Räuber zählt im Bus seine Beute

Ein 23-Jähriger stahl in einem Shopping-Center in Thun Bargeld. Weil er unvorsichtig handelte, konnte ihn die Polizei kurz darauf festnehmen. Es soll sich um einen Serienräuber handeln.

Der Tatort:  Das Geschäftshaus an der Frutigenstrasse 6. Unten links der überfallene Laden. Hinten rechts der Maulbeerplatz.

Der Tatort: Das Geschäftshaus an der Frutigenstrasse 6. Unten links der überfallene Laden. Hinten rechts der Maulbeerplatz. Bild: Bruno Stüdle

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Maskiert und mit einem Messer bewaffnet, betrat ein Mann am Samstag kurz vor Ladenschluss gegen 17 Uhr das Yarl-Shopping-Center an der Frutigenstrasse 6 in Thun. Im Geschäft für asiatische Lebensmittel und Spezialitäten «bedrohte» er laut einer Meldung der Kantonspolizei Bern «zwei Personen und verlangte Bargeld. Als die Bedrohten flüchteten, nahm der Maskierte Bargeld aus der Kasse und rannte in Richtung Maulbeerkreisel davon.» Die sofort alarmierte Polizei leitete eine Fahndung ein.

Im Bus zählte er seine Beute

Etwa zur gleichen Zeit stiegen F* und ihr Ehemann P* bei der Schadau in einen STI-Bus der Linie Richtung Steffisburg–Flühli ein. Was sie im Bus erlebt hatten, schilderten sie gestern: «Kurz nach der Postbrücke fiel uns ein Richtung Haltestelle Aarestrasse rennender Mann auf. Ich dachte noch: Gib alles, dann reichts für den Bus. Während auf der anderen Strassenseite der Streifenwagen der Polizei mit Blaulicht und Sirene Richtung Bahnhof raste, sprang der Mann in den Bus.»

In der Hand habe er ein Bündel Banknötli – fein säuberlich nach Wert sortiert – gehabt. «Als meine Frau ihn verwundert musterte, sagte er mit strahlendem Gesicht: ‹Ich hab im Lotto grad 600 Franken gewonnen›», erzählt P*. Während der vermeintlich Glückliche genüsslich seine Nötli und einen Stapel Fünfliber gezählt habe, seien er und seine Frau ins Grübeln gekommen, sagt P*: «So hohe Lottogewinne werden doch nicht bar ausbezahlt? Und wenn, dann doch in grossen Scheinen? Warum rannte der Mann Richtung Bus, und was wollte die Polizei?», fragten sie sich. Aber: «Im vollen Bus eine Beute nachzählen – so blöd kann ja auch ein Einbrecher nicht sein», habe sie sich gedacht, meint F*. P* hat sich «jedenfalls mal das Signalement des Mannes eingeprägt – für den Fall der Fälle.»

Als der Mann dann bei der nächsten Haltestelle schon wieder aus dem Bus gehüpft und «wie der Blitz um die nächste Hausecke verschwunden» sei, habe er das Handy gezückt, die 117 gewählt, der Polizei das Erlebte geschildert und einen Beschrieb des Mannes abgeliefert, berichtet P*.

Flucht um 18 Uhr zu Ende

«Kurz nach 18 Uhr konnte die Kantonspolizei Bern am Bahnhof Thun einen Verdächtigen anhalten», schreibt die Polizei in der Mitteilung von gestern. Es handle sich um einen 23-jährigen Mann aus der Region.

Für F* und P* war der «Einsatz» indessen nicht so rasch vom Tisch. Am selben Abend wurden sie auf dem Polizeiposten in Thun noch je anderthalb Stunden zum Vorfall befragt. «Die nette Polizistin und der freundliche Polizist haben mir drei Blätter mit je sechs Fahndungsfotos gezeigt. Ich hab den vermeintlichen Täter sofort wiedererkannt – weil er vom ‹Gsün› her Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan ähnlich sieht», sagt P*. «Die Beamten waren über unsere Aussagen offensichtlich sehr froh. Sie sagten, beim gefassten Mann könnte es ich um einen schon länger gesuchten Serienräuber handeln.»

Ist er «Batman»?

Ob es sich um denselben Mann handelt, der unter anderem am vergangenen Fasnachtssamstag (29.Januar) die Gunst der Stunde nutzte und als Batman verkleidet ein Kinderartikelgeschäft in der Oberen Hauptgasse überfallen hatte, wollte Daniela Sigrist, Mediensprecherin der Kantonspolizei, gestern auf Anfrage weder «dementieren noch bestätigen». Ein Blick auf die Täterbeschreibungen in den Zeugenaufrufen und das Vorgehen bei den beiden Raubüberfällen lässt jedenfalls den Schluss zu, dass der am Samstag angehaltene 23-jährige Schweizer aus der Region Thun beide Überfälle verübt haben könnte.

*Initialen geändert, Namen der Redaktion bekannt

Erstellt: 14.02.2011, 13:50 Uhr

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