Nachbarn hörten einen Knall und einen Schrei

Neue Erkenntnisse nach dem Gewaltdelikt im Basler Gundeli: Der mutmassliche Frauenmörder warf sich nach seiner Tat beim SBB-Stellwerk vor einen Zug.

Freundliches Lächeln: Im Internet zeigte sich R.S. Freunden als netter Junge von nebenan. Links das Haus, in dem er die Frau tötete.

Freundliches Lächeln: Im Internet zeigte sich R.S. Freunden als netter Junge von nebenan. Links das Haus, in dem er die Frau tötete.

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Montagmorgen, die Sonne scheint, helles Septemberlicht liegt über dem Stadtteil Gundeli. Während die Kinder in der französischsprachigen Krippe an der Gundeldingerstrasse 197 im ersten Stock spielen, sind Mitarbeiter der Kriminaltechnik Basel-Stadt in ihren weissen Schutzanzügen im fünften Stock daran, einen Tatort zu sichern. In der Wohnung des jungen, erwachsenen Schweizers R.S. wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden. Bei der Toten handelt es sich um eine 31-jährige Schweizerin, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt heute mitteilte. Sie wurde erstochen.

Was ist passiert in der Nacht auf Montag? Laut der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt kam es zu einem Gewaltverbrechen. Jemand im Haus hat einen Knall und einen Schrei vernommen und daraufhin die Polizei alarmiert, die sich mit Gewalt Zutritt zur Wohnung verschaffen musste. Nähere Angaben zur Tat oder dem Tathergang gibt es noch keine. Und das Opfer? War es eine Freundin? Eine Verwandte? Oder hat R.S. sich eine Prostituierte mit nach Hause genommen? War es vor der Tat zu einer Auseinandersetzung gekommen, die plötzlich eskalierte? Mit Sicherheit lässt sich im Moment nur sagen: Das Opfer hat nicht in der Wohnung von R.S. gelebt.

Netter und unauffälliger Nachbar

Am Tag nach der Tat zeigt sich ein Nachbar gegenüber der «Basler Zeitung» geschockt: «Ich habe nichts gehört, obwohl das Haus sehr ringhörig ist. Furchtbar, wenn so etwas Schlimmes im Haus, in dem man lebt, passiert.» Am Montagnachmittag ist die Wohnung im obersten Stock mit Polizei­siegeln versehen, die Kriminaltechnik hat ihre Arbeit beendet. Vor dem Haus treffen sich Polizisten. Einer von ihnen hat eine Papiertüte dabei und übergibt sie einem Spezialisten von der Hunde­staffel.

Sind da Kleider des Täters drin? Oder des Opfers? Wird mit einem Suchhund nach weiteren Spuren gesucht? Auch hierzu schweigt die Staatsanwaltschaft. Ein Nachbar beschreibt R.S. als einen netten, unscheinbaren jungen Mann. «Er hat immer einen freundlichen Eindruck gemacht.» R.S. habe seit knapp einem halben Jahr an der Gundeldingerstrasse gewohnt, erzählt er. Im Treppenhaus traf man ihn immer allein. Er habe ebenfalls keine Ahnung, in welchem Verhältnis Opfer und Täter standen.

Sonderkommission eingesetzt

Im Zuge der Recherche hat die «Basler Zeitung» herausgefunden, dass ein tödlicher Zwischenfall vom Montagmorgen in Basel Süd mit dem Delikt an der Gundeldingerstrasse in Zusammenhang steht. Nach sieben Uhr wurde auf dem Bahngeleis unter der Münchensteinerbrücke beim SBB-Stellwerk ein Toter gefunden. Hinweise auf eine Dritteinwirkung liegen nicht vor, weshalb die Staatsanwaltschaft von einem Suizid ausgeht. Der Mann wurde vom Zug überrollt. Es war R.S.

Untersuchungen des Instituts für Rechtsmedizin sollen nun definitiv klären, ob R.S. sich vor den Zug geworfen hat und ob es weitere Hinweise zum Tathergang gibt. Zur Klärung der Tötung hat die Staatsanwaltschaft eine Sonderkommission eingesetzt.

Erstellt: 10.09.2013, 09:15 Uhr

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