert habe.»

Rocchi ist nicht der erste Schweizer Komiker, der sich in der letzten Zeit mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert wurde. Birgit Steinegger trat als Oprah Winfrey auf - mit schwarz bemaltem Gesicht. Und der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät wurde kürzlich wegen Italienerwitzen angezeigt. (sly)

Erstellt: 16.01.2014, 21:12 Uhr

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Rocchis Äusserung im Wortlaut

«Das ist also bei Freud sehr nah - ich entschuldige mich, aber ich sage das - an jüdischen Humor gibt es immer Zinsen, die verdienen will. Der Jude macht auf Humor, um zu zeigen, dass er Jude ist und dass er Humor hat und dass er nahe bei Gott ist. Der Komiker nicht. Der Komiker will nicht gewinnen. Der Komiker ist Opfer. Der Komiker bleibt Opfer.»

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