Pilot könnte Vorschriften bei Nebel verletzt haben

Ein Helikopter verunglückte im französischen Jura. Fünf Schweizer starben. Zuvor hatte der Pilot eine Lücke in der Wolkendecke gesucht.

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Im Herbst sind die Wetterverhältnisse für Helikopterpiloten oft gefährlich, wie Bruno Bagnoud, Chef von Air-Glaciers, am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch wenn beim Start schönes Wetter herrsche, seien die Landeplätze oft in Nebel gehüllt.

Als er am Donnerstag vom Absturz eines in Lausanne gestarteten Helikopters in Bart (F) mit fünf Todesopfern erfuhr, dachte Bruno Bagnoud sofort ans Wetter. «Das Problem kommt jeden Herbst auf», sagte der Chef von Air-Glaciers, der auf fünfzig Jahre Berufserfahrung zählt. Air-Glaciers mit Sitz in der Walliser Kantonshauptstadt Sitten ist eines der grössten Helikopterunternehmen der Schweiz.

Ein Helikopter könne man entweder auf Sicht oder nach Instrumenten fliegen. Wenn der Pilot auf Sicht fliege, müsse er jederzeit den Boden sehen, sagte Bagnoud. Während des Starts könne das Wetter ausgezeichnet sein. Im Gegenzug könnten Piloten beim Landeplatz völlig andere Wetterverhältnisse antreffen. Derzeit sei es beispielsweise im Wallis strahlend schön, aber wenn man in anderen Schweizer Regionen landen wolle, treffe man häufig eine Nebelbank an.

Bei Nebel umkehren

In diesem Fall gelte eine klare Vorschrift: Wenn der Pilot den Boden nicht sehen kann, muss er umkehren, wie der Gründer von Air-Glaciers festhielt. Es könne sehr gefährlich sein, ein Loch in der Nebeldecke zu suchen. Bagnoud zeigte sich zurückhaltend angesichts der Erfahrung des beim Unfall verstorbenen Piloten, der 500 Flugstunden absolviert hatte. «Das ist sehr schwierig zu deuten.» Bei Air-Glaciers müsse man mindestens 2000 Flugstunden absolviert haben, um angestellt zu werden.

Der Pilot des verunglückten Helikopters hatte am Donnerstag um 9.29 Uhr dem Kontrollturm des Flughafens Montbéliard angegeben, das er auf eine Öffnung der Wolkendecke warte, bevor er lande. Eine Minute später ging das Notsignal des Helikopters ein. Nach Angaben des zuständigen französischen Staatsanwalts war es zum Zeitpunkt des Unglücks neblig. Der Absturzort liegt nur wenige hundert Meter neben dem Flugplatz.

Unfallstelle gesichert

Die offizielle Unfallursache ist nach wie vor unbekannt. Die Untersuchung sei in Gang, hiess es bei der Präfektur des Départements Doubs. die Unfallstelle sei gesichert worden. Bei den Ermittlungen sind die französischen Behörden federführend.

Die Schweiz wird als Partnerbehörde miteinbezogen. Man stehe bereits telefonisch in Kontakt mit der französischen BEA (Bureau d'Enquêtes et d'Analyses pour la sécurité de l'Aviation civile), sagte Michael Flückiger, Leiter der Aviatik bei der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (SUST).

Überlebende ausser Lebensgefahr

Einen Tag nach dem Absturz befanden sich die beiden schwer verletzten Schweizer nicht mehr in Lebensgefahr. Sie werden in den Universitätsspitälern in Besançon (F) und Basel behandelt. Der nach Basel gebrachte Verletzte befinde sich ausser Lebensgefahr, sagte am Freitag Frédéric Burnand, Mediensprecher des Baumeisterverbands, auf Anfrage. Auch der in Besançon behandelte Patient sei ausser Lebensgefahr, wie die Präfektur des französischen Départements Doubs bestätigte.

Die Helikopter-Passagiere wollten auf Einladung eines Wirtschaftsverbandes aus der Region Doubs die Peugeot-Werke in Sochaux besuchen. Beim Unfall verloren drei Mitglieder des Vorstands des Baumeisterverbands, eine Assistentin und der Pilot der Maschine das Leben. Der Direktor des Baumeisterverbands und ein Vorstandsmitglied wurden schwer verletzt und schwebten zunächst in Lebensgefahr.

Beim Verband waren am Freitag viele Mitarbeitende «schockiert», wie Burnand sagte. Für die Angestellten wurde psychologische Unterstützung aufgeboten. Am Verbandssitz in Tolochenaz VD wurde zudem ein Kondolenzbuch aufgelegt. Bis am Nachmittag trugen sich bereits mehrere Personen ein.

«Wir müssen weiterfliegen»

Auch das Unternehmen Heli-Lausanne, das den Eurocopter EC 130 an die Gruppe vermietet hatte, zeigte sich tief betroffen. Der Flugbetrieb wurde wieder aufgenommen, allerdings mit gemischten Gefühlen.

«Wir müssen weiterfliegen», wie der Chef von Heli-Lausanne, Patrick de Preux, der Nachrichtenagentur sda sagte. Man habe Aufträge zu erfüllen und Kurse zu geben. Der Unfall von Bart (F) sei das Schlimmste, was einer Helikopter-Firma passieren könne, sagte de Preux. Er zeigte sich bereit, Fragen der Ermittler zu beantworten und Dokumente zum Helikopter zu liefern. «Diese Maschinen werden sehr gut unterhalten», betonte er. (rub/sda)

Erstellt: 03.10.2014, 21:27 Uhr

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