Piusbrüder schliessen Holocaust-Leugner Williamson aus

Richard Williamson bestritt die Existenz von Gaskammern in Nazi-Deutschland. Nun ist der britische Piusbruder aus seiner Gemeinschaft ausgeschlossen worden.

Aus der traditionalistischen Bruderschaft ausgeschlossen: Richard Williamson während eines umstrittenen Fernsehinterviews.(November 2008)

Aus der traditionalistischen Bruderschaft ausgeschlossen: Richard Williamson während eines umstrittenen Fernsehinterviews.(November 2008) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Drei Jahre nach der Holocaust-Leugnung durch Bischof Richard Williamson hat die traditionalistische Piusbruderschaft den Briten aus ihrer Gemeinschaft geworfen. Der Bischof habe sich «seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt», teilte das Generalhaus der Traditionalisten am Mittwoch im schweizerischen Menzingen mit. Williamson habe sich ferner geweigert, «den Respekt und den Gehorsam zu bezeigen, den er seinen rechtmässigen Oberen schuldet».

Anfang Oktober hatten der Generalobere der Piusbrüder, Bernard Fellay, und sein Rat dem Briten den Angaben zufolge eine letzte Frist eingeräumt, sich unterzuordnen. Williamson lenkte jedoch nicht ein – im Gegenteil: Nach Ablauf dieser Frist habe er einen «offenen Brief» angekündigt, in dem er den Generaloberen auffordern werde, zurückzutreten, schilderte die Piusbruderschaft.

Piusbruderschaft vor der Spaltung?

Das führte nun zum Schlussstrich unter die monatelangen Auseinandersetzungen zwischen Williamson und dem Generalhaus. «Diese schmerzhafte Entscheidung ist notwendig geworden aus Sorge um das Gemeinwohl der Bruderschaft St. Pius X. und einer guten Leitung derselben», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte die Nachricht auf Anfrage zunächst nicht kommentieren.

Der Ausschluss Williamsons nährt nun Spekulationen über eine mögliche Spaltung der Piusbruderschaft. Der Bischof ist ein scharfer Kritiker einer Annäherung zwischen dem Vatikan und den Traditionalisten.

Williamson hatte im November 2008 im oberpfälzischen Zaitzkofen im Interview mit einem schwedischen Fernsehteam die Existenz von Gaskammern zur NS-Zeit bestritten. Auch seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200'000 bis 300'000 von den Nazis ermordet worden.

Das Interview wurde erst im Januar 2009 im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Traditionalistenbischöfe bekannt, löste einen Sturm der Entrüstung aus und setzte Benedikt XVI. unter grossen Druck. Die Piusbruderschaft ging umgehend auf Abstand zu Williamson und enthob ihn seiner Ämter. (mw/dapd)

Erstellt: 24.10.2012, 11:15 Uhr

Artikel zum Thema

Holocaust-Leugner drohen fünf Jahre Haft

Der umstrittene Bischof Richard Williamson muss sich im April in Regensburg wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten – weil er eine Geldstrafe von 12'000 Euro nicht bezahlen will. Mehr...

Bischof Williamson: Es kommt zum Prozess

Holocaust-Leugner Williamson legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein, der wegen Volksverhetzung gegen ihn erlassenen wurde. Damit ist eine Hauptverhandlung zwingend. Mehr...

Deutsches Gericht büsst Holocaust-Leugner Williamson

Der umstrittene Bischof Richard Williams will eine Verurteilung wegen Volksverhetzung nicht akzeptieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Blogs

Geldblog Corona vermiest Firmen das Geschäft

Sweet Home Grosses Theater zu Hause

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...