SNCF bezeichnet Unfall nach Kontrolle von 5000 Weichen als «einmalig»

Die französische Bahn hat untersucht, wie sich die Zugentgleisung in Brétigny-sur-Orge im Detail abspielte. Auslöser war wie vermutet eine lose Metallklemme. Deren Rätsel soll nun die Staatsanwaltschaft lösen.

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Drei französische Untersuchungsrichter werden den Ursachen des schweren Zugunglücks mit sechs Toten vor knapp zwei Wochen nachgehen. Ermittelt werde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, sagte der Staatsanwalt von Evry südlich von Paris, Eric Lallement. Untersucht werden soll vor allem, wie sich an einer Weiche ein Metallteil lösen konnte, das für das Entgleisen eines Intercity-Zuges verantwortlich gemacht wird.

Die französische Staatsbahn SNCF hatte zuvor erklärt, dass wie vermutet ein losgelöste Weichenteil den Unfall in Brétigny-sur-Orge südlich von Paris am 12. Juli verursacht hatte. Laut einer internen SNCF-Untersuchung löste sich ein zehn Kilogramm schweres Metallteil, das zwei Schienenstränge verbindet, und blockierte die Weiche. Der Intercity mit 385 Passagieren an Bord fuhr über diese Klemme und entgleiste. Bereits kurz nach dem Zugunglück hatte die SNCF das Weichenteil als mutmassliche Unfallursache angegeben.

Keine Hypothese bevorzugt

Warum sich das Metallteil löste, ist allerdings nach wie vor unklar, wie SNCF-Chef Guillaume Pepy einräumte. «Es werden alle Hypothesen in Betracht gezogen, aber es wird keine bevorzugt.»

Staatsanwalt Lallement sagte, die Ermittlungen im Zuge einer richterlichen Voruntersuchung würde sich «auf die Gründe für die Abwesenheit, den Bruch und/oder die Lockerung der Schraubenmuttern an dieser Klemme konzentrieren». Derzeit werde aber nicht von einem «Akt der Böswilligkeit» ausgegangen.

Beim schwersten Zugunglück in Frankreich seit 25 Jahren war ein Intercity-Zug kurz nach seiner Abreise aus Paris am Bahnhof von Brétigny entgleist. Teile des Zuges rasten auf den Bahnsteig. Zwei Zuginsassen und vier Menschen am Bahnhof kamen ums Leben, zahlreiche Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Opfer bestohlen

Staatsanwalt Lallement bestätigte auch, dass Opfer des Zugunglücks bestohlen wurden. Gestohlene Objekte zweier Fahrgäste wurden demnach in der Pariser Innenstadt wiedergefunden. Auch zeigten Bilder von Überwachungskameras, wie Menschen den Bahnhof mit Koffern verliessen, die sie beim Betreten des Gebäudes nicht bei sich hatten. Berichte darüber, dass Zugpassagiere nach dem Unfall bestohlen wurden, hatten in Frankreich für Empörung gesorgt.

Als Reaktion auf das Zugunglück liess die SNCF landesweit 5000 Weichen und 100.000 Metallklemmen untersuchen, die vergleichbar mit denen in Brétigny sind. SNCF-Infrastrukturchef Pierre Izard sagte am Mittwoch, dabei seien keine Sicherheitsrisiken entdeckt worden. Die Art des Unfalls sei «einmalig» im französischen Schienennetz. Viel genutzte Weichen sollten in den kommenden Wochen häufiger überprüft werden. (mw/AFP)

Erstellt: 24.07.2013, 15:29 Uhr

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