Bern

«Nur die Kinder können noch vergeben»

Am Samstag versammelten sich auf dem Bundesplatz einige hundert Personen zu einer Solidaritäts-Kundgebung mit Palästina. Viele Besucher waren der Meinung, Israel habe sich schon zu viel geleistet.

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«Die Massaker, welche in den letzten Wochen über 1400 Opfer unter der belagerten Zivilbevölkerung von Gaza gefordert haben, müssen sofort aufhören», fordern die Organisatoren der Solidaritäts-Kundgebung für Palästina auf ihrem Flyer. Am Samstagnachmittag um 15 Uhr haben sich zu diesem Anlass mehrere hundert Personen auf dem Berner Bundesplatz versammelt. Die Stimmung ist angespannt, die Botschaft klar: Dem Krieg im Gaza-Streifen muss ein Ende bereitet werden. Mit einer Schweigeminute gedenken die Anwesenden den getöteten Kindern.

Das Publikum setzt sich nicht nur aus in der Schweiz lebenden Palästinensern zusammen. Der Krieg, der schon so vielen Zivilisten das Leben gekostet hat, empört schon länger auch vom Konflikt nicht direkt Betroffene. So auch Martine Verwey. Die Schweiz-Holländerin sieht in der Kundgebung ihre einzige Möglichkeit, ihrem Unmut über den Krieg Luft zu verschaffen.

Vergleich des Gaza-Konflikts mit Tibet

Sie lese viel darüber, wie beispielsweise die Augenzeugenberichte von Pierre Krähenbühl , dem UNO-Generalkommissar des Hilfswerks der Vereinten Nationen (UNRWA). Was im Nahen Osten momentan geschehe, sei schlicht unrecht. Israel versuche ihrer Meinung nach einen Genozid. «Mittlerweile vergleiche ich die Situation in Gaza mit dem Konflikt in Tibet», konkretisiert Verwey. Die gebürtige Holländerin geht sogar so weit, dass sie Freundschaften aufgrund von entgegenlaufenden Meinungen abgebrochen hat.

Völkerrecht verletzt

Auch für Peter Leuenberger, Mitorganisator der Kundgebung und Mitglied der Gesellschaft Schweiz – Palästina (GSP), hat Israel das Fass nun zum Überlaufen gebracht. «Die Angriffe haben sich in letzter Zeit ungeheuer verschärft», meint Leuenberger. Israel nehme bewusst in Kauf, die Zivilbevölkerung zu schädigen, wenn Schulen und Krankenhäuser unter Beschuss genommen werden. Das stellt für ihn «eine Verletzung des Völkerrechts» dar.

Das Völkerrecht diene dazu, die Zivilbevölkerung im Kriegsfall zu schützen, diese Aufgabe werde in Gaza komplett verfehlt, meint Leuenberger. Zu lange hätten die Mitglieder der Vereinten Nationen geschwiegen. Deshalb sei die Schweiz als Mitglied und Solidarstaat verpflichtet, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

Kaum Chancen auf Versöhnung

Eine Gegenstimme, ein kritisches Votum gegenüber der Hamas, sucht man an dieser Kundgebung vergebens. Verständlich, meint Mäder Safa, eine freiwillige Rednerin am heutigen Tag. Israel habe in dem über 60 Jahre andauernden Konflikt alles versucht, um den Frieden zu verhindern. So auch nach dem Friedensprozess in Oslo, der im Jahr 2000 offiziell als gescheitert erklärt wurde, insistiert Safa. Sie sieht die Hamas nicht als Unruhestifter: «Wäre die Hamas nicht da, würde Israel einen anderen Grund finden, um Krieg zu führen.»

Ob bei dem Konflikt jemals eine Chance auf Versöhnung besteht, ist nur schwer vorzustellen. Dem pflichtet die Palästinenserin bei. Der Krieg zwischen Israel und Palästina dauere schon zu lange. Weiterleben und vergessen sei kaum möglich und mit jedem weiteren Kriegstag verhärten sich die Fronten weiter. «Nur die Kinder können noch vergeben», ist Safa überzeugt. Wenn die Leidtragenden von heute es schaffen, irgendwann über das Geschehene wegzusehen, dann sei ein Frieden zwischen Israel und Palästina möglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.08.2014, 22:57 Uhr

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