Polizei stellt Enkeltrick-Bande

Sie brachten fast 100 ältere Leute dazu, ihre Wertsachen herzugeben. Nun konnten deutsche Ermittler die Betrügerbande zerschlagen. Das Wirkungsfeld reichte bis in die Schweiz.

Das Vorgehen der Betrüger folgt einem bestimmten Muster: Betroffene Seniorin eines Enkeltrick-Betrugs. (Archivbild: Sophie Stieger)

Das Vorgehen der Betrüger folgt einem bestimmten Muster: Betroffene Seniorin eines Enkeltrick-Betrugs. (Archivbild: Sophie Stieger)

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Sie soll mit dem sogenannten «Enkeltrick» bei fast 100 Senioren in Deutschland, Polen, Luxemburg und der Schweiz rund 1,5 Millionen Euro ergaunert haben. Nach umfangreichen Ermittlungen hat die Polizei die international agierende Bande nun dingfest gemacht.

Die Gauner sollen die Masche, mit der ältere Menschen betrogen werden, nach Angaben der Fahnder vor Jahren erfunden haben. «Das Besondere ist, dass es uns gelungen ist, eine organisierte Bande zu zerschlagen und an die Hintermänner herangekommen zu sein», sagte Oberstaatsanwalt Arnold Keller heute in Hamburg. Die Hintermänner der Bande agierten von Polen aus.

Als Verwandte ausgegeben

Bei dem Betrug wird älteren Menschen am Telefon vorgegaukelt, dass der Anrufer ein Verwandter sei und sich in einer Notlage befinde. Unter einem Vorwand werden die Senioren dann dazu gebracht, Geld und Wertsachen herauszugeben.

Der mutmassliche Drahtzieher sei bereits am Dienstag in Polen festgenommen worden. Ein Haftrichter ordnete am Donnerstag Untersuchungshaft für den 46-Jährigen und drei mutmassliche Komplizen an, wie ein Sprecher der Warschauer Polizei mitteilte.

Insgesamt hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg am vergangenen Dienstag 170 deutsche und polnische Beamte 14 Haftbefehle vollstreckt und 30 Objekte in Hamburg, Essen, Duisburg, Gelsenkirchen und Limburgerhof sowie in Warschau, Posen, Legionowo und Lodz durchsucht.

Rund 50 Beschuldigte

Dabei wurden Geld, Schmuck und Luxusautos sichergestellt. Die gut organisierte Bande soll nicht nur in Deutschland und Polen, sondern auch in der Schweiz und Luxemburg ältere Menschen betrogen haben.

Die Staatsanwaltschaft und die Abteilung für Organisierte Kriminalität im Landeskriminalität Hamburg hatten bereits im November 2012 mit den Ermittlungen begonnen, als sich konkrete Hinweise auf eine mehrstufige hierarchische Organisationsstruktur ergeben hatten. Insgesamt werde gegen knapp 50 Beschuldigte zwischen 16 und 63 Jahren in mehreren deutschen und polnischen Städten ermittelt.

Die drei mutmasslichen Haupttäter - neben dem 46-Jährigen zwei 27 und 44 Jahre alte Männer - hatten laut Polizei von Polen aus gezielt ältere Menschen angerufen. Zeichnete sich ein aus deren Sicht «erfolgreiches» Gespräch ab, wurden Komplizen verständigt, welche zu den 55 bis 99 Jahre alten Opfern fuhren und die Beute anschliessend nach Polen brachten. Nach derzeitigen Erkenntnissen ist bei knapp 100 Fällen ein Sachschaden von insgesamt rund 1,5 Millionen Euro entstanden. (mrs/sda)

Erstellt: 30.05.2014, 17:08 Uhr

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