«Mittwoch wird ein kritischer Tag»

Ab heute Nachmittag soll es wieder regnen, teilweise heftig. Für die Pegel der Gewässer heisst das nichts Gutes, sagt Roger Perret von Meteonews.

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Vollgelaufene Keller, überflutete Strassen und Erdrutsche: In der Region Bern sind viele Gewässer über die Ufer getreten. Herr Perret, fällt noch mehr Regen?
Heute bis morgen Mittag gibt es eine Pause, es bleibt weitgehend trocken. Dann erwarten wir eine Kaltfront mit Gewittern und Niederschlag. Gerade in den westlichen Voralpen und im Berner Oberland dürfte am meisten Regen fallen, wir erwarten 20 bis 50 Liter pro Quadratmeter bis am Mittwochmorgen. Zum Niederschlag kommt noch Schmelzwasser dazu, da in den Bergen immer noch viel Schnee liegt. Die Böden sind gesättigt, weitere Erdrutsche sind möglich. Der Mittwoch wird also ein kritischer Tag.

Im Wallis hat der Regen in der Nacht auf heute den Pegel der Vièze in Monthey erneut auf einen kritischen Stand ansteigen lassen. Die Anwohner sollen sich sogar auf eine allfällige Evakuierung vorbereiten. Was ist dort in den nächsten Tagen zu erwarten?
Im Unterwallis erwarten wir ähnliche Niederschlagsmengen wie in der Region Bern. Die Pegel dürften auch dort weiter ansteigen.

Wie ist die Prognose für den Rest der Woche?
Ab Mittwochmittag erwarten wir noch einzelne Schauer, am Donnerstag und Freitag bleibt es weitgehend trocken. Dann wird sich die Lage deutlich entspannen. Am Wochenende ist wieder etwas Niederschlag zu erwarten.

Sind solche Niederschlagsmengen ungewöhnlich für diese Jahreszeit?
Nein, der Frühling ist prädestiniert für starken Niederschlag. Während im Norden noch die Winterkälte herrscht, wird es im Süden schon richtig heiss. Die Schweiz liegt zwischen April und Juni in einer Übergangszone, wo warme und kalte Luftmassen aufeinandertreffen. Das Niederschlagsmaximum fällt im Juni an.

Hätte man also das Hochwasser vorhersagen können?
Prognosen für Wasserpegel sind immer schwierig, da der Niederschlag aus grossen Einzugsgebieten kommt. Der Pegel erhöht sich zudem zeitlich verzögert zum Niederschlag. Die Vorhersagemodelle sind denn auch nicht so genau, dass aufgrund der Niederschlagsmenge der Wasserstand an einem spezifischen Ort genau berechnet werden kann. Wir können nur Mengenbereiche vorhersagen. Da spielt es natürlich eine grosse Rolle, ob innerhalb kurzer Zeit pro Quadratmeter 30 oder 50 Liter Regen fallen. Der Bund hat aber rechtzeitig reagiert und am Freitag eine Hochwasserwarnung ausgegeben.

Erstellt: 04.05.2015, 15:58 Uhr

Warme Temperaturen lassen den Schnee schmelzen

Die heftigen Regenfälle der letzten Tage haben Bäche, Flüsse und Seen vor allem im Kanton Bern anschwellen lassen. Ein weiterer Faktor, der die Hochwassergefahr beeinflusst, ist die Schneeschmelze, die bei den aktuell sehr warmen Temperaturen im Gang ist.

Unterhalb von 2500 Metern liegen nach dem eher trockenen Winter unterdurchschnittliche Schneemengen, wie Nena Griessinger vom Operationellen Schneehydrologischen Dienst (OSHD) vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF am Montag auf Anfrage sagte. Die Schneelagengrenze befindet sich aktuell zwischen 1700 bis 1900 Metern, was für diese Jahreszeit eher ungewöhnlich hoch ist.

Oberhalb von 2500 Metern liegen in den Bergen derzeit noch rund zwei bis zweieinhalb Meter Schnee. Diese Menge entspricht laut dem OSHD dem langjährigen Durchschnitt.

Die Forscher berechnen jeweils auch eine sogenannte Schmelzrate. Sie betrug am Montag laut Griessinger zwischen 20 bis 35 Millimeter, auch das ein typischer Frühlingswert. Diese Millimeterangabe bezeichnet die Höhe der Wasserschicht, die sich beim Schmelzen aus der Schneedecke bildet. Für Dienstag wird eine leicht höhere Schmelzrate erwartet.

Am Montag schmolz im Aareeinzugsgebiet vor allem Schnee im Höhenband von 1700 bis 2800 Meter über Meer.

Die Schneefallgrenze lag am Montag zwischen 2700 und 3000 Meter über Meer, wie Daniel Murer, Meteorologe von Meteoschweiz auf Anfrage sagte.

Hauptverantwortlich für die Hochwassergefahr im Kanton Bern waren die Regenfälle der vergangenen Tage. Die Schneeschmelze sei einer von vielen Faktoren, die die Hochwasserlage mit beeinflussten, wie Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung beim kantonalen Amt für Wasser und Abfall, am Montag sagte.

Ein weiterer Faktor sind auch die durchnässten Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können und noch geraume Zeit Wasser abgeben werden. (sda)

Das Gefahrenbulletin des Bundes (13 Uhr)
Der Thunersee steigt heute Montag weiter an und liegt weiterhin in der Gefahrenstufe 4, also oberhalb der Schadensgrenze. Auch die Aare zwischen Thun und dem Wohlensee bleibt heute in der Gefahrenstufe 4. Aufgrund der hohen Zuflüsse wird der Bielersee weiter steigen und die Gefahrenstufe 4, also die Schadensgrenze, erreichen.

Gefahrenstufe 3 gilt für den Neuenburgersee, den Murtensee, den Hagneckkanal, die Aare unterhalb vom Bielersee sowie den Hochrhein.

Eine mässige Hochwassergefahr besteht an der Saane, der Emme, an der kleinen Emme, der Reuss, der Limmat, der Rhone unterhalb vom Genfersee, der Birs sowie am Brienzer-, Vierwaldstätter- und Zürichsee.

Hier sehen Sie, wo Hochwassergefahr besteht: Zur Gefahrenkarte des Bundes. (Bild: Screenshot Bafu)

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