Pfadfinder haben Brennsprit selber gekauft

Die Polizei entlastet die Leiter des Pfadilagers in Oberbüren SG. Nach ihren Erkenntnissen stellten die Pfadfinder selbständig eine Finnenkerze her. Der Zustand der Kinder hat sich noch nicht gebessert.

Laut Polizei ist noch unklar, wieso die Flüssigkeit auf die Kinder spritzte: Pfadfinder vor ihren Zelten im Kantonalen Pfadfinderlager St.Gallen und Appenzell (20. Juli 2012)

Laut Polizei ist noch unklar, wieso die Flüssigkeit auf die Kinder spritzte: Pfadfinder vor ihren Zelten im Kantonalen Pfadfinderlager St.Gallen und Appenzell (20. Juli 2012)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf eigene Initiative und ohne Wissen der Lagerleitung haben die Pfadfinder den Brennsprit gekauft, der zum Unfall mit zwei schwer verletzten 11-Jährigen in Oberbüren SG führte. Dies gab die St. Galler Polizei bekannt. Die Pfadfindergruppe mit Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren befand sich auf einer unbegleiteten Wanderung, als es am Montagabend zum Unfall kam.

Gleich nach Abmarsch hätten sich die Jungpfadfinder den Sprit – sowie Zündwürfel und Lebensmittel – besorgt, schrieb die Polizei als erste Erkenntnis ihrer Untersuchungen. Mit dem Brennsprit stellten die Pfadfinder beim Lagerplatz für die Nacht laut Polizei eine Finnenkerze her. Daraus spritzte brennender Sprit auf drei Kinder – zwei von ihnen verbrannten sich schwer. Warum die brennbare Flüssigkeit weg spritzte, sei noch nicht geklärt, schreibt die Polizei weiter. Das werde nun genauer abgeklärt. Vor Abschluss der Untersuchungen entlastet die Polizei jedoch bereits die leitenden Pfadfinder: Für ein strafrechtlich relevantes Verschulden lägen keine Anhaltspunkte vor.

Kinder in kritischem Zustand

Die zwei schwer verletzten 11-jährigen Knaben befinden sich weiterhin in kritischem, aber stabilem Zustand, sagte Lager-Mediensprecher Markus Egger auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Weitere Auskünfte geben Polizei und Pfadi zum Schutz der Privatsphäre der Kinder nicht.

Der Unfall geschah im Kantonallager St. Gallen und Appenzell mit 1600 Kindern und Jugendlichen. Derzeit befinden sich Tausende Pfadi in Lagern oder werden noch welche besuchen, denn Sommerzeit ist die Hauptzeit für Pfadilager. Die Pfadibewegung Schweiz habe die weiteren Abteilungen über den Vorfall informiert, sagte Geschäftsleiter Rolf Birchler.

Dabei habe man auch klar gemacht, dass beim Feuermachen kein Brennsprit eingesetzt werden sollte. «Sicherheit ist eines unserer wichtigsten Anliegen», sagte Birchler, «deshalb lernen Pfadfinder, Feuer ohne Brennsprit zu machen».

Pfadi wartet Bericht ab

Neue Sicherheitsbestimmungen erliess die Pfadibewegung nach dem Unfall nicht. Die rund 8500 Pfadileiter seien gut ausgebildet, müssten sich ständig weiterbilden und würden gut betreut, sagte Birchler. Die Pfadibewegung vertraue ihnen deshalb. «Hätten wir kein Vertrauen in unsere Leiter, könnten wir keine Aktivitäten durchführen.»

Dennoch lasse sich ein Unfall nie zu 100 Prozent ausschliessen. Die Pfadibewegung sei zutiefst bestürzt und in Gedanken bei den Kindern, Angehörigen und den weiteren Lagerteilnehmern, sagte Birchler. Nun erwarte die Pfadi den Untersuchungsbericht der Staatsanwaltschaft zum Unfall. Danach werde geprüft, ob sich Änderungen aufdrängten. (mw/sda)

Erstellt: 25.07.2012, 18:46 Uhr

Artikel zum Thema

Pfadi-Brandopfer nach Zürich verlegt

News Der Zustand der beiden 11-jährigen Buben, die sich in der Pfadi schwere Brandverletzungen zugezogen haben, hat sich stabilisiert. Ihre Genesung wird aber noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Mehr...

«Wir sind seit Jahren am Thema Sicherheit dran»

Bei einem Unfall im Pfadilager verletzten sich zwei 11-Jährige schwer. Es ist nicht der erste schwere Lagerunfall. Muss die Pfadi die Ausbildung für ihre Leiter überdenken? Der Verantwortliche David Kieffer nimmt Stellung. Mehr...

«Sie haben die Verletzten sofort im Bach gekühlt»

News Im Pfadi-Kantonallager St. Gallen/Appenzell ist es in der Nacht zu einem folgenschweren Brandunfall gekommen: Zwei 11-jährige Knaben wurden schwer verletzt. Der Zustand der beiden sei aber stabil. Mehr...

Blogs

Geldblog Prüfen Sie nach der Scheidung die Vorsorge!

Mamablog Der wahre Held meiner Geschichten

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...