Rücken-Protest gegen Bill de Blasio

Eindrückliche Polizisten in New York: Nach dem Mord an zwei Kollegen kehren sie ihrem Bürgermeister bei einem Auftritt den Rücken zu.

Stummer Protest: Bill de Blasios Gang durch das Polizeicorps. (Youtube, 21. Dezember 2014)


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Nach dem Mord an zwei New Yorker Polizisten begannen die Schuldzuweisungen. Der frühere New Yorker Gouverneur George Pataki und Vertreter der Polizeigewerkschaften erhoben schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister de Blasio: Er habe das Leben der Polizisten in Gefahr gebracht, weil er die Proteste gegen Polizeigewalt in den letzten Wochen unterstützt habe, schrieb Pataki auf Twitter.

Auch Patrick Lynch, Vorsteher der grössten US-Polizeigewerkschaft Patrolmen’s Benevolent Association, kritisiert de Blasio. Schuld an der Tat seien auch jene, welche die «als Proteste getarnte Gewalt auf den Strassen» angeheizt und die Leistung der New Yorker Polizisten schlecht gemacht hätten. Sie hätten Blut an den Händen, die Verantwortung reiche «bis ins Büro des Bürgermeisters».

Was die Polizisten von de Blasio halten, zeigten sie bei einem Auftritt des Bürgermeisters. Als er durch das Corps lief, kehrten ihm alle Beamten demonstrativ den Rücken zu (siehe Video oben).

Ein junger Afroamerikaner hatte in New York zwei Polizisten mit Kopfschüssen getötet. Das kaltblütige Verbrechen versetzt ein Land in Schock, in dem seit Wochen gegen die angeblich exzessive Gewalt weisser Ordnungshüter gegen Schwarze protestiert wird.

US-Präsident Barack Obama meldete sich unverzüglich aus seinen Weihnachtsferien in Hawaii: «Die Beamten, die unseren Gemeinden dienen und sie beschützen, riskieren für uns jeden Tag ihre Sicherheit.» Dafür verdienten sie Respekt und Dankbarkeit.

Nach Angaben des New Yorker Polizeichefs William Bratton hatte der 28-jährige mutmassliche Täter die beiden Polizisten am Samstagmittag in ihrem Streifenwagen an einer Kreuzung im New Yorker Stadtbezirk Brooklyn überrascht.

Schütze wurde 19 Mal festgenommen

Er sei an der Beifahrerseite des Autos aufgetaucht und habe «ohne Vorwarnung oder Provokation» durch das Fenster immer wieder auf die Beamten gefeuert. Die Polizisten – einer war asiatischer, einer lateinamerikanischer Herkunft – erlagen wenig später in einem Spital ihren Kopfverletzungen.

«Ihre Uniform und ihre Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen in dieser Stadt zu sorgen, machte sie zur Zielscheibe», sagte Bratton bei einer im Fernsehen übertragenen Medienkonferenz aus dem Spital. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio verglich das Attentat mit einer «Exekution». Nach Worten des Polizeichefs hatten die beiden Opfer keine Chance, sich zu verteidigen. Der Schütze flüchtete nach dem Anschlag in eine nahe gelegene U-Bahn-Station. Dort schoss er sich auf einem Bahnsteig selbst in den Kopf und starb.

Der Polizistenmörder in New York soll zwei Passanten unmittelbar vor seiner Bluttat zum Zuschauen aufgefordert haben. Kurz vor den tödlichen Schüssen auf die Streifenbeamte sei der Schütze auf der Strasse auf die Leute zugegangen und habe sie dazu angehalten, ihm auf der sozialen Netzwerk-Webseite Instagram zu folgen, sagte Chefermittler Robert Boyce am Sonntag. «Schaut zu, was ich tun werde», rief der mutmassliche Täter den Passanten demnach zu.

Der Mann war den Behörden bekannt. Der 28-Jährige sei 19 Mal festgenommen worden, sagte der oberste Ermittler der Polizei in New York, Robert Boyce, am Sonntag.

Medienberichten zufolge wurde ihm etwa im US-Bundesstaat Georgia illegaler Waffenbesitz und Diebstahl vorgeworfen. Der Afroamerikaner hatte am Samstag im Stadtbezirk Brooklyn zwei hellhäutige Polizisten - einer war asiatischer, der andere lateinamerikanischer Herkunft - mit Kopfschüssen getötet. Nach der Tat erschoss er sich in einer U-Bahn-Station.

Drohung auf Instagram

Es war zunächst unklar, ob die Tat tatsächlich in Zusammenhang mit den jüngsten Protesten gegen Polizeigewalt in den USA steht. In einem Eintrag auf Instagram, der dem Täter zugeordnete wurde, heisst es: «Sie haben 1 von uns genommen... Lasst uns 2 von ihnen nehmen», steht demnach neben einem Foto von einer silbernen Faustfeuerwaffe mit Bezug auf die jüngsten schwarzen Opfer von Polizeigewalt.

Aufschluss über das genaue Motiv müssten die anstehenden Untersuchungen liefern, betonte Bratton. Der 28-Jährige hatte zwar ein langes Strafregister, aber offensichtlich keine Verbindung zu Terrorgruppen.

Nach Angaben Brattons hatte der mutmassliche Täter wenige Stunden zuvor in Baltimore seine frühere Freundin in den Bauch geschossen und verletzt. Die Polizei von Baltimore warnte die Kollegen in New York, dass der 28-Jährige unterwegs nach Brooklyn sein könnte. Der Hinweis kam jedoch zu spät. Die beiden Beamten konnten nicht mehr gewarnt werden.

Empörung über Polizeigewalt

US-Justizminister Eric Holder nannte das Attentat auf die Beamten einen «unsäglichen Akt der Barbarei». Der Doppelmord trifft New York in einer Zeit der Empörung über Polizeigewalt gegen schwarze Bürger.

Nach dem Tod des Afroamerikaners Eric Garner demonstrierten Tausende auf den Strassen der Millionenmetropole. Garner war bei seiner Festnahme in Staten Island nach dem Würgegriff eines weissen Polizisten gestorben. Geschworene sprachen den Polizisten «nicht schuldig».

Zuvor hatten auch die Todesschüsse eines weissen Polizisten auf den unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown in Ferguson bei St. Louis (US-Staat Missouri) landesweite Proteste nach sich gezogen.

Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton nannte es «verwerflich», die Namen Eric Garners oder Michael Browns als Rechtfertigung für Gewalt zu benutzen. Auf Twitter schrieb Sharpton: Das Prinzip «Auge um Auge lässt die Welt blind zurück.» Garners Familie habe sich bestürzt über den Polizistenmord gezeigt. Auch die Familie von Michael Brown verurteilte die Tat in einer Erklärung. (fko/chk/sda/AP)

Erstellt: 22.12.2014, 07:07 Uhr

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