NSU-Zeugin starb eines natürlichen Todes

Eine junge Frau, die im Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg zu den NSU-Morden ausgesagt hatte, lag tot in ihrer Wohnung. Nun liegen die Obduktionsergebnisse vor.

Untersuchungsausschüsse in mehreren Bundesländern: Polizisten bewachen das Gerichtsgebäude in München, wo der Fall verhandelt wird. (6. Mai 2013)

Untersuchungsausschüsse in mehreren Bundesländern: Polizisten bewachen das Gerichtsgebäude in München, wo der Fall verhandelt wird. (6. Mai 2013) Bild: AFP

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Der plötzliche Tod einer jungen Zeugin aus dem baden-württembergischen NSU-Untersuchungsausschuss geht nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auf eine natürliche Ursache zurück. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis starb die 20-Jährige an einer Lungenembolie, teilten die Ermittler in Karlsruhe mit. Anzeichen für Fremdeinwirkung gebe es nicht. Die Frau soll die Ex-Freundin von Florian H. gewesen sein, der 2013 unter rätselhaften Umständen gestorben war und als wichtiger Zeuge für den NSU-Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter galt.

Die verstorbene 20-Jährige war Samstagabend von ihrem Lebensgefährten in ihrer Wohnung gefunden worden. Nach Angaben der Ermittler hatte sie einen Krampfanfall und konnte nicht wiederbelebt werden. Laut Staatsanwaltschaft hatte die Frau am vergangenen Dienstag bei einem Motocross-Training mit dem Motorrad ihres Lebensgefährten einen leichten Unfall. Dabei sei sie zu Fall gekommen und habe sich eine Prellung im Knie zugezogen.

Bluterguss durch Motorradunfall

Bei zwei Arztbesuchen am Dienstag und Donnerstag sei von den Ärzten eine Thromboseversorgung betrieben worden. Dennoch sei davon auszugehen, dass sich aus dem durch den Unfall verursachten Bluterguss ein Thrombus gelöst und dann die Embolie verursacht habe, teilten die Ermittler mit. «Anzeichen für eine wie auch immer geartete Fremdeinwirkung haben sich bei der Obduktion nicht ergeben», resümierten sie.

Am Tag vor dem Motorradunfall der jungen Frau hatte die Staatsanwaltschaft in Stuttgart bekannt gegeben, die Ermittlungen zum Tod von deren Ex-Freund, dem ehemaligen Neonazi Florian H., neu aufzurollen.

An der bisherigen Annahme der Ermittler, der im September 2013 in seinem Auto verbrannte Mann habe Suizid begangen, gibt es Zweifel. Diese werden unter anderem mit Ermittlungspannen begründet – die Familie des Verstorbenen hatte in dem Wrack mehrere Gegenstände gefunden, die von der Polizei scheinbar übersehen worden waren.

H. sollte am Todestag befragt werden

Der 21-jährige H. soll nach Angaben einer anderen Zeugin gewusst haben, wer die Polizisten Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet hat. Der Mord wird dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zugerechnet, der insgesamt zehn Menschen aus Ausländerhass getötet haben soll. An seinem Todestag sollte H. von der Polizei befragt werden.

Der Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg soll aufklären, welche Verbindungen und Unterstützer der NSU im Südwesten hatte und welche Fehler es bei den Ermittlungen zum Kiesewetter-Mord gegeben hat. (rar/sda)

Erstellt: 30.03.2015, 06:23 Uhr

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