Rumänin verbrennt Picasso, Matisse, Monet

Aus einer Kunstgalerie in den Niederlanden gestohlene Kunstwerke von Picasso, Matisse und Monet landeten wohl im Holzofen einer Rumänin. Sie wollte ihren Sohn schützen.

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Für die Niederlande war es der «Kunstraub des Jahrhunderts»: Im Oktober 2012 verschwanden aus der Kunsthalle in Rotterdam sieben Gemälde mit einem geschätzten Wert von 18 Millionen Euro, darunter ein Picasso, ein Matisse und zwei Monets. Die Spuren der Räuber führten nach Rumänien, wo im Januar drei Verdächtige festgenommen wurden. Am Montag erhob die rumänische Staatsanwaltschaft wegen des Raubs Anklage gegen sechs Personen. Jetzt haben rumänische Experten bestätigt, dass die Gemälde wohl allesamt verbrannt wurden.

Drei Monate lang hatten rumänische Experten die Asche aus einem Ofen untersucht, in dem die Gemälde angeblich in Flammen aufgegangen waren. Man habe darin Spuren roter und gelber Pigmente gefunden, die wahrscheinlich von diesen Werken stammten, sagte der Direktor des rumänischen Nationalhistorischen Museums, Ernest Oberländer-Târnoveanu, am Dienstagabend im rumänischen Fernsehen. Das berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Zudem seien in der Asche Reste der Nägel vorhanden gewesen, mit denen die Leinwand am Rahmen befestigt worden war.

Der Hauptverdächtige, Radu Dogaru, hatte den Untersuchungen der rumänischen Polizei zufolge die Gemälde bei seiner Mutter Olga Dogaru in der Ortschaft Carcaliu versteckt. Nach dem Raub waren die wertvollen Leinwände aus ihren Rahmen herausgetrennt und in Kissenbezüge gesteckt worden, um sie nach Rumänien zu transportieren, stellten die Ermittler fest.

Auf dem Friedhof vergraben

Olga Dogaru bestätigte der Anklageschrift zufolge, dass sie den Koffer mit den Gemälden auf dem örtlichen Friedhof vergraben habe. Nachdem ihr Sohn im Januar festgenommen worden war, hatte sie Angst bekommen und wollte ihm helfen. Deshalb grub sie den Koffer wieder aus und verbrannte ihn, zusammen mit Hausrat, im Holzofen in ihrem Haus. «Wenn die Gemälde niemals gefunden werden, gibt es keine Beweise, und er wird nicht verurteilt», sagte sie der Polizei, wie die niederländische Zeitung «Algemeen Dagblad» berichtete. Die Mutter gehört nun zu den Mitangeklagten in dem Fall.

Aus der Anklageschrift geht der Zeitung zufolge auch hervor, dass die Rumänen durch Zufall auf die Kunsthalle in Rotterdam stiessen und keine Ahnung hatten, wie wertvoll die Gemälde waren, die sie entwendeten. Offenbar hatten sie sich von einem Navigationsgerät zum Naturhistorischen Museum in Rotterdam führen lassen – und festgestellt, dass dort vor allem ausgestopfte Tiere zu finden waren. Dann entdeckten sie die Ausstellung in der Kunsthalle, die sich direkt neben dem Naturhistorischen Museum befindet.

Keine Abnehmer gefunden

Wie wertvoll die Gemälde waren, begriffen sie erst am Morgen nach ihrem Raub, als im Fernsehen davon berichtet wurde. Die Verbrecher, die offenbar auch im Menschenhandel mit Prostituierten aktiv waren, versuchten vergeblich, die Bilder in Belgien zu verkaufen. Auch in Rumänien fanden sie keine Abnehmer. Offenbar war Radu Dogaru tagelang in der Hauptstadt Bukarest mit drei Gemälden unterwegs – aufgerollt in einer Dokumentenrolle.

Neben Gemälden von Pablo Picasso, Claude Monet und Henri Matisse entwendeten die Diebe auch Werke von Paul Gauguin, Meyer de Haan und Lucian Freud. Sie waren nachts über einen hinteren Notausgang der Galerie eingebrochen, hatten die Gemälde von der Wand gerissen und die Flucht ergriffen. Die Aktion dauerte nicht länger als knapp drei Minuten.

Mit Agenturmaterial von AP (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2013, 18:27 Uhr

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