Moderatorin lässt sich von Gelehrtem nicht beleidigen

Ein sunnitischer Gelehrter beschimpft während eines Interviews eine libanesische Nachrichtensprecherin, weil sie ihn unterbrochen hatte. Die Moderatorin reagiert abgeklärt, aber resolut.

«In this studio, I run the show»: Nachrichtensprecherin Rima Karaki lässt sich vom sunnitischen Gelehrten, Al-Seba'i, nicht vorschreiben wie sie ihre Sendung zu gestalten hat. Video: MEMRITVVideos / Youtube

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Die libanesische Nachrichtensprecherin Rima Karaki interviewte für «aljadeed.tv» den sunnitischen Gelehrten Al-Seba'i. Im Interview ging es um die Rekrutierung und Konvertierung christlicher IS-Kämpfer.

Al-Seba'i – der nach London geflohen ist, da ihn ein ägyptisches Gericht zu 15 Jahren Haft wegen Beihilfe zum ägyptischen Jihad verurteilt hatte – holte in seiner Antwort weit aus und führte Beispiele aus der Geschichte an. Daraufhin unterbrach ihn Nachrichtensprecherin Karaki mit dem Hinweis, die Sendezeit wäre zu kurz für historische Exkursionen.

«Halt den Mund, damit ich sprechen kann!»

Al-Seba'i, offensichtlich entrüstet über die Tatsache von einer Frau unterbrochen zu werden, beleidigte die Moderatorin: «Halt den Mund, damit ich sprechen kann!» Die Nachrichtensprecherin reagierte daraufhin völlig abgeklärt: «Wie kann ein respektierter Scheich wie Sie einer Nachrichtensprecherin den Mund verbieten?»

Diese rhetorisch clevere Retourkutsche brüskierte den Patriarchen umso mehr: «Es ist unter meiner Würde, von Ihnen interviewt zu werden. Sie sind eine Frau, die...»

Stilles Studio

Und dann wurde es plötzlich still im Studio, denn Karaki liess sich diese öffentliche Beleidigung nicht mehr länger gefallen und stellte dem Gelehrten kurzerhand das Mikrofon ab. «Entweder gibt es hier gegenseitigen Respekt oder die Konversation ist beendet», entgegnete die Moderatorin kühl.

Der Mitschnitt des Interviews wurde im Anschluss vom Middle East Media Research Institute (MEMRI) auf Youtube veröffentlicht und verbreitete sich danach in sozialen Medien viral.

So erhielt die Moderatorin Zuspruch aus Québec, Kanada...

...aus Leeds, England...

... sowie aus Karakis Heimatland, dem Libanon.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2015, 17:00 Uhr

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