Piloten-Suizid ist ein Tabu-Thema

Was, wenn Flug MH 370 durch einen Suizid des Piloten abgestürzt wäre? Solche Fälle hat es in der Geschichte der Luftfahrt gegeben – davon zu sprechen war praktisch unmöglich.

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Seit über einer Woche wird nach der verschollenen Maschine der Malaysian Airlines mit 239 Menschen an Bord gesucht. Eine Entführung erscheint immer wahrscheinlicher. Eine andere Möglichkeit wäre - selbst wenn sie noch so unwahrscheinlich anmutet - der Selbstmord eines der beiden Piloten, die den Jet lenkten.

Solche Fälle der Selbsttötung hat es in der Geschichte der modernen Luftfahrt bereits gegeben, wenn auch selten. Doch Ermittler und Regierungsvertreter scheuten davor zurück, von einem Selbstmord zu sprechen. Dies kam einem Tabu gleich - auch wenn noch so offensichtlich war, dass ein Pilot willentlich eine Maschine abstürzen liess und damit auch andere Menschen in den Tod riss.

Motiv sei «nicht feststellbar»

So tauchte in einem Abschlussbericht der US-Ermittlungsbehörden zum Absturz einer Maschine der EgyptAir 1999 vor der Küste von Massachusetts kein einziges Mal das Wort «Selbstmord» auf - obwohl die Transportsicherheitsbehörde zum Schluss gekommen war, dass das Vorgehen des Co-Piloten den Absturz von Flug 990 und damit den Tod aller 217 Menschen an Bord verursacht hatte. Vielmehr schrieben die Ermittler, das Motiv für sein Handeln sei «nicht feststellbar» gewesen.

Im selben Bericht heisst es, Co-Pilot Gamil Al-Batuti habe den Autopiloten ausgeschaltet, als er sich allein im Cockpit befand. Dann habe er die Maschine bodenwärts gedreht und elfmal die Worte «Ich verlasse mich auf Gott» gesprochen. Die ägyptischen Behörden schlossen die Vorstellung eines Selbstmords sogar rundweg aus und bestanden darauf, dass ein technischer Defekt das Unglück verursacht habe.

Keine schlüssigen Erkenntnisse

Der Aufprall einer Maschine der SilkAir, einer Tochter von Singapore Airlines, stellte die Behörden vor ein ähnliches Dilemma im Umgang mit der Wahrheit. US-Ermittler fanden heraus, dass die Boeing 737 auf ihrem Flug von Jakarta nach Singapur 1997 absichtlich zum Absturz gebracht wurde und in einen Fluss stürzte - alle 104 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben. Die Untersuchung der indonesischen Behörden kam derweil zu keiner schlüssigen Erkenntnis.

In Mosambik schliesslich starben im vergangenen November beim Absturz einer Maschine der Mozambique Airlines 33 Menschen. Die vorläufigen Ermittlungen deuten ebenfalls auf eine gewollte Aktion des Piloten hin. Derzeit wird nach möglichen Motiven für diesen Selbstmord gesucht.

Piloten-Selbstmorde seien selten

Eine 2014 von der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass zumindest in den USA das Flugzeug ein sicheres Transportmittel bleibt und Selbstmorde von Piloten selten vorkommen. Untersucht wurden dafür 2758 Flugzeugabstürze, die sich zwischen 2002 und 2012 ereignet hatten. Lediglich acht davon, oder 0,3 Prozent, gingen auf Selbstmord zurück.

Die Studie fand weiter heraus, dass alle acht Selbstmörder Männer waren, vier davon wurden positiv auf Alkohol getestet und zwei auf Antidepressiva. Ihre Motive waren höchst unterschiedlich: Einer der Piloten brachte sich um, weil eine Frau keine Beziehung mit ihm wollte. Ein 69-Jähriger hatte Probleme mit Alkohol und öfter damit gedroht, sich mit einem Flugzeug umzubringen. In sieben der Fälle starb lediglich der Pilot, in einem achten auch ein Passagier.

«Selbstmorde mit Flugzeugen sind tragische, geplante Ereignisse, die kaum vorhersehbar sind und die man schwer vermeiden kann», hiess es in dem Report der Luftfahrtbehörde. Die FAA schrieb aber auch, Selbstmorde würden «höchstwahrscheinlich» nicht immer gemeldet und unterschätzt. (abr/sda)

Erstellt: 17.03.2014, 15:49 Uhr

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