«Nichts weniger als der Tod»

Die indische Staatsanwaltschaft trug ihren Strafantrag für die fünf Männer vor, die im letzten Dezember in einem Bus eine junge Frau brutal vergewaltigten.

Viele Inder fordern den Tod: Protestierender in Delhi. (11. September 2013)

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Die Vergewaltiger einer jungen Studentin in Neu Delhi sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft mit dem Tod bestraft werden. «Die angemessene Strafe ist nichts weniger als der Tod», sagte Sonderstaatsanwalt Dayan Krishnan am Mittwoch dem Gericht, das nach dem Schuldspruch der vier Angeklagten wegen Mordes nun über das Strafmass entscheiden muss. Richter Yogesh Khanna will die Strafe heute verkünden.

Es gebe «kein Element von Sympathie» angesichts der Art und Weise, wie die hilflose Frau gefoltert wurde, sagte der Staatsanwalt. Das Sondergericht in Neu Delhi müsse die Höchststrafe verhängen, weil andernfalls die indische Gesellschaft die Botschaft erhalte, dass derlei Verbrechen toleriert würden. Die «teuflische Tat» habe «das kollektive Gewissen» schockiert, sagte Krishnan. Zur Untermauerung seines Plädoyers erinnerte er an die Hinrichtung eines Mörders und Vergewaltigers im Jahr 2004.

Mutter flehte um Gerechtigkeit

Die in einen grünen Sari gekleidete Mutter des Opfers, die das Plädoyer am Mittwoch aufmerksam verfolgte, flehte das Gericht um «Gerechtigkeit für unsere Tochter» an. «Das war kein Versehen, sie haben das geplant und sie erbarmungslos getötet.» Der Vater der jungen Frau hatte jüngst bereits gesagt, «alles andere als die Todesstrafe wäre ungerecht».

Die 23-jährige Studentin war zusammen mit ihrem Freund im Dezember in einen Bus gelockt worden. Dort wurde sie von insgesamt sechs Männern so schwer vergewaltigt und misshandelt, dass sie später an ihren Verletzungen starb. Ihren Freund schlugen die Täter zusammen, vor seinen Augen folterten sie die junge Frau mit einer Eisenstange. Nach der brutalen Tat warfen die Männer das verletzte und blutende Paar auf die Strasse und fuhren davon.

17-Jähriger befindet sich in Besserungsanstalt

Ein zur Tatzeit noch 17-Jähriger war Ende August zu drei Jahren Jugendhaft verurteilt worden, er soll die Zeit in einer Besserungsanstalt verbringen. Der mutmassliche Anführer der Täter wurde im März erhängt in seiner Zelle aufgefunden, die Hintergründe sind noch unklar.

Die anderen vier Männer wurden vor dem Sondergericht in Neu Delhi angeklagt. Am Dienstag wurden sie unter anderem der gemeinschaftlichen Vergewaltigung, des Mordes und der Vernichtung von Beweisen schuldig gesprochen. Die Forderung des Staatsanwalts nach der Todesstrafe verfolgten sie am Mittwoch ohne grosse Regungen.

Die Anwälte der Angeklagten sprachen vor Gericht von politischem Druck, die Todesstrafe zu verhängen. Zudem verwiesen sie auf das teils junge Alter der Männer zur Tatzeit - sie waren damals zwischen 19 und 29 Jahren alt. Einer der Anwälte forderte lebenslange Haft für seinen Mandanten. Dies sei die Regel und die Todesstrafe sei die Ausnahme. Die Anwälte von drei der vier Angeklagten hatten am Dienstag bereits Berufung gegen den Schuldspruch angekündigt.

Ganz Indien war nach der Tat von einer Welle der Scham und der Empörung ergriffen worden. Die Regierung verschärfte die Strafen für Vergewaltiger und führte die Todesstrafe für tödliche Vergewaltigungen ein. Eine Debatte über den Umgang mit Frauen in Indien bahnte sich ihren Weg.

(mrs/AFP)

Erstellt: 11.09.2013, 14:28 Uhr

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