Psychisch gestörter Mann legt Feuer in Solothurner Kathedrale

Ein 61-Jähriger hat am Morgen in der St.-Ursen-Kathedrale in Solothurn Benzin ausgeleert und das jahrhundertealte Gebäude angezündet. Es war nicht seine erste Straftat.

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Ein 61-jähriger Schweizer hat am Dienstag in der Solothurner St. Ursenkathedrale vorsätzlich Feuer gelegt. Obwohl der Brand rasch gelöscht werden konnte, ist der Sachschaden gross. Die Polizei nahm den arbeitslosen Mann fest.

Gegen den offenbar psychisch gestörten Mann lief bereits 2009 eine Strafuntersuchung, wie der Solothurner Staatsanwalt Martin Schneider an einer Medienkonferenz sagte.

Täter wollte Zug zum Entgleisen bringen

Damals ging es um Straftatbestände wie versuchte Störung des Eisenbahnverkehrs und schwere Körperverletzung. Der in Olten wohnhafte Mann hatte offenbar einen SBB-Regionalzug zum Entgleisen bringen wollen. Er sass insgesamt einen Monat in Untersuchungshaft.

Beim kantonalen Amt für soziale Sicherheit ist der Mann bereits früher gemeldet worden. Es gehe einen fürsorgerischen Freiheitsentzug, sagte Schneider. Ein psychiatrisches Gutachten sei in Arbeit.

Der vorläufig Festgenommene habe die Brandstiftung gestanden. Er werde derzeit einvernommen. Das Motiv der Brandstiftung sei noch unklar. Die Polizei fand beim Mann jedoch ein Schreiben vom Oktober 2010. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen.

10 Liter Benzin ausgeleert

Der Mann hatte am Dienstag um 10 Uhr rund zehn Liter Benzin aus zwei Kanistern beim Altar der Kathedrale auf einen Teppich geleert und mit einer Kerze angezündet. Wie Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalpolizei, weiter sagte, hatte der Sakristan die ausgeleerte Flüssigkeit bereits zuvor entdeckt und Alarm geschlagen.

Ein zufällig anwesender Feuerwehrmann konnte den Brand rasch löschen. Es habe sich trotzdem ein «grosses Feuer mit sehr starkem Rauch» entwickelt, hielt Bartenschlager fest.

Der Brandstifter lief nach seiner Tat nicht weg. Der Sakristan hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf. Der Mann habe die Tat gegenüber den anwesenden Personen umgehend gestanden.

Hoher Sachschaden

Der durch die Brandstiftung entstandene Sachschaden im Innern der St. Ursenkathedrale ist beträchtlich, wie eine Besichtigung zeigte. Der Altar und der darunter liegende Teppich sind stark beschädigt.

Die historische Kathedrale ist vor allem stark verrusst. Auch in den beiden Orgelpfeifen-Anlagen wurde viel Russ festgestellt. Wie lange die Reinigung dauern wird, ist offen. Die Kantonspolizei schätzt den entstandenen Sachschaden derzeit auf mehrere 100'000 Franken.

Während der Aufräumarbeiten bleibt die St. Ursenkathedrale bis auf weiteres geschlossen. Das frühklassizistische Gebäude aus dem Jahr 1773 liegt in der Altstadt und ist ein imposantes Kennzeichnen von Solothurn.

Bischofsweihe gefährdet

Die Kathedrale ist als Bischofskirche das geistliche Zentrum des Bistums Basel. Solothurn ist Sitz des Bistums. «Der Brandanschlag hat uns sehr betroffen und sehr betrübt gemacht», sagte Karl Heeb, Präsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde Solothurn.

In der Kathedrale soll am 16. Januar der Luzerner Theologe Felix Gmür zum neuen Bischof des Bistums Basel geweiht werden. Ob die Weihe wie geplant stattfinden kann, sei «sehr unklar», hielt Heeb fest. Ein Entscheid falle, wenn bekannt sei, wie lange die Reinigung der Kathedrale dauere. (oku/sda)

Erstellt: 04.01.2011, 14:29 Uhr

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