Offenbar zeigten sich am Vortag schon Risse in den Wänden

Mindestens 149 Menschen wurden getötet und Hunderte verletzt, als in der Nähe von Dhaka ein achtstöckiges Haus in sich zusammenstürzte. Offenbar waren vor einigen Tagen Risse im Gebäude entdeckt worden.

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149 Menschen sind in Bangladesh beim Einsturz eines achtstöckigen Gebäudes mit Läden und Textilfabriken in den Tod gerissen worden. Mehr als 1000 wurden verletzt. Viele Stunden nach dem Unglück lagen noch zahlreiche Menschen unter dem Schutt begraben. Rettungskräfte von Armee und Feuerwehr suchten mit Baggern und Betonschneidern nach Verletzten. Anwohner gruben mit blossen Händen in dem gewaltigen Trümmerberg.

In dem Haus befanden sich im Erdgeschoss und in der ersten Etage viele Geschäfte und eine Bankfiliale. Im zweiten bis sechsten Stock nähten Textilarbeiter, wie Rettungskräfte berichteten.

Die meisten der Toten sind nach offiziellen Angaben Frauen, die in den vier Fabriken arbeiteten. Bilder zeigten, dass das Betongebäude im Gebiet Savar, etwa 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka, im hinteren Teil fast ganz in sich zusammengefallen war.

Zum Weiterarbeiten gezwungen

Überlebende berichteten, dass das Haus «Rana Plaza» bereits am Dienstag Risse zeigte und sie deswegen nicht mehr darin arbeiten wollten. «Aber die Manager der Fabrik zwangen uns», sagte die 29 Jahre alte Textilarbeiterin Aklima Begum nach dem Unglück.

Der Direktor der Polizeieinheit für Industrie, Mustafizur Rahman, beschuldigte die Fabrikbesitzer, sie hätten Warnungen der Polizei nicht beachtet. «Sie haben nicht auf uns gehört.» Innenminister Muhiuddin Khan Alamgir sagte Medien, das Gebäude könnte wegen fehlerhafter Bauweise eingestürzt sein.

Unterdessen wurde bekannt, dass das Gebäude nur für fünf Stockwerke genehmigt war. Ein Beamter der Baubehörde, Abdul Halim, sagte, der Besitzer habe illegal drei weitere Stockwerke errichten lassen.

Rufe aus dem Schutt

Laut Ali Ahmed, dem Chef der Abteilung für Feuerwehr und Zivilschutz, könnten zur Hauptgeschäftszeit etwa 1000 Menschen in dem Gebäude gewesen sein. Genaue Zahlen gab es zunächst.

Das Militär wurde zu Hilfe gerufen. Auch zahlreiche Freiwillige kamen und versuchten, durch den Schutt zu den Verletzten vorzudringen. Die Zeitung «Daily Star» berichtete online, aus den Trümmern drängen Rufe nach Wasser. Andere Verschüttete würden zu Allah beten oder religiöse Gesänge anstimmen.

Die Landesregierung erklärte den Donnerstag zum offiziellen Trauertag. Auf Regierungsgebäuden und vielen Privathäusern würden schwarze Flaggen gehisst, um der Opfer zu gedenken, sagte ein Sprecher in Dhaka.

Kein Einzelfall

Baumängel und fehlende Sicherheitsmassnahmen führen immer wieder zu Unglücken in Bangladesh: Im Jahr 2005 starben 64 Menschen gar unweit vom Unfallort, als ihre Textilfabrik in sich zusammenstürzte. Erst im November waren 112 Arbeiter in einem Fabrikfeuer ums Leben gekommen – auch weil die Notausgänge laut Augenzeugen abgeschlossen gewesen sein sollen.

Kleidung ist Bangladeschs Hauptexportgut; 79 Prozent der Ausfuhren sind Textilien, die vor allem nach Europa und in die USA geliefert werden. (fko/bru/chk/AFP/sda/AP)

Erstellt: 24.04.2013, 10:10 Uhr

Tote und Verletzte nach Fabrikeinsturz in Bangladesch. (Video: Reuters )

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