Porträt

Scheidung von Google

Die Biotech-Unternehmerin Anne Wojcicki trennt sich von ihrem Gatten, dem Internetpionier Sergey Brin.

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Scheidung heisst: Dinge entflechten, die zusammengewachsen sind. Bei Anne Wojcicki und Sergey Brin, beide 40, ist das besonders diffizil. Dabei waren die Biotechunternehmerin und der Google-Pionier, ein kalifornisches Traumpaar, nicht so lange verheiratet.

Eine private Boeing brachte 2007 die 60 Hochzeitsgäste in die Karibik. Zur Trauung auf einer Sandbank mussten sie schwimmen. Die Braut trug einen weissen, der Bräutigam einen schwarzen Badeanzug.

Nun, da die Ehe endet, was die US-Medien seit Tagen lustvoll kommentieren, betonten die zwei, «gute Freunde» bleiben zu wollen. Für Google wäre dies vorteilhaft. Denn Susan Wojcicki, Annes ältere Schwester, ist eine Schlüsselfigur des Unternehmens. Brin wird viel  daran­setzen, sie nicht auch zu verlieren.

Susan Wojcicki machte Anne 1998 mit Brin bekannt, einem wuschelhaarigen Doktoranden der Informatik an der Stanford-Universität. Als Brin mit Compagnon Larry Page die Internetsuchmaschine Google gründete, vermietete ihnen Susan Wojcicki ihre Garage als Geschäftslokal. Heute ist sie Vizepräsidentin bei Google. Sie kreierte die Doodles, verspielte Verzierungen, die an bestimmten Tagen (Halloween, Olympiade) das Firmenlogo neben der Sucheingabe schmücken. Sie half massgeblich bei der Übernahme der Videoplattform Youtube und beim Ankauf von Adsense, jener Firma, dank der Google auf fremden Internetseiten Inserate platziert – eine Goldgrube.

Eine gemeinsame Stiftung

Wird Susan Wojcicki aus Solidarität mit ihrer Schwester Anne Google verlassen? Darüber wird umso mehr spekuliert, als Brin bereits eine Neue hat. Amanda Rosenberg ist 16 Jahre jünger als Brin und seine Noch-Gattin. Als Marketingmanagerin bei Google bereitet sie die Lancierung der Cyberbrille vor, die Brin bisweilen demonstrativ trägt. Das auseinandergegangene Paar Wojcicki-Brin hat zwei kleine Kinder. Wie viel Geld Anne Wojcicki von den 22 Dollarmilliarden ihres Gatten nach der Scheidung bekommt, ist unklar; offenbar gibt es einen Ehevertrag, der die Summe stark begrenzt. Sie kann sich ohnehin selber ernähren. Eine brillante Vorausdenkerin wie Brin, studierte sie in Stanford Biologie. Hernach ergründete sie zehn Jahre lang als Analystin den Biotechmarkt. Und dann lancierte sie «23 and Me».

Das Unternehmen, mittlerweile mehrfach ausgezeichnet als Inno­vation, analysiert die Genstruktur von Privatkunden. Zuhanden der Wissenschaft sammelt man die genetischen Daten jener Kunden, die das erlauben. Für wenig Geld erfährt der Durchschnittsmensch, der eine Speichelprobe einsendet, ob ihm eine Glatze blüht oder Parkinson droht. Wojcicki lernte bei dem Test, dass ihr Brustkrebsrisiko erhöht ist; seither trinkt sie keinen Alkohol mehr.

Ihre Firma hat 70 Angestellte, unter ihnen hochkarätige Spezialisten. Das Arbeitsklima sei easy à la Google, heisst es. Jeden Donnerstag teilt ein Zufallsgenerator die Angestellten in Fünfergruppen, die zusammen lunchen; so lernt man sich kennen. 23 and Me schaffte es leicht, 100 Millionen Dollar Kapital aufzutreiben. Ein Teil davon kam von Google. Auch da wieder das Leitmotiv der angekündigten Scheidung: Anne Wojcicki und Sergey Brin sind intensiv verbunden. Last, but not least drückt das auch der Name ihrer gemeinsamen Stiftung aus, die medizinische Projekte finanziert. Sie heisst Brin Wojcicki Foundation. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2013, 09:31 Uhr

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