Parlamentarier reissen sich um Legalisierung des Kitesurfens

Die Wassersportart mit Drachensegel und Brett ist hierzulande grundsätzlich verboten. Nun wird Kitesurfen olympisch – und zum parteiübergreifenden Politikum.

Die Trendsportart reitet auf einer Erfolgswelle: Das generelle Kitesurf-Verbot soll in der Schweiz bald aufgehoben werden.

Die Trendsportart reitet auf einer Erfolgswelle: Das generelle Kitesurf-Verbot soll in der Schweiz bald aufgehoben werden. Bild: Keystone

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Das war Lobbying erster Güte: Nicht weniger als sieben gleichlautende Motionen haben National- und Ständerate jeglicher Couleur letzte Woche eingereicht, um die Aufhebung des Verbots für Kitesurfer auf Schweizer Seen zu erwirken. Von Bastien Girod (Grüne, ZH) über Bernhard Guhl (BDP, AG) und Natalie Rickli (SVP, ZH) bis hin zum gestandenen 67-jährigen Obwaldner Ständerat Hans Hess (FDP): Sie alle setzen sich für die trendige Sportart ein, bei welcher sich die Surfer mithilfe eines Lenkdrachens über das Wasser ziehen lassen.

Ein guter Freund sei leidenschaftlicher Kitesurfer und habe ihn auf das Verbot aufmerksam gemacht, erklärt Hans Hess die Beweggründe für seine Motion. Auch wenn die Sportart für seinen Jahrgang eher ungeeignet sei, leuchte es ihm nicht ein, dass sie anders behandelt werde als klassisches Windsurfen. Der Bundesrat hatte das Verbot einst aus Sicherheitsgründen in die Schifffahrtsverordnung aufgenommen, als Kitesurfen noch in den Kinderschuhen steckte.

Drachen im Bundeshaus

Entscheidend für den Aktivismus im Parlament dürfte allerdings die Offensive der Interessenorganisationen Swiss Sailing und Pro Kitesurfen Schweiz gewesen sein. Sie machten sich in der vergangenen Session mit einem Drachen als Demonstrationsobjekt und attraktiven Videoaufnahmen im Gepäck auf ins Bundeshaus und überzeugten die Parlamentarier vor Ort.

Der Zeitpunkt war günstig gewählt: Erst im letzten Monat hatte die International Sailing Federation entschieden, dass Kitesurfen ab den Olympischen Sommerspielen 2016 Windsurfen als Disziplin ablösen wird.

«Viel sicherer geworden»

Dies war jedoch nicht das einzige Argument, wie Dominique Krähenbühl von Swiss Sailing erklärt. Zentral für die gewonnene breite Allianz sei, dass das Kitesurfen dank der Weiterentwicklung des Materials in den letzten Jahren viel sicherer geworden sei. Die Kitesurfer könnten die Drachen heutzutage auf Knopfdruck in Sekundenbruchteilen von den Leinen lösen, so Krähenbühl. Von den gespannten Leinen gehe so kaum mehr eine Gefahr aus.

Doch weshalb die Vervielfachung ein und desselben Vorstosses? Damit wolle man zeigen, wie gut abgestützt das Anliegen sei, und den Druck erhöhen, erklären mehrere Motionäre unisono. Nicht unwesentlich dürfte aber auch die publikumswirksame Thematik der Motion gewesen sein.

Bundesrat winkt ab

Den Kitesurfern ist dies einerlei. Sie freuen sich auf die neuen Freiheiten. Heute gebe es auf Schweizer Seen nur etwa ein Dutzend vom Verbot ausgenommene und zugängliche Gebiete, wo sie ihrer Leidenschaft frönen könnten, sagt Mario Kaufmann von Pro Kitesurfen Schweiz. Auf vielen Gewässern, zum Beispiel auf dem Zürichsee, sei der Sport ganz verboten. Deshalb müssten die Kitesurfer lange Anfahrtswege in Kauf nehmen und ins Ausland ausweichen, was für die naturverbundene Gemeinschaft höchst unbefriedigend sei.

Beim Bundesrat fanden die Kitesurfer bislang kein Gehör. Vor zwei Wochen erklärte die zuständige Umwelt- und Verkehrsministerin Doris Leuthard in der Fragestunde des Nationalrats, sie sei nicht bereit, das Verbot aufzuheben. Das «meist hohe Verkehrsaufkommen auf den Gewässern» lasse dies nicht zu, so Leuthard.

Kitesurfer auf politischer Erfolgswelle

Widerstand gegen eine Lockerung des Verbots kommt auch vonseiten der Kursschifffahrt. Die Kitesurfer gefährdeten die Sicherheit, sagt Konrad Eberle, Präsident des Verbands Schweizerischer Schifffahrtsunternehmen. Ihr Fahrverhalten sei für andere kaum berechenbar.

Angesichts der gemachten Meinungen im Parlament kommen diese Einwände wohl zu spät. Zumindest in der Politik haben die Kitesurfer die Kursschiffe bereits überholt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.06.2012, 07:56 Uhr

Extrem-Kitesurfen



Video: Youtube

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